Verfasst von: markusgaertner | März 24, 2010

Steinbruch USA

Häuserverkäufe krachen auf neues Allzeit-Tief

Vancouver, 25. März 2010

Der US-Immobilienmarkt, Epizentrum und Ausgangspunkt der Finanzkrise die 2008 begann, kommt nicht aus seinem selbst geschaufelten Loch heraus. Im Februar erlitt der schwer angeschlagene Markt mit einem Minus von 2,2% beim Absatz neuer Häuser einen schweren Rückschlag. Denn mit diesem neuerlichen Rückgang, dem vierten in Folge, ist der niedrigste Wert

seit Erfassung der Branchenzahl erreicht.

Und das obwohl die US-Regierung den Markt massiv anschiebt, es zumindest ver-sucht. Darunter mit dem 75 Mrd. Dollar umfassenden HAMP-Programm – Home Affordable Modification Program – das Laufzeiten streckt und Zinsen reduziert; aber auch mit dem Aufkauf von Hypothekenforderungen.

So halten oder garantieren Fannie Mae und Freddie Mac inzwischen rund 80%  der Hypotheken am Immobilienmarkt, quasi eine Verstaatlichung dieses Segmentes. Auch die steuerliche Begünstigung von Immobilienkäufen wurde ja bis April gestreckt.

Das Schlimme an den jüngsten Zahlen ist, dass sie rückläufige Verkäufe für alle US-Regionen außer dem Westen belegen. Und sie kommen nur einen Tag, nachdem die National Association of Realtors – der Maklerverband in den USA – auch einen sinken-den Absatz für existierende Häuser gemeldet hat.

Was den Markt unerbittlich am Boden hält sind die anhaltenden Jobverluste mit einer Arbeitslosenrate bei fast 10% sowie eine rasant wachsende Zahl von Zwangsverstei-gerungen, etwa 8.000 pro Tag im Land.

„Was ist die Story am Immobilienmarkt ?“, fragt der Analyst Michael D. Larson fast zynisch, „der Markt steckt weiter fest, das ist alles“.

Wie tief die Krise sitzt, zeigt ein anderer Vergleich: Seit Dezember hat sich die Zahl der sogenannten „Double-Dip“-Märkte in den USA verdoppelt. Das sind Städte, in denen nach mindestens fünf Monaten mit Wertsteigerungen die Preise schon wieder mindestens fünf Mal gefallen sind.

Zu der Misere trägt auch bei, dass die Maßnahmen der Obama-Administration weiter-hin nicht greifen. Beispiel, die HAMP-Initiative.

Das Programm, vom US-Finanzministerium Anfang 2009 gestartet, soll bis 2012 rund 3-4 Millionen Häuslebesitzer vor der Zwangsversteigerung bewahren. So jedenfalls hieß es beim Treasury, als HAMP vorgestellt wurde.

BANK OWNED / Nick Bastian, FLICKR

Doch eine Untersuchung des Congressional Oversight Panel – dem parlamentarischen Wachhund in den USA, der die Ausgaben des Konjunkturprogramms kontrolliert – hat HAMP in dieser Woche als großen Schwindel entlarvt, weil die Art, wie das Programm seinen Erfolg misst, völlig an der Realität vorbeigeht.

Um besser dazustehen, zählt das Finanzministerium unter Bankendarling Timothy Geithner, wie vielen Hausbesitzern von den Geldhäusern ein Angebot für eine ver-suchsweise Anpassung von Laufzeit oder Zinssatz angeboten wurde.

Das waren im Februar zum Beispiel knapp über eine Million. Doch nur 168.708 dieser Häuslebesitzer wurde anschließend eine dauerhafte Lösung angeboten, also wirklich geholfen.

Bis Februar wurde nach Ermittlungen des Oversight Panels nur 2,8% der 6 Millionen Hypothekenkunden, deren Tilgung mindestens 60 Tage in Verzug ist, eine dauerhafte Lösung ermöglicht.

Doch die Zahl der in Verzug geratenden Hausbesitzer steigt schneller als die Zahl der Fälle, in denen Banken ihren Hypothekenkunden permanent helfen.

So waren bis Januar 5,6 Millionen Amerikaner mit ihrer Tilgung mindestens 60 Tage in Verzug. Demnach blieben von Januar auf Februar weitere 400.000 Hypothekenkunden säumig; doch nur 50.000 unterschrieben mit ihrer Bank einen Vertrag über eine dauer-hafte Anpassung von Zinsen oder Laufzeit, um die Last auf das Haus zu erleichtern.

Wie stark die Erosion mittlerweile ist, zeigen diese Zahlen: Über 11 Millionen Haus-besitzer in den USA – ein Viertel der Gesamtheit – ist unter Wasser, die Hypothek ist also größer als der Wert des Hauses.

Über fünf Millionen sind mit der Zahlung ihrer Hypotheken in Verzug und riskieren eine Zwangsversteigerung. Das sind fast 5% aller Hausbesitzer im Land.

Über 2,8 Millionen Amerikaner haben 2009 durch Zwangsversteigerung ihr Haus verloren.         

In diesem Jahr sollen es laut dem Datenanbieter Realty Trac drei Millionen werden, 8.200 jeden Tag !

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