Verfasst von: markusgaertner | Mai 19, 2010

Paul Volcker: Die Zündschnur brennt

Den USA droht eine fiskalische „Existenzkrise“

Vancouver, 18. Mai 2010

Auf politische Korrektheiten hat der fühere US-Notenbankchef Paul Volcker noch nie viel gegeben. Vor zwei Monaten polterte er vor einem verblüfften Finanzkongress, die letzte richtige Innovation der Geldbranche sei der Bankautomat gewesen. Am Dienstag bei seinem Vortrag im Stanford Institute for Economic Policy Research ließ Volcker ebenfalls keine

Zweifel an seiner Aussage: Europa demonstriere den USA gerade die Gefahren „unkontrollierter Schuldenmacherei“.

„Wir fangen besser sofort an“, mahnte der 82jährige, der als Obama-Berater gilt, aber nicht dem engsten Zirkel des Präsidenten angehört.

GRAFIK eins: Schuldenprojektion des US Government Accountability Office (GAO) vom Herbst 2009

Seit er vor fünf Jahren vor gefährlchen Schuldenproblemen gewarnt habe, so Volcker, sei wenig passiert, um seine Bedenken zu zerstreuen.

Noch präziser, aber kaum diplomatischer war am Mittwoch die Warnung der Rating-agentur Moody´s, die bei steigenden Zinsen schon im Jahr 2013 für die USA eine fiskalische Krise a la Griechenland für möglich hält.

Den Budgetprognosen der Obama-Administration zufolge galt die Annahme, dass die Zinsen für die öffentlichen Schulden bis in acht Jahren 18% und bis 2020 satte 20% verschlingen können. Ein Wert, der von Ökonomen als Schallmauer gesehen wird, ab der die Schulden unbeherrschbar werden können.

GRAFIK zwei: US-Schulden in der Langfristbetrachtung / www.usgovernmentspending.om

Die beiden Prognosen wurden am Mittwoch von zwei Wirtschaftsmeldungen aus den USA garniert, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber doch direkt mit dem dro-henden Schuldendesaster zu tun haben.

Das jüngste Protokoll der Fed-Sitzung vom 27./28. April, das gestern publiziert wurde, lässt erkennen, dass die Geldhüter der USA für dieses Jahr 3,5% BIP-Wachstum erwarten, etwas mehr als noch zu Beginn des Jahres.

Worauf sie diesen Optimismus angesichts der drohenden Implosion in Europa und den ersten Bremsspuren in China gründen, das haben die Fed-Oberen nicht verraten.

GRAFIK drei: Der Schuldenwachhund der Administration warnt vor „eskalierenden Schulden“ 

Dass der Optimimus der „Sleep-at-the-wheel“-Regulierer eher Propaganda als ehr-liche Erkenntnis ist, zeigt die andere der beiden Meldungen vom Mittwoch.

Die Zahl der Häuslebesitzer, die mindestens eine Rate ihrer Hypothek nicht bedient haben, stieg im ersten Quartal auf einen historischen Rekord. Mehr als 10% der Haus-eigentümer mit Hypothek fällt in diese Kategorie, berichtet die Mortgage Bankers Association.

Die Warnungen von Paul Volcker und von Moody´s machen deutlich, dass die Schul-denkrise in Europa die USA viel mehr unter Druck setzt als vielen klar ist.

Der schwache Euro macht der Obama-Administration, die über eine schleichende Dollar-Abwertung die Exporte beflügeln will, einen kräftigen Strich durch die Rechnung.

Der schwindsüchtige Euro verzögert zudem die von Protektionisten in den USA vehe-ment geforderte Aufwertung des chinesischen Renminbi und belastet damit das bilaterale Verhältnis zwischen China und den USA.

Vielmehr aber lenkt das Schuldendrama in Europa die Aufmerksamkeit unbarm-herzig auf  das schwarze Loch in den öffentlichen US-Kassen.

Laut William Engdahl wird bis in sechs Monaten eine Dollarkrise die Märkte erschüttern und alle sich fragen wie man den Euro so schnell abschreiben konnte:


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