Verfasst von: markusgaertner | April 30, 2010

Fragwürdiger US-Konsum

Nur auf den ersten Blick schieben die Verbraucher

die US-Wirtschaft an

Vancouver, 1. Mai 2010

Laut dem Bureau of Economic Analysis im Handelsministerium ist das Bruttoinlands-produkt der USA im 1. Quartal um 3,2% gewachsen. Das hört sich nicht schlecht an, ist aber weniger als von vielen erwartet. Und die Zahl liegt deutlich unter dem starken Wert von 5,6% für das 4. Quartal 2009. In dem Bericht finden sich

sowohl positive als auch negative Nachrichten.

Zu den positiven gehört: Der private Konsum stieg mit 3,6% im Jahresvergleich so schnell wie seit 3 Jahren nicht mehr. Die Zuwächse erstrecken sich dabei nicht nur auf langlebige Konsumgüter, sondern auch auf die kurzlebigeren und die Dienstleistungen.

Der zweite Zylinder, auf dem die US-Konjunktur den Zahlen des Handelsministeriums zufolge derzeit läuft, sind die Investitionen der Firmen. Anlageinvestitionen schossen im Quartal um 13,4% nach oben, nachdem sie schon im Vorquartal satte 19% zuge-nommen hatten.

Die negativen Trends sehen jedoch ähnlich stattlich aus: Der Immobilienmarkt bleibt sehr schwach. Die Bautätigkeit im Wohnungssektor ging um 10,9% zurück. Am 30. April lief zudem auch die steuerliche Förderung für den Erwerb von Eigenheimen aus.

Mehr noch: Am Markt für Gewerbeimmobilien brachen die Investitionen in den Erhalt von Büros, Lagerhallen und Malls um 14% ein. Und die hohen Leerstandsraten ver-sprechen keine schnelle Entspannung.

Das Defizit in der Handelsbilanz reduzierte den BIP-Zuwachs um 0,6 Prozentpunkte. Die US-Exporte litten dem Bericht zufolge vor allem unter der Schwäche der EU-Märkte.

Ausgewirkt hat sich aber auch, dass die US-Körperschaften von den Bundesstaaten hinunter zu Städten und Gemeinden – unter erheblichen Defiziten leiden und im 1. Quartal so stark die Kosten senkten wie seit 30 Jahren nicht mehr.

Summa summarum: Das BIP-Wachstum der US-Wirtschaft wird im 2. Quartal weiter nachlassen. Die Fed weiß, warum sie vorerst nicht die Zinsschraube anziehen will.  

Die folgenden drei Grafiken illustrieren den Zusammenhang zwischen dem erstaunlich robusten Konsum und den stagnierenden Einkommen der Amerikaner.

Alle drei Grafiken stammen aus der aktuellen Konjunkturübersicht der Fed in St. Louis

http://research.stlouisfed.org/publications/net/page13.pdf


Responses

  1. […] MGaertner: Fragwürdiger US-Konsum Das amerikanische BIP ist im ersten Quartal um 3,2% gewachsen, doch sieht das nur auf den ersten Blick gesund aus. […]


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