Verfasst von: markusgaertner | März 26, 2010

Bremsen mit dem Bleifuß

Chinas Führung legt

zockende Staatsfirmen an die Leine

Vancouver 27. März 2010

Potzblitz, jetzt machen sie aber ernst: Chinas Führung pfeift die größten Staatsfirmen aus dem Immobilienmarkt zurück. Die Ankündigung kommt von der Nachrichtenagentur Xinhua (Neues China). Diese zitiert den Sprecher der zentralen Aufsichtsbehörde für die Staatswirtschaft, State-owned Assets Supervision and Administration Commission (SASAC), mit

dem Hinweis, die Regierung weise 78 Staatskonzerne, deren Kerngeschäft nicht der Immobilienmarkt sei, an aus der Spekulation mit Gebäuden und Land auszusteigen.

Viele chinesische Staatsfirmen haben sich bekanntlich schon vor langer Zeit Immobilienvehikel zugelegt und nutzen ihre Kontakte auf lokaler Ebene zu Bürgermeistern, Parteisekretären und Provinzgouverneuren, um bei den Zweigstellen der Staatsbanken an billige Kredite zu kommen und günstig staatliches Land zu erwerben.

Das verspricht vielen der kollektiven Firmenriesen schöne fette Renditen, mit denen sie das ansonsten von Überkapazität und niedrigen Margen geplagte Geschäft aufpäppeln können.

Chinas Stahlfirmen zum Beispiel sind dafür bekannt, dass sie ihre Erträge aus den Stahlöfen mit Immobiliendeals subventionieren.

Chinas Immobilienmarkt, der für 16% aller Anlage-Investitionen im Reich der Mitte aufkommt, verzeichnete im Februar mit einem Preisanstieg von 10,7% gegenüber Vorjahr laut dem Nationalen Statistikbüro den schärfsten Auftrieb in fast zwei Jahren.

Es war der neunte Monat in Folge mit steigenden Preisen seit Juni 2009, als die Preise in den 70 größten Städten des Landes nach sechs Monaten mit Minusraten wieder zu klettern begannen.

Viele Beobachter haben bislang darauf gewettet, dass Chinas Führung sehr behutsam auf die Bremse am Immobilienmark drückt, weil dieser als Treibriemen für das Wachstum der Turbo-Konjunktur eine extrem große Rolle spielt. Doch nachdem die jüngsten Landverkäufe in Shanghai und Peking Mitte März sensationelle Preise selbst über den extrem hohen Erwartungen erzielten – hochgepeitscht von den Geboten cashreicher Staatsfirmen – wurde es einigen im Staatsrat – Chinas Kabinett – offenbar zu mulmig.

Offizielle Medien wie die China Daily, das Organ des Staatsrats, äußerten sich zu der Landspekulation in ungewöhnlich deutlichem Ton.

„Die politischen Entscheider sollten umgehend diejenigen Staatsfirmen in die Schranken weisen, die an dem überhitzten Immobilienmarkt für noch mehr Trouble sorgen“, schrieb die China Daily schon am 18. März. Eine brüske Forderung, die die Zeitung nicht ohne Segen der Regierung so drucken kann.

Es scheint, so schlussfolgert die China Daily in dem Artikel, „dass die bisherigen Maßnahmen der Regierung zur Kühlung des Immobilienmarktes nur private Developer gebremst haben, während der Appetit der Staatsfirmen auf einen größeren Marktanteil im Immobilienmarkt kaum gezügelt wurde“.

Die Wortsalve gegen die Staatskonzerne und deren Spekulation gipfelte in der Feststellung:

„The record land sales on Monday certainly cast doubts on a previous official claim that not a single cent of the country’s 4-trillion-yuan stimulus package has flowed into the real estate sector. Worse, they fueled expectations of more price hikes to undermine government efforts to prevent housing bubbles. The hunger for profit shown by SOEs also calls for a review of their actual roles in the economy. A profit-driven company does not deserve the monopoly status that SOEs have required for the „strategic roles“ they are supposed to play in the national economy.“

Hier noch einmal unser Gapa News ECONCHART zu Chinas Immobilienmarkt von Mitte Februar – nichts davon ist veraltet, außer vielleicht, dass die Preise inzwischen noch stärker angezogen haben und die Kreditmenge bereits etwas zurückgeht.

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