Verfasst von: markusgaertner | Mai 14, 2010

Au Revoir, Herr Sarkozy

Die Entscheidung über das Schicksal des Euro

fällt in Berlin, nicht in Paris

Vancouver, 14. Mai 2010

Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Es ist völlig zweitgrangig, ob der französische Staatspräsident nun wirklich mit dem Austritt aus dem Euro gedroht hat, oder nicht. Denn Frankreich hat ebenso viel zu verlieren wie alle anderen EU-Mitglieder. Und Frankreichs Banken würden mit am meisten verlieren, wenn das ganze PIIGS-Problem außer Kontrolle

gerät.

Das Risiko und die Glaubwürdigkeit des Euro hingegen ruhen in Berlin.

Dass es hinter den Kulissen heiß hergeht, wissen wir ja alle. Aber man sollte sich auch nochmals den politischen Grabenverlauf vor Augen halten, dann wird klar, ob eine solche Entscheidung wirklich in Paris fallen kann.

Das wahre Drama des Euro und der Europäischen Union ist ja, dass Deutschland in der Vergangenheit der entschiedenste und strengste Advokat des Euro war und jetzt so gefährlich zögert, dieses strategisch wichtige Konzept trotz seiner enormen Kosten vehement zu verteidigen.

Hat er wieder ein bisschen über den Durst getrunken, als er am Wochenende Angela Merkel konfrontierte ?

Es ist ja für alle gut sichtbar – und trägt zu der lähmenden Schwäche des Euro in hohem Maße bei – dass Berlin sich in diesen Tagen sehr schwer tut zu entscheiden, ob die Vorteile aus dieser Union – zum Beispiel Wettbewerbs- und Handelsvorteile – die wachsenden Nachteile aufwiegen.

So wie die Dinge stehen – und da kommen wir auf Herrn Sarkozy zurück, der viel-leicht mal wieder ein Glächen zu viel getunken hat, steht die Wahl jetzt zwischen zwei Dingen: Entweder einen Teil der nationalen Autonomie aufgeben und die Europäische Union stärken, oder in der Tat das Auseinanderbrechen riskieren.

Die EU ist im Augenblick näher an diesem Schwur als viele ahnen. Die Kosten des Bruchs (Offenbarungseid ?) wären immens.


Responses

  1. Herrlich, dieser Artikel bei BLOOMBERG:

    „May 14 (Bloomberg) — Romano Prodi recalls how he persuaded Germany to allow debt-swamped Italy into the euro: support our membership and we’ll buy your milk, he said.

    When Prodi toured Germany’s agricultural heartland after becoming Italian leader in 1996, he pitched “a big milk pipeline from Bavaria,” pointing to a three-year, 40 percent plunge in the Italian lira that was hurting dairy sales. “To have Italy outside the euro, a huge quantity of exports from Germany would have been endangered,” Prodi, now 70, said.

    Germany got the message, allowing entry rules to be bent to create a 16-nation market for its exporters. Now, German taxpayers are footing the bill for that permissiveness as Europe bails out divergent economies lashed to a single currency with little control over national taxes and spending.“

    http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601010&sid=a8CjGqGASv9E

    Bitte also nicht „Berlin“ die Verantwortung zuschustern – wir haben nur noch 3 Panzerdivisionen unter Waffen und immer noch keinen Friedensvertrag …

    Aber so ist das immer in der Geschichte: Mit schöner Regelmäßigkeit überfallen kriegerische Nomadenstämme friedliche Bauern stets nach der Ernte im Herbst.

    Oder hat noch irgendjemand im Ernst geglaubt, daß wir ausgerechnet nach dem WKII so fast ohne Reparationen davonkommen würden?

  2. Frau Merkel hat heute Nachmittag die Deutschen auf harte Einschnitte vorbereitet – auf dem ökonomischen, nein ökomenischen Kirchentag in München.
    Kaum ist eine Woche vorbei,erklärt Madame, dass ihr Kniefall beim Sarkozy teuer wird.

    Aber das war uns schon vor einer Woche klar.
    Diese Woche haben die Deutschen 32 Tonnen Gold eingekauft.

    Ich vermute, daß die Zukunft des Euro an deutschen Bankschaltern entschieden wird,
    also weder in Berlin noch in Paris.
    Und da helfen Apelle nichts mehr – die Bevölkerung hat verstanden und nimmt alles, was sie noch kriegen kann.

    Merkel und Sarkozy können nicht mehr zurück und damit ist das Spiel absehbar aus.


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