Verfasst von: markusgaertner | Mai 28, 2010

Hackfleisch mit Kleinanlegern

Die Masche der Wall Street: Abrupte Richtungsänderungen vor Handelsschluss

Vancouver, 28. Mai 2010

Es sieht aus wie ein plötzlicher Spurwechsel. Passiert es auf der Autobahn, ahnt man: Der Fahrer hat Pot geraucht oder getrunken, vielleicht hat ihm auch nur sein 5jähriger Sohn von der Rückbank aus den Fußball unters Gaspedal gekickt. An der Börse hat das mit Trunkenheit

oder „Unfällen“ nichts zu tun. Seit Monaten kann man diese Ausschläge an der Wall Street mit atemberaubender Konstanz beobachten.

So, wie in der Sitzung am Freitag.

Hier der Fahrplan: Der Dow geht zum Auftakt der Sitzung kräftig nach unten, Minus 140 oder 150 Punkte.

Ein Tag tief in den Miesen, denken sich die Anleger. Schließlich wurde Spaniens Kreditrating gerade heruntergestuft. Und in den USA kommen immer mehr Zeichen, die auf einen Double Dip schließen lassen.

Dann: Bei langsam steigenden Umsätzen beginnt der Dow – nachdem er sein Tagestief noch einmal getestet hat – seine Verluste abzubauen. Ganz stetig geht er nach oben. Es scheint, als habe die Wall Street das Schuldendesaster in Europa und die aktuelle Hiobsbotschaft aus Spanien bestens weggesteckt.

Im Jubelkanal CNBC werden entsprechende Kommentare eingeworfen. Ja, der DOW steckt das alles heute klasse weg, sagt dann Bob Pisani, oder wer auch immer in den Jubelchören.

Bei weiter steigenden Volumina krabbelt der DOW in Richtung NULL-Linie zurück: Einige unter den führenden Playern scheinen mehr zu wissen als der Rest. Kleinanleger „riechen“ eine Chance und kaufen. Nicht schon wieder einen Kurssprung verpassen, denn schließlich geht ja alles so schnell derzeit.

Das Timing scheint gut gewählt, der DOW klettert weiter: -90, -80- ….. -40, -35. Warum nicht einen kleinen Nachschlag nehmen ? Die Goldmans und die anderen, die es wissen müssen, haben schließlich seit Monaten keinen Tag mit Verlusten gehabt.

Und plötzlich: B O F F. Keine neue Nachricht, die das ausgelöst haben könnte.

Dennoch: Wie bei einer gebrochenen Staumauer, einem Wasserfall gleich, saust der Index in den verbleibenden Minuten des Handels wieder dahin, wo er sowieso hingehört, richtig ins Minus: -50, -60, -80 … -122, binnen zehn Minuten.

Zu schnell geht das für die verdutzt dreinblickenden Kleinanleger, die zum xten Mal in eine Falle gelaufen sind.

Die Fonds und Investmentbanken – und deren Steroid-Computer – haben längst verkauft. Bis Joe Sixpack oder der deutsche Anleger-Michel kapieren, was passiertist, bis sie die Bank angerufen oder das Password in der Online-Maske eingegeben haben, bimmelt auf CNBC die Schlussglocke. DAS WARS.

Hackfleisch machen: An der Wall Street geht das in Rekordzeit ….

Der Rest ist absehbar: Dienstag, eine neue Anlegerfalle. So beobachte ich das seit einigen Wochen und es ist mir ein Rätsel wieso das so völlig unbehelligt ablaufen kann ….


Responses

  1. Ich schätze Ihren Blog, dennoch ist der Artikel aus meiner Sicht unpassend.

    Wer nicht zurecht kommt mit den zugegebender maßen volatilen Handelsbewegungen, sollte entweder komplett rausgehen oder minimale positionen einnehmen.

    Abgesehen davon kam hier nichts überraschend.

    Letzten Donnerstag habe ich ein Video erstellt, in dem ich prognostiziert habe, dass wir erstmal auf 1060 im SPX fallen werden, um dann einen Rebound an die EMA200 zu sehen so circa bei 1100 Punkten, um danach wieder zu fallen.

    Das waren 3 Trades, die alle Samt am Donnerstag LETZTER woche geplant und diese Woche durchgezogen wurden.

    10 Punkte Short
    40 Long
    bislang 12+ Short.

    Das Video zum vergleich:

    Wer wie sie schreiben, davon ausgeht, dass hier gezielte Fallen gelegt werden (das müsste man auch erstmal nachweisen), könnte demnach genau gegenteilig reagieren und ebenfalls von diesen Fallen profitieren, was wiederum die Fallen aufheben heben würde.

    Aber von den Volumina wird es auch ziemlich schwierig, alleine im Forexbereich ist ein Handelsvolumen von 2 Billionen zu verzeichnen, und auch die Manipulation von Futures/E-Minis usw, ist äußerst schwierig bzw mit enormen Risiken verbunden (für die Teilnehmer, die es ausüben)

    die „Fat-Finger“ theory ist aus meiner Sicht daher zu einfach um einfach das Kursgeschehen zu erklören, das multifaktoriell und äußerst komplex ist.

    Herzliche Grüße,
    Dennis Gürtler

    http://www.tradevestment.net

  2. Erst macht man aus der Mücke einen Elefanten, man puscht etwas hinauf, und dann kassiert man: übrig bleibt die Mücke für die Doofen.
    Frage: wo ist Substanz ?
    Ich habe einen Film einer Affenhorde im Kopf, in dem der „Silberrücken“ (Boss der Bande) einem jungen Konkurrenten die Grenzen aufzeigt: dieser schreit, beißt und SCHREIT ständig, um seine Unterlegenheit zu überspielen.
    Deshalb denke ich: wo es am Lautesten ist, ist nichts mehr zum Holen.
    Alle rennen in Richtung Substanz, das leuchtet mir ein.
    Dieses Rennen ist erst am Anfang, es ist noch zuviel Geld substanzlos.
    Staatsanleihen wegen kurzfristigem Profit ist eine Looserstrategie, wenn die Zahlungunfähigkeit droht. Vor allem Fondsmanager haben zukünftig ein strategisches Problem: wo investieren, um Vermögen abzusichern. (Es geht nicht mehr um Gewinne, sondern um Verlustabsicherung – ein Perspektivwechsel…)

  3. Ich habe wenig bis fast keine Ahnung vom Thema, aber er bestätigt mich in meiner Ansicht dass im Casino keinerlei Werte geschaffen werden, sondern es allein um Umverteilung geht. Wer dabei meint gegen High Frequency Trading gewinnen zu können, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

    • Man muss nicht gegen HFT gewinnen können.

      Sinn des Tradings nicht verstanden😉


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