Verfasst von: markusgaertner | Juni 9, 2010

Europa bremst die Weltwirtschaft

Der neue „Global Economic Prospects“-Bericht

der Weltbank

Vancouver, 10. Juni 2010

Die Gute Nachricht zuerst: Die Weltbank vermag bislang noch keine größeren Auswir-kungen der Schuldenkrise in Europa auf den Rest

der Weltwirtschaft zu erkennen:

„So far evolving financial developments in Europe have had limited effects on financial conditions in developing countries. Although global equity markets dropped between 8 and 17 percent, there has been little fallout on most developing-country risk premia.“
 
Doch die Tiefausläufer vom Alten Kontinent haben bereits die Weltbörsen in Angst und Schrecken versetzt. Die Weltbank hält zumindest das Timing des fiskalischen Vulkan-ausbruchs in Europa für brisant, weil es zu einer Zeit kommt, in der die junge Erholung an Breite gewinnt und die BIP-Zuwächse mehr von privaten Investitionen und dem Konsum der privaten Haushalte abhängen.
 
Das Problem, so heißt es in dem Bericht, sei der Mangel an Daten, die Schleifspuren der Euro-Turbulenzen in Nordamerika, Asien oder Afrika erkennen messen ließen.
 
GRAFIK eins: Der Welthandel erholt sich schnell, zeigt aber nachlassende Dynamik

Daher geht die Weltbank davon aus, dass die globale Wirtschaft im laufenden Jahr und auch 2011 um jeweils 3,3% wachsen wird. Sollte allerdings die derzeitige Unsicherheit an den Märkten anhalten , wäre in den reicheren Ländern eine striktere Fiskalpolitik zu erwarten. Das Resultat wäre 3,1% Wachstum in 2010 und 2,9% in 2011.

Nach einem Absturz hört sich das nicht an, und das ist eine gute Nachricht.

GRAFIK zwei: Die Verschuldung der G7 erreicht wieder das Niveau, das sie nach dem Zweiten Weltkrieg hatte

Doch hier kommen die Gedanken der Weltbank zu dem Worst Case, in dem eines der Wackelländer umschulden oder den Staatsbankrott erklären muss und damit eine Ver-trauenskrise auslösen würde (haben wir die nicht schon ?): Sollte das einer der fünf größten Volkswirtschaften in der Eurozone passieren, wären zahlreiche Banken außerhalb dieser Länder in akuter Insolvenzgefahr.

In der Folge wäre der Kapitalfluss in richtung Lateinamerika und Asien „ernsthaft be-einträchtigt“.

GRAFIK drei: Die Schwellenländer treiben immer mehr die Weltwirtschaft an

Während die Börsen im Mai zwischen 8% und 17% einbüßten, zeichnete sich bereits ein „erheblicher Rückgang der Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer“ ab.

Einige Schwellenländer sehen sich der Weltbank zufolge schon jetzt fiskalischen Heraus-forderungen gegenüber, darunter Indien, dessen Staatshaushalt im Finanzjahr 2009/10 bereits einen Fehlbetrag in Höhe von 9,5% des BIP erreicht.

Als eine der zentralen Gefahren der nächsten Monate sieht die Weltbank, dass niedri-gere Steuereinkünfte, geringere Erlöse aus Rohstoffexporten sowie ein verschärfter Wettbewerb um die globalen Ersparnisse private und öfentliche Investitionen abwürgen könnte.

Das Wachstum des BIP in den USA soll für ganz 2010 dank starker Quartale im zweiten Halbjahr 3,3% betragen. Für Japan werden 2,5% erwartet. Im Euroraum dagegen nur läppische 0,7%.


Responses

  1. […] Gaertner’s Blog gibt’s den “neuen Global Economic Prospects Bericht” zu lesen sowie die Einschätzung von Markus Gaertner […]


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