Verfasst von: markusgaertner | Mai 17, 2010

Vom Traumverbund zum Bleigewicht

Eurodrama schürt Angst vor globalen Schleifspuren

Vancouver, 17. Mai 2010

Obwohl der Euro auch eine Woche nach Bekanntgabe des massiven Bailouts schwer unter Druck bleibt, konzentriert sich zuletzt die Diskusion über Europas Schuldendrama auf einen anderen Aspekt: Die möglichen Auswirkungen

auf das weltweite Wachstum.

Der Euro nähert sich zu Wochenbeginn der  kritischen Unterstützungslinie vo 1,20 zum US Dollar. Doch die Konsequenzen einer erneuten Rezession in Europa für den Rest der Welt beschäftigen jetzt deutlich mehr Beobachter.

Kein Wunder,der Wertverlust des Euro gegenüber dem chinesischen Renminbi um 14,5% seit Januar bringt die Exportwirtschaft Chinas ins Schwitzen. China verkauft im Jahr Waren für etwa 250 Mrd. Euro in die EU27. Damit ist der Alte Kontinent Chinas größter Absatzmarkt.

Auch für die USA war die Eurozone 2009 der größte Absatzmarkt in Übersee. Doch in den ersten drei Monaten 2010 schob sich bereits Kanada an der EU vorbei. 

GRAFIK eins: Für China ist Europa der größte Auslandsmarkt.

Die Nervosität in Peking ist groß. Ein schwaches Europa könnte Chinas Turbo-Konjunktur aus dem Gleis werfen.

Am Montag warnte Yao Jian, der Sprecher des Handelsministeriums in Peking, Chinas Exportkonjunktur sei bedroht. 

Gegenwind kommt schließlich nicht nur aus Europa. Auch die Konjunkturtreiber in China selbst verlieren Momentum, und das ist durchaus gewollt.

Denn Bremsmanöver der Regierung – vor allem im heißgelaufenen Immobiliensektor – schwächen die Wirtschaft bereits. Und das riesige Konjunkturprogramm, das vor ein-einhalb Jahren aufgelegt worden war, wirkt nicht ewig nach.

GRAFIK zwei:  Auch im Exportsektor der USA sind Schleifspuren der Euro-Krise zu befürchten. Die USA verkaufen Waren im Wert von etwa 200 Mrd. Euro im Jahr an die EU27.

Nach Einschätzung des mit China gut vertrauten Hedgefonds-Managers David Roche in Hong Kong machten die Infrastruktur-Aufwendungen für Brücken, Eisenbahnen und Straßen 2009 rund 90% des BIP-Zuwachses aus.

Doch die OECD stellte am 10. Mai bei der jüngsten Präsentation der monatlichen Com-posite Leading Indicators fest, es gebe „einige Hinweise für ein Ende der Wachstums-Beschleunigung in China“.

GRAFK drei: So illustriert die OECD das abgeschwächte Momentum in Chinas Konjunktur.

Viel mehr als nur das befürchtet der Hong Konger Fondsmanager David Roche,  der in China den Anfang vom Kollaps einer Kreditblase erkennen will. Der Bankensektor kommt laut Roche nach Jahren exzessiven Kreditwachstums wegen ineffizienter In-vestitionen stark unter Druck.

Etwa 85% der zur Konjunkturstützung getätigten Invesitionen im Infrastrukturbereich seien von den Finanzierungsvehikeln lokaler Regierungen getätigt worden, die von den Staatsbanken Geld ausgeliehen hätten, „das sie nie zurückzahlen können“.

Roche sagt China eine Halbierung des aktuellen Wachstums auf 6% vorher.

An Chinas Börsen hat sich die Stimmung bereits gedreht. Der Shanghai Compo-site erlitt zu Wochenbeginn mit 5,1% den größten Tagesverlust seit acht Monaten. Das Barometer ist mit einem Verlust von 20% allein im letzten Monat tief in Bärenterritorium eingedrungen.

GRAFIK vier: Der Shanghai Composite ist zurück in Bären-Territorium.

 

Der tiefe Sturz des Euro wirkt sich bereits auf das bilaterale Verhältnis zwischen den USA und China aus. Laut der New York Times wurde ein interner Fahrplan der chine-sischen Führung für die Aufwertung des Renminbi gegenüber dem Greenback noch nicht inkraft gesetzt, weil Chinas Währung zum Euro dann noch stärker aufgewertet würde.

Eine Perspektive, die Chinas Führung erkennbar Sorge bereitet.

GRAFIK fünf: Am Kupferpreis sieht man sehr schön, wie stark die Rohstoffe unter Druck geraten sind, vor allem jene mit China-Phantasie.

 

Die mögliche Kombination von abgeschwächtem Wachstum in Europa UND China ist auch der Grund, warum die Rohstofftitel derzeit starke Kursrückgänge verbuchen. Die Goldwerte bleiben eine rühmliche Ausnahme. 

GRAFIK sechs:  Laut dem folgenden Chart der Investmentbank BMO Nesbitt Burns in Toronto hat der CRB Futures Price Index den niedrigsten Stand seit sieben Monaten erreicht und ver-bucht seit Jahresbeginn ein Minus von 10%. Das einzig Gute an dieser  Kurve ist, dass sie vorerst keine Inflation erwarten lässt. 


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