Verfasst von: markusgaertner | April 5, 2010

Dümpel-Deutschland

IWF zu Deutschland: Exportwachstum, Industriekredite und Arbeitsmarkt unter Druck

Vancouver, 5. April 2010

Der jüngste IWF-Bericht zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, der auf den sogenannten Artikel IV-Konsultationen mit den Mitgliedern basiert, verheißt im Merkel-Land nicht viel Erfreuliches. Konkreter gesagt: Der Währungsfonds prophezeit uns eine nachlassende Wachstums-dynamik, anhaltende Schwäche im Bankensektor und steigende

Arbeitslosigkeit vor-her. Die Behebung des Schadens, den die Krise im Maschinenraum der deutschen Kon-junktur angerichtet hat, werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

GRAFIK: Der Anteil des Außenhandels an der Erholung ist kaum zu übersehen …

Konsequenz: Das Bruttoinlandsprodukt soll laut IWF 2010 um schlappe 1,2% wachsen, im kommenden Jahr nur um 1,7%.

Gute Noten bekommt die Bundesregierung für das Managment der Krise: Die fiska-lische Flankierung während der Krise habe zusammen mit besseren Exporten und dem stabilen Arbeitsmarkt dazu beigetragen, dass die deutsche Wirtschaft einen Teil des Bodens, den sie seit Ende 2007 verloren habe, jetzt wieder gut mache.

GRAFIK: Die Ausfuhren haben einen maßgeblichen Anteil an der angelaufenen Erholung

Doch der IWF – wie zu erwarten – meckert an den Plänen Berlins zur Steuersenkung herum. „Strikte Maßnahmen werden benötigt, um mittelfristig die Defizit-Regeln ein-zuhalten“, heißt es in der einleitenden Zusammenfassung des Papiers. Daher sei die Exit-Strategie in der ausklingenden Krise eine zentrale politische Herausforderung.

Und noch eine Breitseite der Organisation in Washington gegen die Politik in Berlin: Der Sektor der Landesbanken bleibe „strukturell unprofitabel„, die deutsche Regierung stimme mit dem IWF überein, dass es einer umfassenden Konsolidierung des Sektors bedürfe. 

GRAFIK: Ausfuhren und BIP-Wachstum bleiben nach der Krise unterhalb der früheren Trendlinie …. 

Dem Export wird eine Schlüsselrolle in der begonnenen Erholung beigemessen. Die Ausfuhren hätten im 2. Quartal 2009 angezogen. Doch wegen des hohen Importge-halts deutscher Ausfuhren (Bauteile, Komponenten) hätten die Importe im Sog der Ausfuhren ebenfalls Schwung gewonnen und so den Nettobeitrag der Exportwirtschaft zur Erholung limitiert.

GRAFIK: Der Arbeitsmarkt war in der Krise relativ stabil …

Die absehbare Erholung wird als „moderat“, also gemächlich bezeichnet. Gründe dafür sind die US-Konsumenten, von denen der IWF wegen anhaltender Kaufzurückhaltung kaum Schwung erwartet sowie die weltweite Drosselung der während der Krise begon-nenen Anschubprogramme.

Die anhaltenden Probleme im Bankensektor würden die Kreditmenge begrenzen und den heimischen Konsum zügeln. Weil die Firmen sich allmählich mit dem langsamen Wachstums der Nachkrisen-Ära abfänden, würde die Arbeitslosigkeit zunehmen.

GRAFIK: Der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit ist sichtbar …

Und noch ein Punkt, der manchen zwischen Garmisch und Hamburg/Berlin aufstoßen dürfte, aber vom IWF realistisch gesehen wird: Die Stärke, die der Euro während der Krise gegenüber dem Greenback entwickelte – und in jüngster Zeit nur zum Teil wieder abbaute – hat zusammen mit den Lohnsteigerungen vor Ausbruch der Krise an der deutschen Wettbewerbsfähigkeit gezehrt.

Mehr noch: „Labor hoarding“, ein fürchterliches englisches Wort für die Loyalität deutscher Firmen zu ihren Beschäftigten in Krisenzeiten, habe ebenfalls dazu beige-tragen, die deutsche Wettbewerbsposition zu belasten.

GRAFIK: Die Wachstumsrate der Kredite war über weite Phasen der Krise eindeutig im negativen Bereich, so viel zu der Behauptung, es gebe keinen Kreditinfarkt:

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