Verfasst von: markusgaertner | März 18, 2010

Rally-Boykott

Trotz Rally: Anleger verabschieden sich

weiterhin aus US-Aktienfonds

Vancouver, 17.März 2010

 Die Kleinanleger beweisen bei dieser „Rally“ einen ziemlich guten Riecher und halten sich zu einem guten Teil von ihr fern. Damit wird die alte Wall Street-Welt in einer Hinsicht endlich auf den Kopf gestellt: Das sogenannte „smart money“ selbst erklärter Experten und institutioneller Anleger hat sich von der auslaufenden (wirklich ?) Krise überraschen lassen, während die angeblich

ahnungslosen Kleinanleger diesmal gut aufpassen.

Das  anlegerische Kleinvieh, das in den großen Handelsräumen verachtlich als dämliche Rinderherde gesehen wird, erweist sich als klug und macht bei dieser orchestrierten Bergfahrt nicht mit.

Laut Morningstar haben Anleger auch im Februar unter dem Strich wieder viel Geld aus US-Aktienfonds abgezogen, diesmal 3,7 Mrd. USD. Damit sind den US-Aktienfonds in den vergangenen sechs Monaten fünf Mal netto Gelder entzogen worden.

Aus der Pressemeldung "Direct Fund Flows Update" von Morningstar, 16. März 2010

Am größten waren die Abflüsse in den Monaten Oktober, November und Dezember mit zusammen über 20 Mrd. USD.

Auch in den einschlägigen DOW-Charts kann man das Desinteresse an dieser Rally – die wohl meist gehasste der Geschichte – ablesen.

Während der DOW von seinem Tief Mitte März 2009 bis in dieser Woche um 59% nach oben schoss, ging das Handelsvolumen der DOW-Titel auf Basis der bei www.finance.yahoo.com abrufbaren Monatsdurchschnitte um 38% zurück.

Der Ritt auf der Rasierklinge findet diesmal also weitgehend ohne „Kleinvieh“ statt.

So sieht der Seeking Alpha-Blogger Philip Davis die Börsenrally

Auch in den US-Finanzblogs macht man sich darüber lustig, dass sich das „blöde Kleingeld“ in dieser Phase als ziemlich gewieft erweist.

Wer ist wirklich das doofe Geld ?“, fragt beispielsweise Graham Summers in meinem Lieblingsblog Seeking Alpha.

Hier ist seine Schlussfolgerung aus dem Börsengeschehen an der Wall Street in der jüngsten Zeit:

„In contrast, the individual investor who is commonly called “the dumb money” and ridiculed by the Wall Street elite, has managed to figure out that not only are the Federal Reserve and regulators asleep at the wheel, but that the economy is not improving, and that the powers that be have yet to apply any real remedies to the core problems facing the financial system.“

Hier ist ein vielsagendes – und häufig besuchtes – Youtube-Video mit einem Beispiel der Wall Street-Propaganda, vorhergesagt werden 15.000 Punkte bis zum Juni.

Für Kleinanleger, die zwei Mal in den vergangenen zehn Jahren bei einem Crash übel verbrannt wurden, die schwache Marktaufseher erlebt haben und den Mangel an Reformen sehen – und die die Wall Street im Rekordtempo zu ihren „bad habits“ zurück kehren sehen, ist eine solche Botschaft natürlich ein Hohn.

Daher findet man zu dem Video auch viele Kommentare wie die beiden folgenden, die auch über das Befinden der Kleinanlager einiges sagen:

Erstes Statement:

„You must be joking man. Only way that’s gonna happen is if we have excessive inflation. The market’s already absurdly overvalued and inflated to effing s@#t. And that’s on extremely low volume with extended hours trading accounting for most of the run ups so you can be sure there’s manipulation. Wake up.“

Zweites Statement:

„Who are you trying to fool? The only cusp we are on is the cusp of another crash. Tell the truth. Or do you fit in with scumbags in DC, Wall St & the Main St media…..they are hiding the truth. This nation´s economy is being held up by toothpicks. It is goin to come crashing down.“

Summers schildert in dem Seeking Alpha-Blog auch eine Begegnung mit einem Mann vor ihm in der Schlange am Geldautomaten der Hausbank: Der Mann war voller Schlamm von einer Baustelle, mit größeren Zahnlücken „und ganz sicher kein Daytrader“ ! – der sich zu Summers umdreht und ohne Vorwarnung über die Fed herzieht.

So viel zur miserablen Überzeugungskraft der Wall Street-Propaganda.

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