Verfasst von: markusgaertner | April 26, 2010

Das Ende der Erholung ?

Die Erholung macht bald schlapp

Vancouver, 27. April 2010

Vom Ifo-Institut bis zur Fed in den USA wird uns beinahe täglich bestätigt, wie sich die begonnene Erholung festigt und sogar an Breite gewinnt. Doch rund um den Globus tauchen immer mehr Indizes und Charts auf, die das Gegenteil nahelegen. Einige der jüngsten Monatsberichte von Behörden und internationalen Organisationen verraten zudem Sorge, der neue Schwung könne

verpuffen oder zumindest nachlassen, wenn die Anschubprogramme und die expansive Geldpolitik auslaufen.

Wer sich zum Beispiel ein paar Minuten Zeit für den jüngsten Monatsbericht des Bundesministeriums der Finanzen im April 2010 nimmt, versteht schon nach wenigen Zeilen: Wolfgang Schäuble treibt die Sorge vor dem Double-Dip um.

Die Übersicht der Steuereinnahmen in den ersten drei Monaten des Jahres – ver-glichen mit dem erwarteten „Ist“ – lässt Lücken bis zu 20% erkennen. So lagen die Einnahmen aus der Lohnsteuer im März um 11,1% unter Vorjahr. Kein Zeichen für Dynamik am Arbeitsmarkt, im Gegenteil.

Bei den Umsatzsteuern wird ein Minus von 8,8% berichtet. Unter Konsumenten herrscht miese Stimmung, wie viele Einzelhändler im April in Deutschland berichten, zumindest in meinen Gesprächen.

Währenddessen heißt es in dem Monatsbericht, die „Wachstumsrate der Kredit-gewährung“ an den privaten Sektor sei im Februar negativ, mit 1,19%, nach -0,93% im Januar und -0,14% im Dezember. Rückenwind von dieser Seite ist also auch Fehlanzeige.

Und dann wird der Bericht erfreulich deutlich: Die Gesamtheit der aktuellen Wirt-schaftsdaten deute darauf hin, „dass eine merkliche konjunkturelle Belebung im 1. Quartal ausgeblieben ist„.

Mehr noch: Während viele Umfrageergebnisse auf eine höhere konjunkturelle Dyna-mik im Jahresverlauf hinwiesen, „werden die anhaltend günstigen Umfrageergebnisse von der tatsächlichen Konjunkturentwicklung bisher insgesamt nicht bestätigt“.

Auch ich nehme die wachsende Zahl positiver Indizes zur Kenntnis. Wie man aber an-gesichts solcher Befunde von „Frühlingsgefühlen“ in der deutschen Wirtschaft schrei-ben kann, wie viele Zeitungen in den vergangenen Wochen, das bleibt mir wirklich ein Rätsel.

Selbst im Export – allgemein ein Hoffnungsträger wegen der starken Schwellenländer und dem sinkenden Euro-Wechselkurs – sei der schwache Jahresauftakt noch nicht ausgeglichen worden.

Auch die „industrielle Aktivität blieb im Februar“ laut BMF „verhalten, vor allem schlage ein deutlicher Rückgang der Konsumgüterproduktion zu Buche.

Ganz zu schweigen von der „seitwärts gerichteten Entwicklung der realen Einzelhan-delsumsätze“ – und das ohne die PKW-Zulassungen, die sich gegenüber dem Hoch im Sommer 2009 „mehr als halbiert“ haben.

Das BMF ist mit seiner äußerst zurückhaltenden Einschätzung keineswegs alleine.

Man betrachte nur die Grafiken, die die Fed in St. Louis am Montag zur internationalen Wirtschaftsentwicklung publizierte. Einige davon habe ich hier aufgenommen.

Dazu kommt der überraschende und deutliche Rückgang der Konsumenten-Stimmung in den USA im April laut Reuters.

Dazu kommt auch ein starker Rückschlag des Konsumentenvertrauens in Kanada, ebenfalls im laufenden Monat April. Dieser lässt ganz klar schwächere Einzelhan-delsgeschäfte in den kommenden Monaten erwarten.

Oder die am am Freitag vom Office for National Statistics in London gemeldete Abschwächung des ohnehin kaum sichtbaren Wachstums in Großbritannien im ersten Quartal.

Das BIP nahm im März-Quartal läppische 0,2% zu. Das heißt Stillstand und eine Hal-bierung des auch schon mickrigen Wachstums vom vierten Quartal 2009 mit 0,4%.

Auch die Konsumstimmung sank in Großbritannien im März unerwartet.

Wer die jüngste Monatsanalyse von Eurostat für den April liest, fühlt sich ebenfalls wieder einmal veräppelt von all der Erholungs-Propaganda der Kurspuscher an der Wall Street und an europäischen Börsenplätzen.

In dem „Eurostatistics: Data for short-term economic analysis“ genannten Papier heißt es eingangs zwar anerkennend, positive Trends in der globalen Wirtschaft gegen Ende 2009 hätten sich weiter stabilisiert, doch dann wird das ganze Bild ein paar Abschnitte später kräftig relativiert.

„The current scenario“, heißt es da, „depicts a situation in which the end of the recessionary phase in Europe cannot yet be foreseen with any certainty“.

Stichworte aus den Einzelanalysen lauten so: Auftragseingänge sind zu Jahresbeginn im Vergleich mit Dezember 2009 saisonbereinigt um 1,6% gefallen; die Umsätze des Einzelhandels im Euroraum fielen im Februar gegenüber dem Vormonat Januar um 0,6%; die Arbeitslosigkeit stieg im Februar von 9,9% im Januar auf 10,0% an.

Und dann kommt es ziemlich dick: Laut dem „Eurogrowth Indicator“ „verliert die schwache Erholung des Euroraums im ersten Halbjahr 2010 weiter an Momentum“.

Daher wird für die ersten beiden Quartale 2010 jeweils mit einem BIP-Rückgang von 0,49% und 0,35% gerechnet, im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum wohlge-merkt.

Das Zitat zum Abschluss der Zusammenfassung in dem Papier ist vielsagend: „Die Arbeitslosigkeit im Euroraum ist mit zeitlicher Verzögerung angstiegen und könnte ein Risiko für das Vertrauen der Konsumenten darstellen. Das Risiko einer schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung ist  erheblich“.


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