Verfasst von: markusgaertner | April 14, 2010

Gute Laune im Rohstoff-Kino

Laut Wirtschafts-TV geht die Rohstoff-Rally weiter,

aber Realismus kehrt ein

Vancouver, 14. April 2010

Auf allen Kanälen haben sie derzeit Konjunktur. Die Bullen im Rohstoff-Universum. Egal wohin man zippt – CNN, CNBC, FOXBusiness, BNN in Kanada oder Börsensender in Europa – die schnieken Jungs mit der rosa Brille und dem Minenstaub an der Krawatte sind fast überall. Das ist nicht so abwertend gemeint, wie es klingt. Ich will nur gleich zur

Vorsicht mahnen. Denn die Weltkonjunktur sieht sich hartnäckigem Gegenwind ausgesetzt, trotz der klar erkennbaren Erholung, trotz des Booms in den Schwellenländern, trotz der Cash-Tsunami, die sich ungeduldig über das nächste Mode-Asset ergießen will – und trotz der anhaltenden staatlichen Anschubprogramme.

Am Mittwoch quoll das Schönwetter-Büro der Wall Street ja fast über: Die US-Konsumenten gaben im März in den Malls zum dritten Mal hintereinander mehr aus, diesmal 1,6% mehr.

Gleichzeitig bleibt die Preiskurve flach und Ben Bernanke hat erneut signalisiert, dass die Zinsen für längere Zeit im Keller bleiben sollen.

Wow, Partytime ! Oder auch „Sweet Spot“, wie es die Financial Post in Toronto nannte.

Doch in einigen Teilen der Welt wird deshalb schon auf die Bremse getreten. Chinas Führung zum Beispiel macht endlich Ernst mit der Zügelung der Turbokonjunktur, die aus dem Ruder zu laufen droht, wenn sie es nicht schon ist.

Auch die erhöhten Rohstoffpreise selbst belasten die Konjuktur stark. US-Autofahrer lassen jeden Monat 12 Mrd. Dollar mehr in den Kassen der Tankstellen, wegen des höheren Benzinpreises.

Und immer mehr Notenbanken – allen voran die australische – streicheln zumindest schon wieder das Bremspedal …. Auch die Fed übrigens. Man muss sich nur mal in Ruhe die jüngste Ausgabe der „US Financial Data“ der St. Louis-Fed vom 9. April anschauen

http://www.research.stlouisfed.org/publications/usfd/20100409/usfd.pdf

.. dort fallen gleich mehrere Entwicklungen ins Auge, die diesen Eindruck unter-mauern: Die Monetary Base, die den Geldfluss von Münzen, Banknoten sowie die Reserven der Geschäftsbanken bei der Notenbank misst, geht seit Mitte März zurück; M2 geht zurück, ebenso die Ausleihungen der Fed; auch der Aufkauf von hypothekenverbrieften Wertpapieren durch die Fed – eine Form der Geldschöpfung – pendelt sich bei 1.100 Mrd. Dollar am oberen Wendepunkt aus.

Man muss sie also mit Vorsicht genießen, die Prognosen der vielen jubelnden Rohstoff-Analysten. Wer auf Youtube „commodities“ als Suchwort eingibt und sich die jüngsten Streifen aus der laufenden Woche anschaut, stellt ohnehin einen erkennbaren Trend fest: Immer mehr Firmen und Fondsmanager nutzen die Wirkung und Möglichkeiten der Web2.0-Sphäre, um selbst ihre Botschaft abzusetzen.

Und die lautet stets: Jungs, es geht weiter nach oben. Frei nach dem Motto: Wozu das aufwändige Fernsehen mit all den kritischen und neugierigen Journalisten-Fragen, gehen wir halt selber auf Sendung.

Zu übersehen ist es keinesfalls, dass die Jubelchöre im Rohstoff-Universe weiter anwachsen. Ist das am Ende gar ein Kontra-Indikator ?

Hier die jüngsten Beispiele aus nordamerikanischen Sendungen:

Video 1: Ein Interview (vom 13. April) mit Bjarne Schieldrop, Rohstoffanalyst bei der Skandinaviska Enskilda Banken – er sieht den stärksten Preisanstieg bei Öl im laufenden Quartal

Video 2: Yves Lamoureux (Interview vom 11. April)  Finanzberater bei Blackmont Capital sagt zu Rohstoffen – „It´s a great Rally, but wait another two to three months and buy after the next correction“ (schon etwas vorsichtiger)

Video 3:  Jonathan Barratt, Geschäftsführer  des australischen Brokerhauses Commodity Broking Services in Sydney, prognostiziert (am 16. März)  in Bloomberg TV „a good run on the top side“ ….

Video 4: Der Rohstoff-Analyst Raphael Biderman bei der Banco Bradesco in Sao Paolo kommentiert auf Bloomberg TV den Übergang des Eisenerz-Oligopols aus Vale, Rito Tinto und BHP von Jahresverträgen zu Quartalsverträgen, die deutlich höhere Preise bei der Lieferung an Kunden – meist Stahlfirmen – versprechen: „This will make Iron Ore Prices go up strongly …“  

Video 5: Nicholas Snowdon von Barclays Capital Commodities (FOXBusiness News am 2. März) sieht Kupfer nach dem Erdbeben in Chile – das keine großen Auswir-kungen auf die Versorgungslage hatte – dennoch einen Preisboom: „In the next three to five years there will be a severe supply crunch …“

Video 6: Investmentlegende Jim Rogers zu der Gefahr einer Rohstoff-Bubble: „It´s a long way away now … “

Es gibt aber auch verstärkt Analysten und Ökonomen, die Warnungen aussprechen. Ihnen werden die hohen Notierungen an den Rohstoffmärkten langsam mulmig, weil sie wie die Fed und das National Bureau of Economic Research, das in dieser Woche die Rezession noch nicht für beendet erklären wollte, klar die Gegenwinde sehen, mit denen sich die Erholung konfrontiert sieht.

Hier die warnenden Beispiele

Video 7:  Rachel Ziemba, von Roubini Global Economics, warnte schon Ende Januar auf CNBC vor einer kräftigen Korrektur im Jahresverlauf. O-Ton Ziemba:  „A deeper correction is a risk going forward this year“.

Video 8: Auch Kirby Daley, der Senior Strategist beim Brokerhaus Newedge Group, sagt: „The rally is not based on fundamentals so much and is therefore at risk of reversal at any time„.

Diese Videosammlung ist eines bestimmt: Unvollständig.

Allen, die ein wichtiges Interview der jüngsten Zeit vermissen, sei jetzt schon eine Entschuldigung ausgesprochen. Aber ich sammle gerne Hinweise und stelle sie in meine Video-Galerie, sodass keine Information verloren geht. Also, her mit den Ergänzungen …..

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