Verfasst von: markusgaertner | Juni 20, 2010

Die Renminbi-Luftnummer

Liberalisierung des Renminbi-Regimes

kommt ohne Details und Zeitplan

Vancouver, 21. Juni 2010

Diese Ankündigung wird in den Medien als überraschend und bedeutend gefeiert, als Lösung des Dollar-Pegs und als Beginn der nächsten Aufwertungsrunde von Chinas unterbewerteter Währung. Sogar die DOW-Futures

für den Montagshandel sausen nach oben, nachdem die People´s Bank of China am Samstag den Schritt verkündete: Ohne irgendwelche Details und ohne Fahrplan, versteht sich.

Natürlich ist völlig klar, warum das jetzt passiert. Am kommenden Wochenende steigt in Toronto der Gipfel der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer, der G20.

China musste dort mit erheblichem Druck, vor allem von amerikanischer Seite, rechnen.

Doch den Forderungen aus Washington, Brüssel, Berlin und Paris hat die Pekinger Führung gekonnt den Wind aus den Segeln genommen. Und das, ohne sich genau festzulegen.

Ein typisches Minimalprogramm – die KP-Führung ist nach jahrzehntelanger Propaganda-Erfahrung Weltmeister im Wecken großer Erwartungen mit geringen Zugeständnissen. Die eigene Bevölkerung hat dies längst erkannt. Nur im Westen erwartet man immer so viel von solchen Botschaften wie deren Quelle es will.

Bei Bloomberg lesen wir am Sonntag abend amerikanischer Ostküstenzeit, dass der Renminbi seinen größten Sprung seit dem Dezember 2008 macht.

Unglaublich ! – Das klingt ja nach einem mächtigen Satz.

Es sind aber lediglich 0,14 Cent auf 6,8165 zum Dollar, also nur eine Veränderung von 0,25%.

Um zu verdeutlichen, welcher Minischritt das ist, und welche Relevanz der vorerst hat – nämlich gar keine – lege ich am Ende des Blogeintrags meinen ECONCHART von Mitte März bei. Da war der zuletzt eingetragene Kurs 6,82 zum Dollar.

Also fast eine Punktlandung, praktisch keine Verschiebung.

Und dabei wird es zunächst auch bleiben. Die Chinesen haben keinerlei Drang, ihre jüngst eingeleiteten Bremsmanöver, die eine Überhitzung des Immobiliensektors verhindern oder zumindest dämpfen sollen, noch drastisch zu verstärken und der Turbowirtschaft einen Overkill zu verpassen.

Außerdem müssen amerikanische Protektionisten und das Weiße Haus, vor allem aber Herr Geithner, vorsichtig sein, was sie sich wünschen und worüber sie jetzt jubeln.

Denn knapp über 50% aller Chinaexporte stammen immer noch aus westlichen Fabriken, die im Reich der Mitte stehen. Und dazu gehört ein erklecklicher Teil US-Firmen. Die verlieren einen Teil ihrer Wettbewerbsfähigkeit, wenn China aufwertet. Und sie haben dann weniger Dollars, die sie nach Hause transferieren können, für ihren nächsten Showauftritt im Quartals-Blitzlichtgewitter der Wall Street-Analysten.

Chinas Renminbi hat in diesem Jahr gegenüber dem schwächelnden Euro rund 15% zugelegt, was chinesische Lieferungen auf den größten Exportmarkt des Landes – die Eurozone – deutlich verteuerte. Viel mehr Aufwind wäre für Tausende von chinesischen Firmen eine schmerzhafte Belastung, die sie derzeit nicht brauchen können.

Dennoch kann China von einer behutsamen Aufwertung – und deshalb erwarte ich eine solche (Minischritte) – auch profitieren: Die Importkosten sinken, was den Effekt der verteuerten Rohstoffe drosselt und die Inflationsrate zügelt: Diese kletterte im Mai mit 3,1% auf ein 19-Monatshoch und schoss damit über die Zielmarke der Notenbank bei 3% hinaus.

Eine Anhebung des Renminbi wird auch die Kaufkraft der 1,3 Mrd. Chinesen beflügeln. Das ist ein Effekt der gerne gesehen wird, in einer Phase, in der die auf Staatskapitalismus setzenden Hybrid-Kommunisten in Peking den privaten Konsum forcieren wollen.

Eine sehr vielsagende Analyse zu der Ankündigung der Chinesen kommt von dem stets ausgezeichnet informierten Asien-Team der UBS in China. Hier ein Auszug aus dem jüngsten „Asian Economic Comment„, mit dem Titel „Asia:Distracted by the RMB“

Hier das Zitat: 

Which matters more for Asia a 30% decline in the Euro against the dollar from the peak (the UBS forecast) or a 3-4% appreciation in the RMB as our head of China economist Tao Wang forecasts? Your author firmly believes that developments in Europe far outweigh probably the most consensus call of 2010; namely, that the Chinese government would at some point this year allow the RMB to resume gradual appreciation. On Sunday China said that it planned to allow greater flexibility with reference to a basket of currencies in the future. The daily trading band for the RMB was left unchanged at 0.5% and as of today the central reference rate was still unchanged. (For a fuller discussion of the announcement please see 20 June 2010 UBS China Economic Comment – The CNY Move by Tao Wang.) But your author believes the near hysteria this morning over the RMB risks distracting investors from what matters most over the next year for Asia: a) will China succeed in containing inflation and how soon can we expect an easing in Chinese policy that would boost imports b) what is going to happen to Asian exports to advanced countries such as Europe given that their basic macro policies are anti-import growth (Euro depreciatio n and fiscal tightening)? It seems odd, from Asia’s perspective, to emphasise a very small change in China’s exchange rate policy over what is happening in advanced economies like Europe. The excitement is fun, but it’s hard to see why we should be changing any Asian forecasts due to China’s announcement.


Responses

  1. Sehr schön erkannt, und pointiert geschrieben. Super.


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