Verfasst von: markusgaertner | Juni 9, 2010

Afrika-Special zur Soccer-WM

Der Schwarze Kontinent ist Wachstumsprimus

unter den Schwellenmarkt-Regionen

Vancouver, 9. Juni 2010

Wir hatten an dieser Stelle vor einiger Zeit schon eine ausführliche Afrika-Analyse. Aber die Fußball-WM in Südafrika, die am Freitag angepfiffen wird, ist ein schöner Vorwand für ein Update. Afrika ist zu der am schnellsten

wachsenden Region unter den Schwellenländern aufge-stiegen, trotz aller weiterhin bestehenden Probleme wie Hunger, Armut, Trockenheit, ungleiche Verteilung und Diktaturen.

Der Kontinent verdient also viel mehr Platz in den Medien als nur für diese altbekannten Themen.

Das neueste McKinsey Quarterly bringt eine sehr schöne, umfassende Analyse über die Wachstumstreiber in der zunehmend dynamischen Story zwischen Kairo und Kapstadt.

An vorderster Stelle stehen Rohstoffe, Handel, Landwirtschaft, Transportwesen, Tele-kommunikation und die Finanzbranche.

Die wichtigsten Fakten daraus: Vom Jahr 2000 bis zum Ausbruch der globalen Krise legte das BIP des Kontinents jedes Jahr um 4,9% zu. In den 80er und 90er Jahren war die ge-samtwirtschaftliche Leistung lediglich halb so schnell gewachsen.

Neben den genannten Sektoren legen auch die Bauwirtschaft, Infrastruktur und der Zu-fluss von Kapital zu. Die neue Wachstumsstory wird folglich trotz einiger Ausnahmen international wahrgenommen.

„Viele von Afrikas mehr als 50 individuellen Volkswirtschaften sehen sich ernsten Heraus-forderungen gegenüber, einschließlich Armut, Krankheiten und hoher Kindersterblichkeit“, heißt es in dem McKinsey-Bericht.

Doch das kollektive BIP des Kontinents ist nun mit 1.600 Mrd. Dollar auf einer Augenhöhe mit den BRIC-Staaten Brasilien und Russland.

Landwirtschaft:

Das ist Afrikas größter Sektor, mit einem Anteil von 15% am BIP. Es geht um 100 Mrd. Dollar jährlich. Doch die Erfolgsgeschichte ist auf wenige Länder konzentriert. Ägypten und Nigeria beispielsweise tragen ein Drittel bei.

Afrikas Potenzial wird in diesem Segment bei weitem nicht ausgeschöpft. Begründung: Mit über einem Viertel der bewirtschaftsbaren Landwirtschaftsfläche auf der Welt wird nur 10% der weltweiten Agrarproduktion bestritten.

Einer der Gründe: Die Landwirtschaft auf dem Kontinent ist stark fragmentiert. 85% von Afrikas Farmen sind weniger als 2 Hektar klein.

Laut McKinsey kann allein der Bereich unterhalb der Sahara jährliche Agrarinvestitionen von 50 Mrd. Dollar brauchen. Eine phänomenale Investment-Story. Für Leute mit Geduld und guten Nerven, versteht sich.

Auch die Finanzwirtschaft in Afrika wächst rasant. Der Kontinent, vor allem südlich der Sahara, ist ein wichtiger Player innerhalb des Bankensystems der Schwellenmärkte geworden.

Mit einem addierten Bilanzvolumen von 669 Mrd. Dollar kommt die Geldbranche auf dem Kontinent ebenfalls in die Gegen von Russland, mit 995 Mrd. Dollar.

Der Finanzsektor wächst in den meisten Ländern schneller als die Gesamtwirtschaft. Ein Beispiel: Zwischen 2000 und 2008 wuchs Kenyas BIP um 4,4% im Jahr, die Geldbranche um 8,5%.

Der private Konsum steigt rasant, weil immer mehr Menschen aus der bittersten Armut entkommen. Der Konsum nahm in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts jährlich um 16% zu, zwei Mal so schnell wie das BIP. Das BIP pro Kopf der Bevölkerung wuchs in dieser Zeit in allen außer zwei Ländern Afrikas.

Bis 2015 sollen laut McKinsey in Afrika weitere 221 Millionen Menschen der bittersten Armut mit einem Jahreseinkommen von unter 1.000 Dollar entkommen und in das Ein-kommenssegment 1.000-5.000 Dollar pro Jahr aufsteigen. Doch es bleibt dabei: 95% der Bevölkerung werden weiterhin dem Bodensegment der Pyramide zugerechnet.

Große Fortschritte werden auch im Bereich Infrastruktur beobachtet. Zwischen 1998 und 2007 wuchsen die Ausgaben für Afrikas Infrastruktur jährlich um 17%, von ursprünglich 3 Mrd. auf 12 Mrd. Dollar.

Die Zuwachsrate liegt deutlich über dem weltweiten Schnitt. Von 1999 bis 2001 hatte Afrika einen Anteil von 11% an den privaten und international finanzierten Aufwendungen für die Infrastruktur. Von 2005 bis 2007 stieg dieser Anteil bereits auf 17% an.

Doch der Abstand zum Rest der Welt, insbesondere führenden Schwellenländern, bleibt beachtlich. Beispiel Nigeria, das bis 2020 eine der 20 führenden Volkswirtschaften auf dem Globus werden will.

Allein um die aktuellen Infrastrukturausgaben von Brasilien zu erreichen, müssten in den nächsten 20 Jahren über 190 Mrd. Dollar aufgewendet werden, 60% des heutigen BIP.

Der Bergbau hat offenbar trotz riesiger Vorkommen und immenser Potenziale noch längst nicht das Gewicht und die Investitionen, die er bräuchte. Elf afrikanische Länder ran-gieren jeweils mit mindestens einem Rohstoff unter den 10 größten Lieferanten der Welt.

Afrika besitzt die meisten der bekannten Reserven bei Platin und Diamanten, und er hat beträchtliche Weltmarktanteile bei Bauxit, Kobalt, Gold, Phosphaten und Uran.

Doch politische Instabilitäten, mangelnde Infratsruktur und die bekannten Konfliktzonen setzen Bergbau-Investments bis heute enge Grenzen, bzw. limitieren den wachsenden Appetit internationaler Minenfirmen.

So unterhält nur einer der weltweit fünf größten diversifizierten Bergbaukonzerne einen größeren Teil seiner Produktion in Afrika.

Öl und Gas sind zentrale Bestandteile der afrikanischen Wachstums-Story geworden. Bis 2015 sollen 13% der weltweiten Rohölproduktion in Afrika stattfinden. 1998 waren das noch 9%.

In den vergangenen Jahren war der Produktionszuwachs bei Öl in Afrika größer als ir-gendwo sonst in der Welt. Das gilt selbst im Vergleich mit der rasant wachsenden Ölsand-förderung in Alberta.


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