Verfasst von: markusgaertner | April 3, 2010

Revolte am Rohstoffmarkt

Die Stahlindustrie lehnt sich gegen das

Eisenerz-Oligopol auf

Vancouver, 3. April 2010

Am Rohstoffmarkt kommt es zu einer Revolte, die weltweite Auswirkungen bis hin zu Verbraucherprodukten wie Autos und Kühlschränken haben kann. Die Stahlkocher haben dem Oligopol aus der brasilianischen Vale SA, der Rio Tinto-Gruppe und BHP Billiton wegen enormer Preissprünge den Kampf angesagt. Die Preise für Eisenerz haben sich am Spotmarkt seit

dem vergangenen September auf über 150 Dollar je Tonne verdoppelt. Ein Sprung, der ohne die Marktdominanz der großen drei Firmen, die in dem 200-Mrd.-Dollar-Markt zwei Drittel des globalen Handels kontrollieren, nicht möglich gewesen wäre.

Es geht darum, dass die Bergbauer von den 1-Jahresverträgen wegwollen und statt-dessen die Preise vierteljährlich anpassen möchten, ohne Verhandlungen.

Quelle: Shaw Research, Sector Report Iron Ore

Vale hat in der Woche vor Ostern einen Präzedenzfall verursacht, indem es von der seit 40 Jahren angewandten Regel abwich, das Erz zu einem für 12 Monate festge-legten Fixpreis zu verkaufen. In Verbindung mit diesem Schritt setzte der Minengigant einen Preisanstieg gegen japanische Stahlkocher von 90% durch.

In der Stahlbranche sorgte das für ein Beben, das dem in Chile kaum nachsteht.

„Wir haben jetzt einen sehr dringenden Bedarf„, sagte der Sprecher des Weltstahl-verbandes Nicholas Walters der Nachrichtenagentur Bloomberg, „dass dieser Markt und das Verhalten der drei großen Konzerne, die ihn dominieren, untersucht wird“.

Vale hat nach eigenen Angaben mit 97% seiner Kunden bereits vierteljährliche Preis-absprachen vereinbart.

Die zähen Verhandlungen der Eisenerzschürfer mit den chinesischen Stahlfirmen laufen derweil noch. Der Geschäftsführer der Baosteel-Gruppe, He Wenbo, der die Chinesen in den Gesprächen repräsentiert, bezeichnet die Verhandlungen als „sehr schwierig“ und zieht das bislang übliche Preissystem mit jährlichen Kontrakten vor. China ist als größter nationaler Stahlkocher zum weltweit führenden Importeur von Eisenerz aufgestiegen.

Der traditionelle Preismechanismus bekam 2009 große Risse, als sich die Chinesen mit Rio Tinto nicht auf neue Preise einigen konnten. Zuvor hatte BHP den Anteil des im jährlichen Kontraktsystem verkauften Erzes verringert.

Quelle: Shaw Research

Ende März kündigte wie zur Bestätigung der Folgen dieses Umbruchs der CEO von ArcelorMittal – der größte Stahlkocher der Welt – Preiserhöhungen von 150 Dollar je Tonne noch in diesem Quartal an.

Kritik ist auch aus Europa zu hören, zum Beispiel von Gordon Moffat, dem Generaldi-rektor von Eurofer, das die Stahlproduzenten auf dem Alten Kontinent vertritt. Moffat sagte Bloomberg, „wir haben ein Oligopol, das den Markt kontrolliert und daher die Preise diktieren kann“.

Der Preisabstand zwischen dem teureren Spotmarkt und den Kontraktpreisen in dem neuen Regime von Quartalskontrakten ist etwa 40-50%. Vale und Nippon Steel sollen sich auf 100 bis 110 Dollar je Tonne Eisenerz für das Quartal bis Juni geeinigt haben. Posco in Südkorea, das zu den fünf größten Stahlproduzenten zählt, soll mit Vale vor einer Einigung auf Preise zwischen 100 und 105 Dollar je Tonne für das zweite Quartal 2010 stehen.

Damit zieht sich die Schlinge um die chinesischen Importeure, die sich der Entwicklung zum neuen Preismechanismus widersetzen, immer enger.

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