Verfasst von: markusgaertner | März 16, 2010

Währungskrieg

„Die lassen Geld

den Berg hochfliessen“                                

(Paul Krugman über China)

 

Vancouver, 16. März 2010

Der Schlagabtausch zwischen Washington und Peking erreicht die nächste Eskalationsstufe. Den zunehmend gereizten Worten und Androhungen folgend bald die ersten Taten. Google scheint kurz davor, sich tatsächlich aus der Volksrepublik zurück zu ziehen. In Washington haben 130

Kongress-Abgeordnete beider Parteien die Obama-Administration aufgefordert, endlich mehr gegen die ihrer Ansicht nach schroffe Unterbewertung des Renminbi zu unternehmen.

Mitte April steht dazu das nächste Votum des US-Finanzministeriums an.

Geithner hatte im Januar schon einmal angedeutet, China könne von den USA als Währungs-Manipulator gebrandmarkt werden. Das veranlasste Wen Jiabao zu einem harschen Auftritt in Davos beim Weltwirtschaftsforum, wo der chinesische Premier versicherte, den Renminbi auf einem „vernünftigen und balancierten“ Niveau zu halten.

Im Klartext: Njet – eine Aufwertung kommt nicht in die Tüte.

Wen Jiabao soll zuvor beim Lunch regelrecht ausgerastet sein, als der Name Geithner nur erwähnt wurde.

Am vergangenen Freitag, zum Ausklang des Nationalen Volkskongresses in Peking – dem traditionell einzigen Auftritt chinesischer Ministerpräsidenten im Jahr bei einer internationalen Pressekonferenz, wurde Wen noch deutlicher, ein Zeichen für die aufgestauten Gereiztheiten: „Wir sind dagegen, dass auf andere mit dem Finger gezeigt und versucht wird, eine Aufwertung aufzuzwingen“.

Flankiert wird die Kampagne der Abgeordneten von Nobelpreisträger Paul Krugman, der den Chinesen eine Schädigung der Weltwirtschaft vorwirft und am Wochenende in einem Meinungsstück der New York Times verlangte, den Chinesen eins auf die Nase zu geben.

CNBC beschreibt den Streit zwischen den „G2“, als „Dialog von Hörgeschädigten„; Chinas Politbüro wolle „einen Showdown„, vermutet der britische Telegraph; zwischen beiden Ländern herrscht eine „mid-life crisis„, unkt die Asia Times. Die Financial Times sieht China schlicht in die Offensive gehen.

Barack Obama und Timothy Geithner scheint nicht wohl bei der Verschärfung des „Standoffs“ zu sein, sie wissen, was auf dem Spiel steht.

Und sie wissen auch, dass Washington selbst den schwachen Dollar als Instrument der Exportförderung einsetzt und dass Chinas Importe – +45% im Februar – ebenso schnell wachsen wie die Exporte – +46% im selben Monat gegenüber Vorjahr.

Mehr noch: China bezieht von anderen asiatischen Ländern immer mehr Vorprodukte, übernimmt also deren Überschüsse gegenüber den USA. Mit Asien insgesamt bleibt Amerikas Handelsdefizit dagegen seit vielen Jahren in etwa gleich.

MADE IN CHINA / how long it takes, Flickr

Und schließlich haben US-Firmen massiv zu den Lieferungen Chinas an die USA beigetragen, bei leicht über 50% liegt der Anteil der internationalen, in China investierten Firmen an den Ausfuhren der Volksrepublik !

Aber das sind wohl vernachlässigbare Feinheiten, wenn die Protektionisten Oberwasser bekommen und in den Ring steigen.

Amerikas Beziehungen zu China waren im ersten Jahr der Obama-Administration eher ruhig, bis sich die Tonlage in den vergangenen drei Monaten verschärfte.

Was hat sich geändert, außer dass die Populisten aus ihren Löchern kommen ? –  Einiges !

Die USA haben Taiwan Waffenlieferungen zugesagt und China drohte allen US-Firmen, die daran beteiligt sind, Vergeltung an.

Obama hat den Dalai Lama empfangen. China hat begonnen, angesichts der desolaten wirtschaftlichen Lage in den USA die mode-raten Töne aus der Obama-Administration – die in der Nach-Bush-Ära zuallererst internationale Beziehungen reparieren will – als Schwäche zu interpretieren.

China registriert zwar ein rasantes Wachstum des privaten Konsums, doch es stellt fest, dass ohne florierende Exporte eine nachhaltige Erholung der mit fiskalischem Stimulus und Krediten gedopten Konjunktur nicht möglich ist.

In dieser Phase kann der Renminbi nicht aufgewertet werden, zumindest nicht unnötig früh und nicht in dem Umfang, wie ihn immer mehr amerikanische Politiker vehement fordern.

Umgekehrt hat Obama in seiner State of the Union-Adresse im Januar eine Verdop-pelung der US-Exporte auf 3.000 Mrd. Dollar in den nächsten fünf Jahren versprochen.

Ein Ziel, das sich kaum realisieren lässt, wenn Chinas Exportwalze gleichzeitig auf dem schwachen Weltmarkt zu währungssubventionierten Kampfpreisen seine Überkapazität ablädt.

Doch nicht nur der Druck hat sich für beide Seiten in der schwierigen Phase erhöht. Auch der Preis für einen Handelskonflikt ist deutlich höher geworden als er es je war.

In den 30er Jahren, während der Großen Depression, machten die US-Importe ledig-lich 5% des BIP aus. Jetzt liegt dieser Anteil bei 14%.

Für China macht der Handel mit den USA inzwischen über 10% seines BIP aus.

Zu Tiraden gegen China war es in den USA schon 2004 gekommen, drei Jahre nach Beitritt der Volksrepublik zur Welthandelsorganisation WTO. Kurz darauf schossen Chinas Exporte mächtig in die Höhe, das Defizit der USA im bilateralen Warenaus-tausch mit China (siehe Tabelle im Chart) verdoppelte sich binnen drei Jahren.

In den USA setzte große Ernüchterung ein, denn man hatte ganz im Gegenteil darauf gehofft, mit dem WTO-Abkommen Chinas großen Binnenmarkt zu knacken und die Lieferungen an die Volksrepublik explosionsartig zu steigern.

Als die protektionistischen Sprechchöre in Washington zu laut wurden, lockerte China am 21. Juli 2005 die Dollarbindung des Renminbi, koppelte ihn an einen ganzen Korb von Währungen und wertete ihn im Verhältnis zum US Dollar von 8,28 auf 8,11 auf.

Bis zum Juli 2008 wurde der Wechselkurs um 21% nach oben geschleust. Seitdem ist der Yuan (so das chinesische Wort für Dollar) bei rund 6,83 für einen US-Dollar wie angewurzelt.

Als die Finanz- und später Konjunkturkrise einsetzte, hielt China den Steigflug des Renminbi an, um seine Exporteure zu schützen.

Diese erlitten in den Monaten darauf bekanntlich trotzdem so herbe Einbrüche bei den Verkäufen an die kollabierenden westlichen Absatzmärkte, dass 20 Millionen Wander-arbeiter ihre Jobs an der zuvor boomenden Küste verloren und zurück ins bäuerliche Hinterland wanderten.

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