Verfasst von: markusgaertner | Juni 23, 2010

No Kurbeln Mr. President, more Sparen

Die G20 klammern sich in Toronto

an das bißchen Wachstum

Vancouver, 23. Juni 2010

Sie bestreiten 80% der globalen Wirtschaftsleistung. Sie treffen sich Samstag und Sonntag in Toronto um zu beraten, wie die Erholung nach der Krise seit 2008 gerettet werden kann. In Europa wie auch in den USA und China sind die Bremsspuren in der Konjunktur nicht mehr zu übersehen, nachdem monatelang

Green Shoots und angeblich solide Konjunktursignale gefeiert wurden.

Während der Schwung nachlässt, bricht in weiten Teilen der Welt die Haushaltsdisziplin aus. China bremst seinen heißgelaufenen Immobilienmarkt. In den USA bessert sich der Arbeitsmarkt nicht, während der Immobilienmarkt bei einem Minus von 32% für verkaufte Neubauten im Mai regelrecht kollabiert.

Und in Europa kam am Mittwoch ein ganz eigener Rückschlag: Im Juni ging zum zweiten Mal in Folge der Index der Einkaufsmanager zurück, während sich Gerüchte halten, dass Frankreichs Regierung die BIP-Prognose für 2010 nach unten korrigieren wird.

Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer werden im Osten kanadas aber nicht nur Pflaster auf die brüchige Weltwirtschaft kleben wollen. Sie werden trefflich streiten, wie das am besten zu bewerkstelligen sei.

In den USA – zumal in der Wall Street-verseuchten Obama-Administration – wurde die Stimulierung der Nachfrage mittels Anleiheverkäufen und Gelddrucken zur regelrechten Befreiungstehologie erhoben.

Obama fordert von den Europäern, die er für fiskalische Warmduscher hält, mehr Aus-gaben und weniger schädliche (so sieht er es, und Paul Krugman) Sparwut.

Doch Angela Merkel hat dem schwarzen Mann, der den schlimmsten Job in den USA bekam (so ein US-Satiremagazin) eine Abfuhr erteilt.

Njet, no Kurbeln Mr. President, more Sparen.

Doch selbst in der Hochburg der keynesianisch beeinflussten „Spend, Baby, Spend“-Befürworter, wo renommierte Ökonomen wie Paul Krugman das Wort führen, macht sich Unmut breit.

Die Einsicht wächst in den USA, dass für die These der Keynesianer – wenn der Staat für die fehlende private Nachfrage mit Stimulierung einspringt wird sich der Anschub später von selbst bezahlen, weil die Steuereinnahmen anspringen – im Augenblick etwas die Beweise fehlen.

Die nachfolgende Grafik zeigt, dass die Steuereinnahmen als Prozentsatz des BIP in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sind. Sie wichen stark von der langjäh-rigen grauen Durchschnittslinie bei 18,0% ab.

Natürlich kommt das von der Rezession sowie dem Einbruch von Immobilienmarkt und Börse. Auch die Steuersenkungen der Bush-Administration 2001 und 2003 haben dazu beigetragen.

Die Steuereinnahmen als Prozentsatz des BIP werden bei einer künftigen Erholung wieder steigen, irgendwo in die Nähe des langjährigen Trendbereichs.

Doch die Ausgaben, die langfristig bei 20,3% des BIP lagen, sind zuletzt scharf ange-stiegen. Jetzt liegt der Wert deutlich über 20% und viele Vorhersagen, auch des Budgetbüros im Kongress gehen davon aus, dass der hohe Wert für einige zeit nicht zurückgehen wird.

Im Klartext: Der Effekt, den die Keynesianer sich versprechen, ist nirgends abzusehen.

Als Familienväter wissen wir schon lange: Wir können auf Dauer nur ausgeben was wir haben. Schuldenaufnahme zwischendurch ist manchmal nötig, um unerwartete Rech-nungen zu begleichen. Doch dauerhaft müssen die Ausgaben-Gewohnheiten mithelfen, das Budget auszugleichen.

In diesem Zusammenhang ist die Attacke von George Soros auf das Sparpaket der Bundesregierung nicht mehr als der opportunistische Angriff eines reichen Mannes, der wie so viele an der Wall Street Angst um seine schöne Party hat, wenn über Jahre hinweg endlich das getan wird, was schon lange fällig war: Mehr Verwantwortung mit dem Geld (und der Umwelt) künftiger Generationen.

Dass das für die Börse keine Perspektive ist die Begeisterung auslöst, kann jeder nachvollziehen. Aber es kann für verantwortungsvolle Politik kein Maßstab sein, ob wichtige Entscheidungen dem Fun-Faktor an der Börse genügen.


Responses

  1. […] Schwellenländer in Toronto und beraten über Möglichkeiten, das weitere Wachstum sicherzustellen, klammern sich weiterhin an das wenige Wachstum, was momentan noch da ist. Was kann man […]

  2. […] Gärtners Blog: Die G20 klammern sich in Toronto an das bißchen Wachstum: Sie bestreiten 80% der globalen Wirtschaftsleistung. Sie treffen sich Samstag und Sonntag in Toronto um zu beraten, wie die Erholung nach der Krise seit 2008 gerettet werden kann. In Europa wie auch in den USA und China sind die Bremsspuren in der Konjunktur nicht mehr zu übersehen, nachdem monatelang […]


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