Verfasst von: markusgaertner | Mai 4, 2010

Warum Deflation die Oberhand gewinnt

Die Inflationspropheten müssen

sich noch etwas gedulden

Vancouver, 5. Mai 2010

Das Hilfspaket für Griechenland hat uns vieles gezeigt – auch das Drehbuch für die Bewältigung der nächsten Schuldenkrise(n): Steuern hoch, Löhne runter, Gürtel enger schnallen, Abschied vom „Pumpkapitalismus“. Dies aber ist das Traumszenario für eine Deflation. Und es ist auch der Grund,

warum die Börsen am Dienstag so abgeschmiert sind.

Europa, Nordamerika – und in gewissem Ausmaß auch Asien – müssen sich vom Pumpkapitalismus verabschieden.

Weniger ist das neue Mehr, sonst geht bald gar nichts mehr.

Insofern hilft das Griechenland-Drama, die Waage in Richtung Deflation zu kippen, auch wenn längerfristig eine ziemlich schmerzafte Inflation auf uns zukommt. Aber das wird noch eine Weile dauern. Ziemlich genau solange, bis die Rally am Anleihe-markt zu Ende geht.

Doch mit der Kurskorrektur, die jetzt bei den Aktien eingeläutet wurde, dürfte noch ein letzter Run in den Bondmarkt beginnen. Stürzt die Schuldenkrise Europa in eine neue Rezession, kann sich dies bis Ende 2011 oder sogar länger hinziehen. 

Zahlreiche Faktoren verstärken in den kommenden Monaten – vielleicht sogar in den nächsten zwei Jahren – den deflationären Druck:

1   Die Verschärfung der Kapitalrichtlinien für die Banken. Basel III wird europäischen Banken einen Mehraufwand von 139 Mrd. Euro verursachen. Folge: Weniger Kredite für die Wirtschaft

2   Fast jedes EU-Land gibt mehr aus als es einnimmt. Der Ökonom Jagadeesh Gokhale vom National Center for Policy Analysis hat ausgerechnet, dass die EU bis zum Jahr 2035 einen durchschnittlichen Satz von 57% bei der Einkommensteuer braucht, um alle versprochenen aber noch ungedeckten Sozialleistungen zu finan-zieren. Kann man in einer solchen Zwangsjacke einen Boom auslösen, der uns aus diesem Jammertal führt ? …. Träumt schön weiter.

3   Gewaltige Überkapazitäten weltweit, bei Autos, Stahl und zahlreichen anderen In-dustrien. Solange vorhandene Fertigungskapazität brachliegt, geht auf die Erzeuger-preise kein oder wenig Druck nach oben aus.

4   Das gleiche gilt, wenn die Arbeitslosigkeit hoch bleibt, was viele Ökonomen vorher-sagen. Nur 20% der Arbeitslosen vom Sommer 2009 in den USA haben einen neuen Job gefunden. Die restlichen 80% suchen noch immer, oder haben sich ganz aus dem Arbeitsmarkt verabschiedet.

5   Millionen von Baby Boomern, die jetzt in Rente gehen wollten, müssen länger ar-beiten. Dem Arbeitsmarkt werden mehr Kräfte zur Verfügung stehen, die willens sind, auch für weniger Geld zu arbeiten, bloss damit sie weiterhin etwas verdienen.

Dazu passt die folgende Meldung, die gerade reinkommt. Wir haben übrigens am 27.4. an dieser Stelle – „Das Ende der Erholung“ – bereits darauf hingewiesen, aus Gesprächen mit Einzelhändlern in Deutschland ….

6   Vergreisende Gesellschaften erodieren Nachfrage, schüren Kosten und zehren Er-sparnisse auf – ganz sicher kein Treibriemen für Inflation. Das beste Beispiel: Japan, das die Deflation seit 13 Monaten im Würgegriff hält. Seit Monaten drängt die Regierung in Tokyo die Bank of Japan, mehr gegen die Abwärtsspirale bei den Preisen zu tun. Die Regierung selbst hat angesichts rekordhoher Schulden kaum noch Spiel-raum zur Ankurbelung der Wirtschaft.

7   Das Öl hat mit einem Preis von 80 Dollar je Barrel wieder einen Wert erreicht, der schon in Boomzeiten 2007 und Anfang 2008 große Sorge auslöste. Jetzt, in einer schwer angeschlagenen Weltwirtschaft mit ausgelaugten und verängstigten Konsumen-ten, fügt jeder Besuch an der Tankstelle dem übrigen Konsum mehr direkten Schaden zu. 

Nachfolgend einige Charts der Federal Reserve von St. Louis, um am Beispiel der USA zu veranschaulichen, von wo derzeit Deflationsdruck ausgeht:

GRAFIK eins: Hohe Arbeitslosigkeit drückt die Löhne

GRAFIK zwei: Der Trend bei den Arbeitskosten weist in der Tat abwärts ….

GRAFIK drei: Der aktuelle Preisauftrieb ist schwach

GRAFIK vier: Das verfügbare Einkommen in den USA stagniert, kein Inflationspotenzial hier ….

GRAFIK fünf: Von den Ölpreisen ging bislang Inflationsdruck aus, doch die geraten angesichts erster Bremsspuren in China und der Schuldenkrise in Europa erwartungsgemäß unter Druck

GRAFIK sechs: Der Auftrieb des Dollars, sehr wahrscheinlich nur eine Gegenreaktion im langfristigen Abwärtstrend, bremst die Importpreise in den USA, dämpft aber auch die Konjunktur, indem er Exporte erschwert. Das nimmt der ohnehin schwachen Zugmaschine USA teilweise Wind aus den Segeln.

GRAFIK sieben: Die Geldbasis, Bargeld und Einlagen bei der Notenbank, gehen zurück. Das dämpft die ökonomische Aktivität.


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