Verfasst von: markusgaertner | Mai 25, 2010

Bankenrezept zur Bankenrettung

Schröpft die Steuerzahler später, melkt zuerst

die Kontoinhaber

Vancouver, 25. Mai 2010

Warum schicken wir nicht mal zur Abwechslung die Banker an die Kabinettstische der Regierungen und lassen die Politiker das Geldgeschäft in den Kreditinstituten über-nehmen ? Schonmal daran gedacht ? Es würde viel Aufwand für teure Lobbyarbeit vermeiden und den Bankern

mehr Zeit lassen ihre eigenen, selbstzerstörerischen Waghals-produkte genauer zu studieren. …

In den Banken hätten wir stabile Verhältnisse und eine Eliminierung des Risikos, weil keiner was tut und alle nur palavern. Mit Nichtstun fielen abenteuerliche Derivate-geschäfte weg und die Konjunktur würde nicht über das nächste Kliff geschoben.

Die Banker auf der anderen Seite würden Mut zum Risiko für unkonventionelle Lö-sungen in die muffigen Büros unserer Minister bringen. Vielleicht ließen sich ja sogar Wege finden, das langweilige Tagesgeschäft durch ungewöhnliche Hebeltechniken aufzupeppen und die manchmal gefährliche internationale Politik schlicht zu verbrie-fen, gut zu verpacken und dann die Risiken an irgendwelche dämlichen Fondsmanager oder Bürgermeister zu verkaufen.

OK, das war nicht ganz ernst gemeint.

Aber es gibt einen triftigen Grund, der mich so zynisch macht.

Und das sind die Vorschläge zur Bankenreform, die die Geldhäuser nun selbst über das Institute of International Finance (IIF) lanciert haben. Vorgetragen hat sie Peter Sands, der CEO der Standard Chartered Bank und gleichzeitig Vorsitzender des Spezialausschusses für effektive Regulierung beim IIF.

Der Telegaph in Großbritannien hat heute darüber geschrieben.

Sage keiner, dass das nicht effektiv sei, was der Mann da vorgetragen hat: Um die Last etwaiger Bailouts von den Steuerzahlern zu nehmen, mit denen wohl nun offen-bar selbst die Banker ein Einsehen haben, sollen künftige Verluste bei Kreditinstituten, die sich verhoben haben und pleite sind, von Bankkunden, Sparern, Aktionären und unversicherten Bondbesitzern getragen werden.

Hier ein paar Zahlen über den hohen Anteil unprofitabler Banken in einigen Ballungsräumen der USA. Quelle ist das in der Vorwoche publizierte „Quarterly Banking Profile“ der US-Einlagensicherung FDIC.

Der erste umfassende Vorschlag der Geldindustrie sieht es nicht als Möglichkeit vor, dass eine Bank zu groß ist um zu scheitern. Die Geldbranche selbst solle die Auf-räumarbeiten übernehmen.

Doch die Geldzunft selbst will erst dann bei Bankpleiten einspringen, wenn die An-leihebesitzer rasiert, die Aktionäre geschröpft und die Kontoinhaber gemolken sind.

Deren Guthaben und Spareinlagen, die die garantierte Einlagengrenze überschreiten, sollen nämlich auch herhalten, um eine miserabel geführte Bank abzuwickeln oder vor dem Sturz in den Abgrund zu bewahren.

Welches Glück, dass ich das heute früh erst NACH der Einnahme meines Müslis gele-sen habe, sonst hätte ich auf den Tisch gekotzt.

Wer sich nach missratenen Derivategeschäften oder anderen Abenteuern so den Hintern rettet, wird künftig nicht weniger sondern mehr Risiko eingehen. Zumal, wenn die Banken selbst als letzte einstehen müssen.

Und – falls es niemand aufgefallen ist – hier ist keine Rede von der Haftung der Banker selbst.

Was ist mit den Boni der letzten Jahre von jenen Bankern, die ihr Institut an die Wand gefahren haben ? Was ist mit der Verantwortung jener, die in diesem Sektor Geschäfte mit dem Pleiteinstitut gemacht haben ?

Was ist mit den Krawatte tragenden Rechenschiebern der Ratingagenturen, die Nach Lobster, Ahi-Thunfisch und Creme Brulée im nächsten Gourmet-Restaurant ihren AAA-Stempel auf das jüngste Derivate-Miststück der einladenden Banker gepresst haben ? Was ist mit dem privaten Vermögen der Abgreifer, die das Geld anderer Leute verzockt haben ?

Immobilienkredite und Ausleihungen an Baufirmen sowie Developer, die in Verzug sind, laut FDIC Quarterly Banking Profile:

Leute, hier wird das Motto von BP angewandt: Her mit der Knete, gebt die Drecks-arbeit vor Ort einem Kontraktor, hinter dem man sich im Zweifelsfall verstecken kann. Und wenn die ganz Sache schiefgeht, tun wir mal ein bisschen so als würden wir uns Mühe geben aufzuräumen, bis dem Staat der Kragen platzt und er einschreitet.

Der übernimmt dann mit der Drecksarbeit auch einen Teil des Versagens-Risikos, wenn er das Problem nicht lösen kann.

In der Zwischenzeit zahlen wir Boni aus, anästhesieren die doofen Aktionäre mit Divi-denden, drucken schöne Prospekte auf denen steht, wieviel Öl wir vom Loch absaugen (etwa ein Zwanzigstel dessen, was ausströmt) und gewinnen die Nachrichtenhoheit durch Verschleiern und Propaganda. 

Versteht jetzt einer,warum wir diese Kerle nicht wirklich an die Kabinettstische lassen dürfen ?

Und noch etwas: Das alles klappt nur, solange wir alle kommentar- und tatenlos zuschauen.

Ach ja: Diese schlauen Kerle beim IIF haben eines vergessen: Wenn sie ihre Reformvorschläge für den Bankensektor je durchsetzen können, dann werden alle Bankkunden bis auf den Cent nur genau so viel Geld auf Girokonten und Sparbüchern deponieren, wie der Staat garantiert. Alles andere wird aufgesplittet und zu anderen Banken getragen.

Dann aber gibt es keine „Too Big To Fail“-Banken mehr und das leidige Problem ist endlich gelöst – ohne dass wir Politiker und Banker versetzt haben !

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Responses

  1. Viel Dank für die aufschlußreichen Zahlen-Graphiken. Habe Ihren Artikel schon im DGF gelesen😉 hoffentlich begreifen die Leser, was ihnen blüht.
    MFG Ben Willrad

  2. Viel Dank für die aufschlußreichen Zahlen-Graphiken. Habe Ihren Artikel schon im DGF gelesen😉 hoffentlich begreifen die Leser, was ihnen blüht.
    MFG Ben Willard


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