Verfasst von: markusgaertner | April 22, 2010

China vor dem Sturm

Peking macht Ernst mit der Immobilienblase

Vancouver, 22. April 2010

Es ist ein Kampf, den Peking lieber nicht aufgenommen hätte und in der Tat seit Monaten hinausgezögert hatte. Der Immobilienmarkt im Reich der Mitte macht 15-20% der gesamtwirtschaftlichen Leistung aus. Werden die Schrauben zu fest angezogen, kann die ganze Turbokon-junktur leiden oder implodieren. Deshalb hatten die „Roten Kaiser“ in

der Kommunistischen Partei seit dem vergange-nen Jahr immer nur kleine Stellbschräubchen gedreht.

Hier mal eine Warnung an die Staatsbanken, das Land nicht in Krediten zu ertränken. Da mal ein ernstes Wörtchen in den Staatsmedien, dass zu viele Immobilienkredite herausgegeben werden. Dann wurden langsam die Regeln für Eigenkapital und Boden-spekulation verschärft.

Wieder nichts.

Mit einem Zuwachs von 11,7% im März (Jahresvergleich) legten die Preise in den 70 größten Städten des Landes so schnell zu, dass es selbst den tempoverwöhnten Chinesen zu mulmig wird.

So sieht der Karikaturist der China Daily das jüngste Pekinger Bremsmanöver am Immobilienmarkt - HAMMER RAUS UND DRAUFHAUEN

Der Staatsrat hat mehrmals durch seine Mitglieder kundgetan, dass der Immobilien-markt zu einem der größten Probleme in der Volkswirtschaft geworden ist.

Man male sich nur für ein paar Sekunden eine große Volkswirtschaft aus, in der die Kreditmenge andauernd mehrmals so schnell wächst wie das Bruttoinlandsprodukt.

Das heißt im Klartext, die Effizienz des Kapitaleinsatzes wird geringer, die Renditen sinken gegen Null. Und das auf Pump !

Peking verordnete am Wochenende, dass für Zweithäuser nun 50% angezahlt werden müssen. Auf ihr erstes Haus müssen Chinesen 30% Eigenkapital anzahlen. Banken können nun Kreditanträge ablehnen, wenn die Antragsteller nicht nachweisen können, dass sie in der Stadt, in der sie ein Haus erwerben wollen, mindestens ein Jahr lang gelebt und Steuern gezahlt haben.

Ein Großteil der Kredite von umgerechnet 340 Mrd. Euro ging ind en vergangenen 15 Monaten in den Immobilienmarkt. Im ersten Quartal liehen Chinas Staatsbanken 902 Mrd. Yuan zusätzlich aus, mehr als zwei Mal so viel wie im selben Vorjahreszeitraum. Schon 2009 war das Kreditvolumen im Reich der Mitte vier Mal so hoch ausgefallen wie im Jahr davor.

Im Klartext: Die Banken haben die aufgeheizten Märkte bis in dünne Höhenluft mit Krediten aufgeblasen. Selbst als Peking eine Mäßigung des Kredittaumels forderte, tat sich erstmal nicht.

Das alte chinesische Sprichwort „Tian Gao Huangdi Yuan“ (der Himmel ist hoch, der Kaiser ist weit“) zeigte seine Berechtigung: Je weiter man in die Provinz in China geht, desto mehr entwickeln die Mandarine ein Eigenleben, das sich von Pekings Vorgaben oft nicht weiter beirren und beeindrucken lässt.

Im Kreditbereich sieht das dann so aus, dass lokale Bürgermeister, Parteisekretäre, Provinzgouverneure und Niederlassungsleiter der großen Staatsbanken unter dem Tisch gemeinsame Sache machen. Dann werden versteckt Kredite ausgereicht und lokale Prestigeprojekte finanziert, so wie es Bürgermeister in Deutschland vor der Gemeinderform noch in hohem Ausmaß betrieben.

Damals – in Deutschland – war das Motto: Die neue Großgemeidne zahlt ja die Rechnung. In Chinas Hinterland denkt man da ähnlich. Mehr noch: Wer große Räder dreht, wird schneller befödert, denn wer viel baut, kann auch höhere Wachstumsraten nach Peking melden.

Ein Systemfehler, der sich nun bitter rächt.

Der Absturz ist eine Frage der Zeit. Die Rohstoffmärkte können sich schonmal warm anziehen.

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