Verfasst von: markusgaertner | Mai 5, 2010

Vom Präriefeuer zum globalen Flächenbrand ?

Europa lodert, China bremst, Amerika ist ausgezehrt

Vancouver, 6. Mai 2010

Ganz Europa diskutiert, welcher Domino als nächstes fällt. Wer folgt Griechenland ? Die Antwort weiß noch niemand. Aber der Kursrutsch an den Weltbörsen am Dienstag und Mittwoch zeigt, wie pessi-mistisch viele sind und wie weit die grassierende Angst vor einem Meltdown der Eurozone

reicht. Während die dramatischen Fernsehbilder aus Griechenland Europa als Epizentrum einer möglichen zweiten Krisenwelle markieren, flackern auch andernorts die Alarm-lampen auf.

In den USA, wo das BIP-Wachstum im ersten Quartal enttäuschte und der Konsum le-diglich durch Inanspruchnahme von Ersparnissen und staatliche Transferleistungen am Leben erhalten wird, halten ein missglückter  Terrorangriff in New York und eine noch nicht absehbare Umweltkatastrophe im Süden des Landes die Nation in Atem.

In China, dessen Volkswirtschaft im ersten Quartal um 11,9% wuchs, tritt der Staats-rat nun erstmals überhaupt ernsthaft auf die Bremse, um den heißgelaufenen Immo-bilienmarkt zu bändigen, bevor es zu spät ist.

Die gewerbliche Produktion und die Immobilienverkäufe zeigen erste Bremsspuren. Und weil die 1,3 Milliarden Chinesen viel Geld in den Immobilienmarkt gesteckt haben – er macht 11% des BIP aus – gehen die Börsen auf Tauchstation. Der Shanghai-Index hat seit Mitte April 9% eingebüßt.

Mit Sorge sehen die Chinesen, dass ihre Banken, die vor wenigen Tagen für das erste Quartal Rekordgewinne meldeten, nun massive Kapitalmaßnahmen planen.

Die China Construction Bank und die Agricultural Bank – der größte Baufinanzierer und die Bank, die Chinas bäuerliches Hinterland finanziert – planen massive Aktien-ausgaben. Das schürt unter Beobachtern Zweifel an der Qualität der im Rekordtempo ausgereichten Kredite.

Das Wall Street Journal berichtete am Dienstag von den Kalkulationen des China-experten Victor Shih von der Northwestern University, demzufolge die Investment-gesellschaften lokaler Regierungen in China zwischen 2004 und dem Ende des ver-gangenen Jahres etwa 1.700 Milliarden Dollar Kredite aufgenommen haben, rund ein Drittel des jährlichen BIP.

Offiziell lag die Kreditaufnahme nur halb so hoch. Peking drängt daher seine staatli-chen Geschäftsbanken, die Bilanzen noch einmal durchzupflügen. Und es sieht so aus, als läge Shih ziemlich gut mit seinen Zahlen. Wenn das so ist, könnte China innerhalb von 10 Jahren ein zweiter Banken-Bailout drohen.

Welche Bombe platzt als nächstes ?

Auch bei den großen Developern im Reich der Mitte könnte demnächst eine Blase platzen. Dem Vernehmen nach weichen sie aufgrund der in China angezogenen Kreditbremse verstärkt nach Hong Kong aus und leihen dort Geld, oft bei chinesischen Banken, die in der Ex-Kolonie einen Marktanteil von 21% haben. In Hong Kong hat sich ihre Kreditaufnahme im laufenden Jahr gegenüber demselben Vorjahreszeitraum verzehnfacht.

Unruhen in Griechenland, eine abgebremste Eurozonen-Wirtschaft, eine sanfte Not-bremsung in China sowie eine US-Konjunktur, die von mageren Ersparnissen, Transferzahlungen und einem per Volkszählung belebten Arbeitsmarkt in „Schwung“ gehalten wird.

Ist das wirklich schon die nächste Ausfahrt ?

Das ist das Szenario, das sich vor unseren Augen entfaltet.

Darin enthalten sind noch nicht die möglichen Querschläger geopolitischer Brandherde oder die denkbare Eskalation des europäischen Schuldendramas. Was ist, wenn die Kapitalmärkte „geordnete Insolvenzverfahren“ für hoch verschuldete EU-Staaten nicht zulassen ? Was ist, wenn demnächst ganze Bundesstaaten in den USA zahlungs-unfähig werden ?

Amerikas Rockstar unter den Bankenanalysten, Meredith Whitney, gab Ende April zu Protokoll, dass ihrer Einschätzung nach die finanzielle Auszehrung einiger US-Bundesstaaten der in Griechenland in nichts nachsteht. Laut Whitney kann die hohe Arbeitslosigkeit immer noch den Immobilienmarkt in eine zweite Abwärtsspirale treiben.

Wie sehr die Bilanzen abertausender amerikanischer Familien ausgezehrt sind, beweisen tägliche Berichte aus dem US-Hinterland.

In Detroit zum Beispiel verteilen die städtischen Werke 20% weniger Wasser als noch 2003, weil immer mehr Haushalte die Wasserrechnung nicht mehr begleichen können und die Zufuhr abgestellt wird.


Responses

  1. Die Lage in Europa ist verworren – aber dramatisch.
    Prinzipiell sind alle europäischen Staaten bankrott.
    Die Finanzierung der Deutschen Hilfen über die KfW Bank wird mit Ackermann „gemeistert“ weil Deutschland keinerlei Spielraum mehr für Ausgaben hat. Das heißt, die Deutsche Bank gibt der KfW (die eigentlich schon lange scheintot ist) die notwendigen Mittel, die KfW – also der Staat – sichert mit Bürgschaft ab und ist als „Junior“ im 3.Rang der Rechte eingetragen. Da weder Griechenland noch andere PIIGS die Kredite vollständig zurückzahlen können, übernimmt Ackermann also durch die Türe die Regierung.
    In Zukunft wird die Deutsche Bank jedem Finanzmnister vorschreiben, was zu tun ist.
    Das ist mehr als Korruption, das ist ein Staatsstreich.

  2. Dass die Auswirkungen der Immobilien-Krise noch nicht überwunden sind, ist kein Geheimnis mehr. Viele Immobilien verlieren vor allem in Amerika drastisch an wert. Das hat die Banken an den Rand des Untergangs gebracht. Dennoch sollte jeder wissen, dass der Wert von Immobilien nicht ewig sinken kann!

  3. […] möchte man sich fast gar nicht ausmalen.) Dazu passend vom gleichen Autor ein ähnliches Thema: Vom Präriefeuer zum globalen Flächenbrand ? (Es gibt ja auch noch USA, China…) Veröffentlicht in Allgemein | Schlagworte: […]


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