Verfasst von: markusgaertner | April 20, 2010

IWF sieht Druck auf EU-Banken

Auch der Währungsfonds ist besorgt

über steigende Staatsrisiken

Vancouver, 21. April 2010

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat heute seinen neuesten „Global Financial Stability Report“ veröffentlicht. Die guten News zuerst: Die Risiken für Finanzmärkte und Konjunktur haben seit dem Herbst 2009 nachgelassen, die staatlichen Anschubprogramme haben Märkte und Konjunktur kräftig gestützt und die globale Erholung

gefestigt. Die gesamten Abschreibungen – der Schaden – der Krise werden jetzt mit 2.300 Milliarden Dollar veranschlagt, eine halbe Billion weniger als vor sechs Monaten.

Trotzdem werden einige Finanzminister beim Lesen die Stirn runzeln: Die Banken müssen in den nächsten 36 Monaten eigene Verbindlichkeiten im Umfang von 5.000 Milliarden Dollar refinanzieren. Das wird zeitlich zusammenfallen mit einer Schwemme von Anleihe-Emissionen, mit denen die hoch verschuldeten Staaten ebenfalls an die Kapitalmärkte gehen.

Der IWF sieht in staatlichen Schulden die größte Herausforderung der nächsten Jahre. Das Fiskal-Desaster in den bekannten Staaten – nicht nur PIGS – hat den fragilen Bankensektor als die Sorge Nummer eins abgelöst.

Der Direktor der Geld- und Kapitalmarktabteilung des IWF, José Vinals, macht daraus keinen Hehl. Steigende Staatsschulden können die Stabilität der Finanzmärkte unterminieren, sagt Vinals im Executive Summary des Global Financial Stability Report.

Ein zweiter wichtiger Brennpunkt, den der IWF in dem Papier ausführlich beleuchtet, sind die Banken, trotz der Rekordgewinne, die führende Häuser der Wall Street seit ein paar Quartalen wieder melden, wie diese Woche Citigroup und Goldman Sachs.

Im ersten Kapitel seines Berichts hebt der IWF darauf ab, dass die Banken weltweit etwa zwei Drittel der insgesamt zu erwartenden Abschreibungen bereits vorge-nommen hätten. Eine Angabe, die reichlich gewagt erscheint, weil niemand derzeit sagen kann, wieviel zusätzliche Belastungen auf die Geldhäuser aus dem rasant implodierenden gewerblichen Immobilienmarkt noch zukommen werden.

Im IWF-Bericht findet sich ein besonderer Seitenhieb auf die deutsche Bankenland-schaft. Die Kreditinstitute „leiden“, heißt es dort, „unter allgemein schwacher Profita-bilität und einem großen Rattenschwanz unprofitabler Banken, vor allem den Landesbanken“.

Interessant sind auch die Ausführungen des Währungsfonds zum Thema Kreditver-sorgung. Eine der nachfolgenden Grafiken, die ich allesamt aus dem Financial Stability Report entnommen und kommentiert habe, bringt die Sorge auf den Punkt, dass eine weitere Erosion der Kreditqualität und die beschräkte Aufnahmefähigkeit der Kapital-märkte vor allem die europäischen Banken weiteren Stresstests aussetzen werden.

Laut IWF könnte sich die Kreditklemme in der EU noch bis 2013 fortsetzen.

Hier die erwähnten Grafiken aus dem Bericht.

GRAFIK eins: Das größte makroökonomische Risiko laut IWF sind die Staatsschulden

GRAFIK zwei: Rasanter Anstieg öffentlicher Schulden in der G7, die PIGS sind kein exklusiver Club …

GRAFIK drei: Die größten Gefahrenherde in Europa laut IWF

GRAFIK vier: Auf die Banken in der Eurozone kommen die meisten zusätzlichen Abschreibungen und Risikovorsorge-Maßnahmen zu

GRAFIK fünf: Die Explosion der Zahlungsrückstände auf US-Hypotheken lässt nichts Gutes ahnen, die Welle von Zwangsversteigerungen dürfte weiter zunehmen

GRAFIK sechs: Der Refinanzierungsbedarf erreicht 2010 und 2011 seinen Höhepunkt  

GRAFIK sieben: Die Kreditklemme bleibt der EU, zumindest Teilen der Gemeinschaft, bis 2013 erhalten

Der IWF hat vor dem G20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs am Wochenende in Washington auch eine Bankensteuer vorgeschlagen, die künftige Bailouts finanzieren helfen soll: http://www.huffingtonpost.com/2010/04/20/imf-bank-bailouts-should-_n_545406.html


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