Verfasst von: markusgaertner | April 25, 2010

Seltsame Goldman-Geldströme

Goldman Sachs zahlte Politikern im März

mehr als im ganzen Jahr 2009

Vancouver, 25. April 2010

Manchmal haben politische Schmierenkomödien sogar Vorteile. Sie können reinigend wirken. Je heftiger mit Schmutz geworfen wird, desto mehr bleibt nach der Schlacht an der Wand hängen, für alle schön sichtbar. Und manchmal sind das auch Dinge, die nicht unbedingt für den öffentlichen Verzehr gedacht waren. Ähnlich wie gezielte Beleidigungen, die bei manchem

deftigen Ehekrach bisweilen über den Äther gehen können.

Am vergangenen Dienstag – Tag vier nach der Klage gegen Goldman Sachs – verteilte die Fraktionsführung der Republikaner im Repräsentantenhaus eine Liste jener Zuwendungen, die die Investmentbank den regierenden Demokraten zukommen ließen.

Frei nach dem Motto: Obama ist gekauft, ausgerechnet von Banken, die seine Administration jetzt in den Staub trampeln will.

Am Tag darauf, Mittwoch, publizierten die alternativen Berichterstatter bei „politico“ auf ihrer Webseite Zahlen, aus denen hervorging, dass Goldman das Geld zum Kauf von Einfluss ziemlich „gerecht“ auf beide großen Parteien verteilt.

Aber das war nicht der Punkt, und an sich nicht erwähnenswert.

Doch die Brisanz der Politico-Zahlen steckt im dokumentierten Volumen:

Goldman steckte führenden Abgeordneten in Washington allein im Monat März mehr Geld für deren Wahlkämpfe, Stiftungen und „Action Committees“ zu, als im gesamten Jahr 2009.

Halt ! Moment !

März ?

Das war doch in den Wochen bevor die Börsenaufsicht SEC ihre Klage bekanntgab.

Gehen nicht die Goldman-Oberen – wie alle feinen Lobbyisten und Manager vieler Wall Street-Firmen – ständig mit allen möglichen Entscheidern, Funktionären, Topgehilfen und Strategie-Fuzzis der Administration schlemmen, golfen oder Zigarren rauchen ?

Sollte da nicht etwas beizeiten durchgesickert sein ?

Die Vermutung ist ja nicht neu. Die Kenntnis von dem massiven Anschwillen der Goldman-Knete auf Capitol Hill aber schon …..

Die Frage steht jetzt im Raum. Und sie stinkt geradezu.

Bei politico.com findet sich übrigens eine lange Liste der größten Empfänger aus der jüngsten meinungsbildenden Goldman-Gießkanne.

Darunter Spencer Bachus aus Alabama, der Top-Republikaner im Finanzausschuss des Repräsentantenhauses. Darunter auch John Boehner, der Fraktionschef der Republikaner im „House“.

Aber eben auch zahlreiche Demokraten wie Kirsten Gillibrand, Max Baucus oder Mark Warner aus Virginia, ein Mitglied des Bankenausschusses und daher zentral mit der Gesetzgebung für eine Reform des Finanzmarktes betraut.

Wer diese Liste liest, kann sich kaum vorstellen, wie sich die politische Elite ohne einen externen Schock – die Art wie sie Börsencrashs auslösen – von diesem Klammergriff wieder befreien kann.

Beim Lesen der Politico-Analyse fühlt man sich ein bisschen wie Simon Johnson beim Niederschreiben seines schönen Artikels im neuen „Atlantic“, dem er die Schlagzeile „The Quiet Coup“ – der stille Umsturz – gab.

Prädikat: Sehr lesenswert.

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Responses

  1. […] […]


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