Verfasst von: markusgaertner | Juni 1, 2010

Wo bleibt Russland ?

Aus BRIC wird langsam BIC – Was ist los, Herr Putin ?

Vancouver, 1. Juni 2010

Ich kann mir nicht helfen, aber Russland ist irgendwie völlig aus dem Nachrichtenstrom abgetaucht. Zeit, mal nachzuschauen …. Vor einem Jahr stellten manche

Beobachter – darunter die UBS-Analysten – die Frage, ob Brasilien überhaupt in die BRICs-Guppe – Brasilien, Indien, China, Russland – gehöre. Nach den erfreulichen Wirtschaftsdaten aus dem südamerikanischen Land in den vergangenen Monaten zweifelt jetzt niemand mehr.

Doch die jüngsten Daten aus Russland wecken erhebliche Zweifel: Bei der Kreditvergabe, der Industrieproduktion, beim Wachstum und im Autosektor fällt Russland gegenüber den drei BRIC-„Brüdern“ weit zurück.

Von Erholung ist da nicht viel zu sehen, schon gar nicht von der wuchtigen BRIC-Dynamik. Das Land scheint derzeit nicht in der Lage, in einem schwachen globalen Umfeld aus eigener Kraft – so wie China oder Indien beispielsweise – einen nachhaltigen Aufschwung zu orchestrieren. Und das als großer Rohstoff- und Energielieferant ?

What´s going on, Mr. Putin ?

Interessant sind daher die folgenden Grafiken, die das für Schwellenländer zuständige Researchteam der UBS jetzt zum 1. Juni über Russland zusammenstellte.

Fazit: Ja, die Performance lässt zu wünschen übrig, aber die Kurven täuschen auch, im übrigen wird Russland sogar in diesem und im nächsten Jahr 7,5 und 6% Wachstum vorhergesagt.

Ganz nebenbei, auch Morgan Stanley gab vor kurzem eine so positive Prognose für Russland ab und hob die BIP-Vorhersage von 5,3 auf 6,5% an:

„We continue to expect a strong and sustainable recovery in consumption this year, driven by large pension hikes, declining inflation, and falling savings rates against a background of lower interest rates and minimal household leverage,“ the broker said. „Policy stimulus, having arrived so late, looks unlikely to be withdrawn this year, and indeed Russia’s car scrappage program is only just beginning.“

GRAFIK eins: Stagnation in Russlands Industrieproduktion (Quelle: UBS)

GRAFIK zwei: Im Autosektor legt Russland den Rückwärtsgang ein, während China sich als größter Markt der Welt etabliert und Indien das Epizentrum für den Kampf um die Vorherrschaft im Kleinwagensegment wird (Quelle: UBS)

GRAFIK drei: Während in China, Brasilien und Indien die Kredite an den Privatsektor spudeln, zeigt sich Russland erneut abgeschlagen (Quelle: UBS)

GRAFIK vier: Ein Mischindex aus Wachstum und Inflation, Russland erneut am unteren Ende der Skala, kurz vor Rumänien und der Ukraine (Quelle: UBS)

Die UBS-Analysten erklären diese scheinbar extrem schwachen Daten so: Die miese Position in dem zuletzt illustrierten Aggregat aus Wachstum und Inflation hat damit zu tun, dass Russland einen rückläufigen Inflationstrend aufweist, ein gutes Zeichen.

Die offizielle Wachstumszahl von 2,9% für das erste Quartal soll zudem wenig glaubwürdig sein, weil sie impliziert, dass die ökonomische Aktivität in einigen Kernbereichen drastisch zurückgegangen ist.

Das sehen die UBS-Leute aber in ihren Daten nicht bestätigt.

Was die Kreditvergabe angeht verweisen sie darauf, dass Russland in der Boomphase von 2003 bis 2008 bei weitem nicht die horrenden Zuwachs-zahlen aufwies wie die anderen BRIC-Staaten oder einige baltische Länder. Das zählt jetzt als Pluspunkt.

Hinzu kommt die hohe Sparquote, die weiterhin Kredite und Investitionen stützen dürfte, trotz der aktuellen Delle. Begründung: Der scharfe Rück-gang in der öffentlichen Sparquote im vergangenen Jahr sei durch eine Zunahme der privaten Ersparnisse auf 29% vom BIP teilweise ausgeglichen worden. Das sorge im Zusammenwirken mit einer fallenden Inflation und einem stabilen Rubel für bessere Investitionsaussichten.

Und nach der massenhaften Flucht aus dem Rubel 2008 und 2009 kehre jetzt Kapital ins Land zurück, eine rapide Erholung der wichtigsten Geld-aggregate sei zu beobachten.

Na denn, nastrovje Russland !


Responses

  1. […] Gaertner’s Blog stellt sich die Frage, was mit Russland los ist bzw.  wie sich die Stellung der Russen innerhalb der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) entwickelt, nachdem jüngste Daten aus Russland Wachstumszweifel wecken und beim Wachstum (Kreditvergbe, Industrieproduktion, Autosektor) und einen Rückfall Russlands gegenüber den anderen BRIC-Partnern signalisieren. Gaertner’s Blog fragt, ob aus BRIC wird evt. bald BIC bwz. was los ist bei Herrn Putin? […]

  2. Vor einigigen Monaten hat der (unterschätzte) Präsident Medwedjew seine Landsleute aufgefordert, aktiver das Wirtschaftsleben zu gestalten.
    Industrieproduktion fallend, Rohstoffe unergiebig.
    Immobilienblase am Platzen.
    Rußland ist schwerkrank und wird wahrscheinlich bald implodieren.
    Putin hampelt durch die Krise ohne Antwort, man möchte sagen: ohne Fremdsteuerung hat der Mann nichts mehr zu sagen.
    Apropos: Der Vater von Medwedjew ist Oligarch der Ölindustrie, klassischer Strippenzieher.

  3. „Die miese Position in dem zuletzt illustrierten Aggregat aus Wachstum und Inflation hat damit zu tun, dass Russland“ …. inzwischen völlig in der Hand einer Art Mafiaorganisation ist, der FSB eine Nachfolgeorganisation des früheren KGB. Ich wundere mich, dass das immer noch nicht klar ist, obwohl man Milchgesicht Medwedew mit den U Bahn Bomben gerade gezeigt hat wo seine Grenzen sind. Viele erfolgreiche kleine Unternehmer werden erpresst und müssen ganz oder teilweise verkaufen, natürlich weit unter Ertragswert.


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