Verfasst von: markusgaertner | April 20, 2010

„Asche Airlines“ – Pest an der Tragfläche

Die Desaster-Branche: Terror, SARS, Ölpreise, Rezession – und jetzt der Vulkan 

Vancouver, 21. April 2010

Es hat die Airlines schon wieder erwischt. Diesmal sind es aber nicht SARS-Viren oder Jihaddisten, die Flugzeuge zu Boden zwingen, sondern die Naturkatastrophe auf Island. Mit 200 Mill. USD veranschlagt der internationale Luftfahrtverband IATA den täglichen Schaden. Bei einer Sperrung bis Mittwoch früh sind das also mindestens sieben Tage. Die Kosten sind

jedoch konservativ geschätzt, denn Forderungen und Klagen von Kunden, Hotelrechnungen und sonstiger Aufwand für die Bewältigung der Krise sind noch nicht ganz absehbar.

Im Gegenteil: Mit jedem Tag mehr, an dem Flieger in weiten Teilen Europas am Boden bleiben müssen, sehen sich auch Industriefirmen gezwungen, Produktion zu drosseln oder einzustellen.

Jüngstes Beispiel ist der bayerische Autobauer BMW, der die Fertigung in Dingolfing, Regensburg und München durch ausfallende Teile-Lieferungen beeinträchtigt sieht.

Die 230 Airlines, die in der IATA organisiert sind und zusammen 93% des kommerziellen Flugverkehrs mit größeren Jets abwickeln, hatten vor dem Vulkanausbruch gerade erst wieder die Kurve gekriegt.

Zwar sahen die Zahlen im Monatsvergleich für den jüngsten Berichtsmonat Februar nicht so rosig aus: Minuszeichen in Afrika, Europa, Lateinamerika und Nordamerika – doch im Jahresvergleich nimmt sich die begonnene Erholung fast schon als solide aus (wenn man außer acht lässt, dass der Februar 2009 ein verheerendes Tief darstellte).

Laut IATA haben die Airlines in der Krise zwei volle Jahre Wachstum verloren. Ver-glichen mit den Hochs vor der Krise liegt das globale Passagieraufkommen immer noch 1,4% zurück, bei der Fracht fehlen 3% zu den alten Hochs. Doch die Airlines haben hunderte von Fliegern aus dem Verkehr gezogen und lassen selbst die aktiven Maschinen länger am Boden stehen.

Wenn man das starke Wachstum in Asien und dem Nahen Osten aus der globalen Be-trachtung herausnimmt, sieht das ganze noch weniger rosig aus.

Asien Pazifik verzeichnet laut IATA im Februar auf Jahresbasis ein Plus von 13,5% im Personentransport und 34,5% Zuwachs bei der Fracht.

Im Nahen Osten liegen diese Werte bei 25,8% und 33,1%.

Ganz anders in Europa, das von dem Vulkanausbruch so verheerend in Mitleidenschaft gezogen wird. Nahm das Frachtaufkommen im globalen Schnitt seit Februar 2009 um 26,5% zu, so konnte es in Europa in diesem Zeitraum lediglich 7,2% wachsen.

Europas Airlines bezeichneten die Sperrung von weiten Teilen des Luftraums teilweise als überzogen. Die Huffington Post zeigte dieses Bild vom Triebwerk eines Kampfjets der finnischen Luftwaffe. Die F-18 war unmittelbar vor Sperrung des Luftraums nur für kurze Zeit durch die Aschewolke geflogen. Quelle:http://www.huffingtonpost.com/dk-matai/fighter-jets-suffer-volca_b_543200.html

Das Frachtvolumen im europäischen Luftraum liegt noch immer 16% unter dem Wert vor der Krise. Vergleichszeitraum  für diese Betrachtung ist das Jahr 2008. Alle ande-ren Lufregionen konnten im Februar 2010 die alten Spitzenwerte wieder übertreffen.

„Die europäischen Airlines“, so heißt es in der jüngsten „Air Transport Market Ana-lysis“ der IATA für den Februar 2010, „können bei der Fracht am wenigsten von der jüngsten Erholung profitieren“. Im Klartext: Der Vulkanausbruch hat das schwächste Glied in der stark globalisierten Branche erwischt.

Reblog this post [with Zemanta]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: