Verfasst von: markusgaertner | Juni 4, 2010

Propaganda Street Journal

Wall Street Journal druckt ekelhafte Erklärung von BP-CEO

Vancouver, 4. Juni 2010

Er gibt sich als mitfühlender BP-CEO, der den Gottesdienst für die elf Männer besuchte, die bei der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon am 20. April im Golf von Mexiko ums Leben kamen. Tony Hayward gesteht Fehler ein und billigt den Amerikanern zu, sie stellten zurecht Fragen.

Der Rest ist blanke Propaganda, die der Mann, der sich in künftigen Straf-verfahren als Amerikas größter Umweltverbrecher herausstellen könnte, im medialen Flaggschiff der Wall Street heute von sich gibt. Und das zum Auftakt einer sündhaft teuren PR-Kampagne, die der Energiekonzern startet, um sein Image reinzuwaschen.

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VIDEOS, GRAFIKEN & ANIMATIONEN zum Öldesaster  – http://www.nola.com/news/gulf-oil-spill/index.ssf/2010/05/how_the_gulf_of_mexico_oil_spi.html

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Das Geld hätte BP lieber aufwenden sollen, um die andere Hälfte der Ent-schädigungsanträge von Fischern und anderen Geschäftsleuten entlang des ölverschmierten Golfs zu bearbeiten.

Ich habe das Wall Street Journal früher einmal gerne gelesen, bin im Laufe der Zeit aber immer skeptischer geworden, weil es mir immer schwerer fiel, die Zeitung als unabhängiges Nachrichtenmedium zu sehen.

Heute hat das „Journal“ es eindeutig übertrieben und wird von meiner Liste der seriösen Zeitungen gestrichen.

Herr Hayward macht in dem ellenlangen Artikel keine Anstalten, nach mehr als einem Monat Ölseuche endlich Transparenz über das wahre Ausmaß der Katastrophe, die in Auftragsarbeit für den von ihm geführten Konzern ausgelöst wurde, herzustellen. Auch nach diesem Artikel wird weiter gerätselt.

Ich glaube diesem Mann die Anteilnahme nicht, nachdem er ja in der ver-gangenen Woche vehement verlangt hat, er wolle sein Leben wieder-haben. Die nachgereichte Entschuldigung – vor allem an die Adresse der Familien der Opfer – ändert daran nichts.

„The industry and the government did not anticipate this type of accident“, schreibt der Mann unter anderem.

Damit rührt er an der fundamentalen Frage, um die viele US-Medien bis heute einen weiten Bogen schlagen: Warum werden solche Plattformen überhaupt genehmigt, wenn die Technologie für einen solchen Unfall nicht vorhanden ist ?

Vielleicht weil alle Beteiligten dieses gigantische Desaster für einen hin-nehmbaren Schaden halten ?

Der größte Affront gegen unsere Vernunft und Intelligenz kommt in diesem Zusammenhang indes leider nicht einmal von den BP-Managern. Er stammt von der ehemaligen Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, die Umwelt-aktivisten für die Katastrophe am Golf von Mexiko verantwortlich macht.

Gleichauf in der Schwachsinns-Liga rangieren jene, die in diesen Tagen die Amerikaner daran erinnern, ihr Importöl komme vom terrorverseuchten Nahen Osten. Im Klartext: Seid vorsichtig, wie schnell Ihr ein Ende der Offshore-Bohrungen fordert – Das ist die Angstkampagne, mit der George W. Bush regierte.

Doch der Hinweis auf die internationalen Ölquellen der USA ist ebenfalls billige Propaganda.

Denn drei der fünf führenden Öllieferanten der USA sind in der westlichen Hemisphäre: Kanada, Mexiko und Venezuela. Kanada als der größte Lieferant verkauft jeden Monat mehr Öl an die USA als alle Emirate am Persischen Golf zusammen.

Das kann man auf der Webseite der offiziellen Energy Information Admi-nistration ebenfalls alle vier Wochen in der neuesten Statistik nachlesen. Während die USA vom Persischen Golf im März 57 Mill. Barrel Öl impor-tierten, waren es aus Kanada 78 Mill., satte 36% mehr.

Mit Ausnahme des Apollo-Programms in den 60er Jahren habe nie eine Firma oder Organisation so viele führende Wissenschaftler und andere Kapazitäten zusammengebracht, um ein technisches Problem zu lösen, schreibt Hayward weiter.

Dieser Unsinn stammt aus der Feder eines Mannes, dessen Unternehmen – vielleicht auch er selbst – guten Rat wie den des Filmregisseurs und Tief-seeforschers James Cameron nicht annahm.

Zumindest akzeptiert Herr Hayward, dass ein Manager Pflichten habe: „… a vivid reminder of the duty that a manager owes …. “ – Würde er wenig-stens das ernst meinen, müsste er sofort zurücktreten. Es wäre die einzig ehrenhafte und konsequente Entscheidung, die er in Zusammenhang mit der Katastrophe getroffen hätte.

Jeder Aktionär, der diese Firma jetzt mit Käufen stützt, und jeder Politiker und Staatsanwalt, der sie nicht ernsthaft zur Rechenschaft ziehen und ihre Machenschaften untersuchen will, macht sich mit strafbar an Ameri-kas größter Umweltkatastrophe.

Ebenso die Obama-Administration, die mit BP viel zu nachsichtig umgeht. Eine Überraschung ist dies allerdings nicht. Obamas Team war der größte Empfänger von BP-Spenden während des Präsidentschaftswahlkampfs 2008.

Unsere Gesetzgeber sollten endlich – auch in Europa – Manager für grobes Fehlverhalten, Korruption und Betrug persönlich haftbar machen.

Stattdessen gibt es Politiker wie die republikanischen Senatoren David Vitter aus Louisiana und Jeff Sessions aus Alabama, die den Betrag, mit dem BP haften muss, gesetzlich zwar anheben, aber strikt begrenzen wollen.  

Mir wird bei alldem nur noch speiübel.


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