Verfasst von: markusgaertner | April 7, 2010

Asien wie ein Flummi

Die Tiger als Stehauf-Männchen

Vancouver, 7. April 2010 

Viel Neues steht nicht drin, aber die Zahlen sind sehr beeindruckend: Die Weltbank würdigt in ihrem jüngsten Konjunkturbericht über Ostasien die Stehauf-Qualitäten der Schwellenländer in dem Boomkontinent – angeführt von China, was sonst. Industrieproduktion, Exporte und Beschäftigung haben in zahlreichen Volkswirtschaf-ten zwischen Singapur, Indien und Japan schon

wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht (Grafik). 

 

Im laufenden Jahr erwartet die Weltbank von den asiatischen Schwellenländern einen BIP-Zuwachs in Höhe von 8,7%, nachdem der Schwung 2009 mit „nur noch“ 7% etwas nachgelassen hatte. 

Mit so viel neuem Schwung haben Notenbanken und Regierungen in einigen Ländern – darunter Indien, Malaysia und Vietnam – begonnen, etwas Druck vom Gaspedal zu nehmen, meist durch erste Anhebungen der Leitzinsen oder durch verschärfte Reservevorschriften für die Geschäftsbanken, wie in China. 

 

Doch die Weltbank scheint besorgt, dass – vor allem wegen anziehender Inflation – zusätzlich gebremst und dabei auch fiskalisch der Anschub zurückgenommen wird. 

„Es könnte etwas verfrüht sein, zu diesem Zeitpunkt in der Fiskalpolitik zu bremsen, weil private Investitionen noch nicht zum Treibriemen des Wachstums geworden sind und die Armen immer noch unter der Krise leiden“, heißt es in dem Bericht „Emerging Stronger From The Crisis„. 

Innerhalb nur eines Jahres sei es der Region gelungen, sich von kollabierenden Expor-ten und Investitionen nicht nur zu erholen, sondern auch Zugpferd der globalen Erholung zu werden:

 „East Asia has mostly recovered from the crisis. In the space of a year, the region shifted from a collapse in exports and investment, to leading the global rebound, and returning to the pre-crisis levels of real GDP (Figure 1 and Figure 2). The region has emerged stronger in a weakened world economy, in much better shape than after the 1997-98 Asian financial crisis (Table 1). This remarkable recovery has been due to a large and timely policy stimulus, renewed inventory restocking, and the return of buoyant demand abroad and consumer sentiment. Even with the large stimulus, fiscal deficits and debt are contained and for most countries pose no dangers to debt sustainability.“ 
 
Doch dann übertreibt es die Weltbank ein bißchen, der Überschwang verschleiert den Blick für die Gefahren, die mit dem rasanten Wiederanwerfen des Turbomotors verbunden sind:
  

 Solid economic fundamentals, including high foreign exchange reserves, well-capitalized banks and modest levels of household, corporate and government debt have also been key factors for the recovery. Capital flows have roared back, even as tight global financial conditions and ample spare capacity prompt worries that the “new normal” will be characterized by slower global growth. But large capital inflows have also raised alarms about new asset bubbles in some countries. Authorities in the region are confronting these risks at the same time they are returning to a reform agenda needed to secure strong and sustained growth.“

 

Und was ist mit der Krise, die sich im chinesischen Bankensystem unübersehbar durch eine neue Flut von Wackelkrediten abzeichnet ? Oder den Inflationssorgen, die die indische Regierung umtreiben ? Oder den himmelstürmenden Immobilienpreisen in Hong Kong, Shanghai und Singapur, die nicht nur den Finanzministern der Region schlaflose Nächte bereiten? 

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