Verfasst von: markusgaertner | März 16, 2010

Ein schlimmer Verdacht

Bremsen die Banken den Kapitalabfluss aus Europa ?

Vancouver, 16. März 2010

Griechenland, Bankenkrise, Steuer-CDs, schwierige Auslandsüberweisungen …. mir ist ein böser Verdacht gekommen. Vor etwas mehr als einer Woche habe ich versucht, von meinem Konto bei der Targobank in Deutschland – Nachfolgerin der Citibank Privatkunden – Geld auf mein Konto in Kanada zu überweisen. (Entwarnung für das Finanzamt: Ich verdiene als

Journalist Honorare in Deutschland, lebe aber in Vancouver, gebe hier das Geld aus und zahle hier auch Steuern, daher die Transfers.

Zum ersten Mal seit Monaten klappte die Überweisung nicht – keine Erklärung der Bank warum.

Ein erneuter Anruf zwei Tage später um es nochmal zu versuchen – wieder kein Erfolg.

„Das System will die Überweisung nicht annehmen“, wurde mir am Telefon lapidar gesagt, „wir verstehen selbst nicht warum“.

Daraufhin überwies ich das Geld stattdessen innerhalb Deutschlands auf das Bankkonto eines Freundes: Kein Problem, ging sofort durch.

Der Freund hat mir liebenswürdigerweise von seiner Bank aus das Geld hierher überwiesen.

Zweiter Versuch am vergangenen Freitag bei der Targobank.

Wieder ging es nicht.

„Wir verstehen das nicht, wir müssen die Überweisung dann eben mit der Hand eingeben“, war die Auskunft.

Noch immer hatte keiner der freundlichen Mitarbeiter dort am Telefon irgendeine einleuchtende Erklärung, warum es solche Probleme bei der Überweisung nach außerhalb der Eurozone gibt.

Erst drei Tage später, am Montag, klappte der Geldtransfer nach Übersee.

In der Zwischenzeit hatte ich wieder an meinen Freund innerhalb Deutschlands überwiesen.

Doch diesmal hatte auch er Probleme im ersten Anlauf, das Geld nach Kanada zu transferieren.

„Die Einzelangaben“ für die Überweisung „sind nicht richtig“, gab das System beim elektronischen Fehlversuch an. Doch diese Überweisung war ja mit genau denselben Daten zuvor schon einmal gemacht worden, an den Daten kann es also nicht liegen.

„Wir laden neue Daten auf, Systemaktualisierung“, lautete bei dieser Deutschen Bank die Erklärung.

Ein erneuter Versuch nach einer Stunde – diesmal, und nur weil er den Transfer in zwei kleineren Tranchen in den Computer eingab, klappte es.

Das Überweisungslimit war zuvor bei dem Fehlversuch nachweislich nicht überschritten worden.

Kann es sein, dass strengere Steuerfahndung, Griechenland, PIGS-Gerüchte, Druck auf das Pfund und Kapitalabflüsse aus Europa in den vergangenen Tagen dazu geführt haben, dass die Banken klammheimlich, ohne es je zu erklären, den Abfluss des Kapitals aus dem Euroraum bremsen ? Vielleicht sogar in Absprache mit den Behörden ?

Selbst wenn sie die genannten Überweisungen am Ende nicht unterbinden, so haben sie sie doch um einige Tage verzögert und tendenziell eingeschränkt.

Wer von Ihnen/Euch da draußen in der Bloggersphäre hat in jüngster Zeit ähnliche Erfahrungen gemacht und kann etwas dazu sagen ?

Es wäre durchaus denkbar, dass in der Erwartung strengerer Kapitalvorschriften, die später in diesem Jahr kommen sollen, und der Annahme, dass die Schuldenkrise in Europa keinesfalls ausgestanden ist, die Banken, oder einige Banken, Kapitababflüsse – ähnlich wie in Griechenland beobachtet – fürchten und rechtzeitig den Deckel draufhalten.

Vor einigen Tagen hatte es ja schon für Aufregung gesorgt, dass die Citigroup in Mitteilungen an ihre Kunden erklärte, sie behalte sich das Recht vor, ab dem 1. April Überweisungen nur noch vorzunehmen, wenn sie sieben Tage vorher angekündigt worden sind.

Die Bank klärte die Verwirrung in einem Statement inzwischen auf und verwies darauf, dass dies auf Anforderungen der Notenbank zurückgeht, die für sogenannte „NOW-Konten“ gelten, dass man aber keine Pläne habe, Abhebungen derart einzuschränken.

Hmmm, dennoch ! Ein schaler Nachgeschmack bleibt, und Verunsicherung auch. Denn niemand weiß, wie es in den Bilanzen der Großbanken wirklich aussieht und mit welcher Wucht die Krise im gewerblichen Immobilienmarkt – begleitet von rasant wachenden Kreditausfällen – zu Buche schlagen wird und wie schnell Griechenland 2.0 im Anmarsch ist.

Es wäre äußerst wichtig – und eventuell enorm vielsagend und brisant – mehr Eindrücke wie diese zu hören …. Dann kann man die Banken damit konfrontieren.

MELDET EUCH, BITTE

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