Verfasst von: markusgaertner | Juni 8, 2010

Zu viel Elixier = GIFT

Die USA: Das „am wenigsten schmutzige

Schulden-Hemd“

Vancouver, 8. Juni 2010

Mit Politikern ist es wie mit Reisenden: Sie bewegen sich ständig auf irgendwelchen „Gleisen“, stellen „Weichen“, oder „rangieren“. Bei Frau Merkel kommt mir nach der bitteren Kritik von allen Seiten an dem eilig geschusterten Sparpaket

das Bild vom entgleisenden Zug in den Sinn, vielleicht auch vom Abstellgleis.

Egal

Mit Anthony Crescenzi, einem der Topleute beim weltweit größten Bondinvestor PIMCO, hat nun ein führender Kapitalmanager ein vielsagendes und brisantes Bild aus der Reisebranche benutzt.

Crescenzi sprach unter Bezugnahme auf die eskalierenden Budgetdefizite in Europa und Nordamerika von einer „Keynesianischen Endstation„. Vor meinem geistigen Auge entsteht dabei das Bild eines Zuges, der im Sackbahnhof ungebremst auf eine Mauer zurast.

Gemeint hat Crescenzi, dass westliche Staaten nach massiven Konjunkturprogram-men, denen 50 Jahre unverantwortlichen Budgetgebahrens vorausgingen, nun einen kritischen Punkt erreicht haben: Die finanzielle Substanz ist so aufgezehrt, dass bei einem erneuten Abtauchen in die Rezession – dem gefürchteten „Double Dip“ – in den kommenden Monaten kaum noch Munition für neuerliche Konjunktur-Stimulierung vorhanden ist.

„Zeit, Abwertung oder Schuldenschnitte dürften für einige Länder der einzige Ausweg sein“, so folgert Crescenzi.

Im Klartext: Die staatlich finanzierten Konjunkturprogramme – wie sie US-Finanzminister Tim Geithner den Europäern immer noch aufschwätzen will – werden nun „als ein Elixier“ gesehen, „das sich in Gift verwandelt hat“. – Man höre und staune ….

Diese Worte stammen auch aus dem Munde von Herrn Crescenzi, was sie umso brisanter macht, denn damit liefert er ja den Europäern Munition, die sagen: So Leute, jetzt ist Schluss mit der endlosen Ausweitung der Schulden, selbst aus so wichtigem Grunde wie ihn uns die laufende Krise liefert.

Dass der Hinweis von Herrn Crescenzi aus den USA stammt, ist eine Ironie: US-Präsident Barack Obama hat vor ein paar Wochen auch das Sparen als neue Tugend propagiert. Seitdem hat er wenig dazu gesagt, er ist ja überhaupt ziemlich abgetaucht.

Stattdessen führt der oberste Wall Street-Lobbyist in seinem Kabinett, Herr Geithner, das große Wort und fordert vom Rest der Welt, Helicopter-Geldpolitik zu betreiben.

Das sagt uns auch einiges über die wahren Machtverhältnisse in den USA. Die Wall Street fordert von der Administration, angesichts neuer düsterer Konjunktur-wolken unverzüglich die Geldschleusen noch weiter aufzumachen, damit den Junkies im und rund um den Börsensaal in New York nicht der Stoff ausgeht.

Die Fakten lauten derweil so: Das summierte US-Defizit hat im laufenden Monat erstmals 13.000 Milliarden Dollar erreicht. Das sind Zahlen aus dem Finanzministerium von Herrn Geithner.

Spätestens 2012 werden die öffentlichen Schulden der USA das Bruttoinlandsprodukt von jetzt 14.200 Milliarden Dollar übersteigen. Das sagt der Internationale Währungs-fonds vorher.

Die Obama-Administration hat für das laufende Haushaltsjahr – es begann am 1. Oktober – einen Fehlbetrag von 1.600 Milliarden Dollar prognostiziert. Das ist ein historischer Rekord für das Land.

Die US-Finanzen hätten sich durch Rezession, Kreditkrise und eskalierende Ausgaben „substanziell verschlechtert“, meckerte Moody´s-Analyst Steven A. Hess in einem Bericht am 25. Mai. Das war´s. Eine brave Warnung. Mehr nicht.

Einen lauten Warnschuss gegen die Erosion der US-Finanzposition, oder gar eine Herabstufung, traut sich dann aber doch keine der Ratingagenturen. Die machen sich hier nach der Subprime-Krise mindestens zum zweiten Mal schuldig.

Und während sie sich bei den USA keine Herabstufung trauen, schießen sie sich auf andere ein, wenn auch aus gutem Grund: Die öffentlichen Defizite in Großbritannien seien „beachtlich“, gab Fitch am Dienstag zu Protokoll – und bringt damit die Artillerie in Stellung.

Das AAA-Rating der Insel wurde zunächst nicht angetastet, es wurde gar mit einem „stabilen“ Ausblick versehen. Clevere Jungs, die Leute bei Fitch. So wird man nicht angreifbar, wenn man die USA mit ihrer unhaltbaren Schuldensituation weiterhin verschont.

Und wer bailt dann den weltweit führenden Bailouter aus, wenn die USA schlapp machen ? Wir ahnen die Antwort schon …..

Und wir fragen uns auch, wie das gehen soll. Die Ersparnisse der Welt sind, als Aggregat betrachtet, längst aufgebraucht.

Die Geduld bald auch, wie die heftigen Proteste und Aufrufe zum Widerstand gegen das Sparpaket in Deutschland zeigen.

Auch wenn das Wetter nicht mitspielt, den heißen Sommer bekommen wir.

Die Fußball-WM bringt uns in Stimmung. Den Grund auf die Straße zu gehen, liefern unsere Regierungen. Und wenn wir nicht mitmarschieren, vergehen wir uns an der Demokratie.


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