Verfasst von: markusgaertner | April 15, 2010

Griechenland-Hilfe gut angelegt

Exportvorteile aus dem Ouzo-geschwächten Euro wiegen deutschen Hilfsanteil auf

Vancouver, 16. April 2010

Ich habe mich bislang aus der Berichterstattung über das Drama um Griechenland herausgehalten. Aus gutem Grund: Vancouver liegt 11 Flugstunden entfernt, Ihr seht die Ereignisse von Europa aus alle besser. Doch manchmal hilft die Ferne. Vom Pazifik aus sehe ich einen Segen in der ganzen Angelegenheit, den man nicht unterschätzen

darf.

Der vom Griechenland-Desaster geschwächte Euro hat dazu geführt, dass praktisch alle wichtigen Währungen in Asien seit Jahresbeginn deutlich gegenüber dem Euro zugelegt haben, wesentlich mehr als gegenüber dem US-Dollar, an den manche von ihnen – wie der Hong Kong-Dollar und der Renminbi – gekoppelt sind.

Zwischen 5% und 14% haben Asiens Währungen sich allein seit dem 1. Januar gegen-über dem Euro verteuert, und jeder weiß, was das heißt: Exportvorteile für deutsche Lieferanten von Maschinen, Kraftfahrzeugen, elektrischen Anlagen und vieles mehr.

Hier ist nicht nur ein positiver Mengeneffekt am Werk: Während die deutschen Aus-fuhren 2009 insgesamt um 18,4% zurückgingen, legten die Verkäufe nach China um satte 7% zu.

Da kann Rainer Brüderle noch so sehr beteuern, der Euro steuere keinen entschei-denden Teil zu den deutschen Exporterfolgen bei, am Ende des Tages ist es eben doch so.

Dass deutsche Verkäufe nach Asien sich besser halten als die Exporte in andere Regionen der Welt, hat sehr wohl auch mit dem Währungseffekt zu tun, nicht nur mit Chinas schneller Rückkehr zum Turbowachstum.

Denn deutsche Exporteure, die in asiatische Länder liefern, bekommen bei der Repa-triierung ihrer Erlöse mehr Euro in dem Umfang, in dem fernöstliche Währungen auf-gewertet wurden.

Ja, ja, ich weiß, auch in Asien wird vieles in Dollar abgerechnet. Aber auch der Dollar hat seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro zugelegt, 6%.

So, und jetzt kommt die spannende Rechnung.

Deutsche Firmen verkauften laut dem Statistischen Bundesamt im vergangenen Jahr an die 9 größten Absatzmärkte in Asien – China, Japan, Indien, Südkorea, Singapur, Hong Kong, Taiwan, Malaysia und Thailand – Waren im Wert von 150 Mrd. Euro.

Nehmen wir einen durchschnittlichen Währungseffekt gegenüber den asiatischen Wäh-rungen von 6%, dann würden europäische Lieferanten im Umfang von 9 Mrd. Euro von der Verbilligung des Euros profitieren.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Euroschwäche nicht zu 100% von Griechenland ausgelöst wurde – es gibt ja schließlich einen feinen Verein namens PIIGS mit weiteren Wackelkandidaten – dann wäre der deutsche Anteil an der Griechenlandhilfe weitgehend von der Währungs- und Handelsseite kompensiert.

Natürlich kommt das Geld nicht zu genau den gleichen Leuten zurück, die im schlimm-sten Fall zur Kasse gebeten werden, doch unsere Volkswirtschaft hat einen klar erkennbaren Vorteil im Außenhandel von der Ouzo-Krise.

Auf den Penny lässt sich das nicht beziffern. Auch weiß niemand, ob es bei diesem einen Rettungsring für Athen bleibt. Bisher hat Griechenland von dem Angebot noch keinen Gebrauch gemacht. Weitere Dramen sind im Anrollen. Schließlich: Auch die grundsätzlichen Bedenken gegen ein solches Hilfspaket werden durch diesen Effekt nicht aufgehoben, klar.

Doch der Hinweis auf die Währungs- und Handelsseite sollte dazu dienen, die Wogen um das Rettungspaket etwas zu glätten und zu versachlichen.


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