Verfasst von: markusgaertner | Mai 24, 2010

Tausend Wege zum Konjunkturmord

Folge eins: Tod durch Erwürgen

Vancouver, 24. Mai 2010

Die neueste Chartserie der Fed von St. Louis zeigt, wie man eine Konjunkturerholung, ganz gleich wie stark sie nun wirklich ist, möglichst schnell beendet. Die Kreditmenge in diesem Schaubild ging von 820 auf jetzt 600 Mrd. Dollar nach unten, um fast

30% – und das in etwas mehr als einem Jahr. In der Grafik hat die Kreditkurve noch gut Platz bis knapp unter 500, also weitere 15-20%.

Und das passiert zu einer Zeit, in der die US-Bundesstaaten voll auf die Kostenbremse treten, weil sie kein Geld mehr haben und ihnen das Wasser bis zum Halse steht; in einer Zeit, in der der Immobilienmarkt erneut abtaucht und sich die Zahl unverkaufter Häuser wieder auf ein acht-Monatsvolumen aufbläht; in einer Zeit aber auch, in der aus Europa wegen der weiter eskalierenden Schuldenkrise Gegenwinde für die US-Konjunktur kommen.

Wie stark der Wechselkurseffekt in richtung Amerika wirkt, sieht man an den Zusatz-gewinnen, die der schwache Euro den deutschen Konzernen beschert, wenn sie Dollars vom Weltmarkt repatriieren und in immer mehr Euros tauschen können.

Für die US-Firmen mit Geschäft im Euroraum heißt das: Weniger und weniger Dollars beim Rücktausch der Weltmarkterlöse. An der Wall Street wird das zu einem empfind-lichen Erwachen führen.

Dass ich nicht die Banken verteidige, weiß jeder.

Aber aus deren Sicht sieht das Szenario so jetzt aus: Die Risiken nehmen wieder zu, die Refinanzierungskosten steigen, die wachsende Regulierung verteurt das operative Geschäft und schmälert die Gewinne ebenso wie die neuen Basel III-Anforderungen.

Das alles läuft auf nur eines hinaus: Noch weniger Kredite.

Man denke dabei vor allem an die Mittelständler, die – patriotisch oder weitsichtig, oder beides – seit vielen Monaten weitaus weniger Stellen abbauen als sie müssten und die ihr Kapital dabei langsam aufgezehrt haben. Dann versteht man den Hilferuf von Mittelstandspräsident Mario Ohoven in der vergangenen Woche.

Die Schlinge hängt schon. Die Konjunktur sitzt auf dem Pferd, das die Banken gerade mit der Peitsche schlagen.

Was als nächstes passiert, kennen wir aus vielen Cowboy-Filmen.  

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