Verfasst von: markusgaertner | März 15, 2010

Miss Forex-Universum

Der Loonie ist die neue Diva auf dem

Währungs-Laufsteg

Vancouver, 16. März 2010

Man soll vorsichtig sein, wenn man das eigene Gastland preist, aber der Kanada-Dollar lässt mir keine andere Wahl. Der „Loonie“, wie die Währung wegen des enten-ähnlichen Loon-Vogels auf der Dollarmünze im Ahornland genannt wird, hebt seit

Wochen selbst ohne die Unterstützung der Rohstoffpreise weiter ab und stürmt in Richtung Parität zum Greenback.

Normalerweise bewegt sich der Loonie in enger Korrelation mit den Rohstoff-Indices, weil das Land ein wichtiger Energie- und Metallexporteur ist (größter Öllieferant der USA) und die repatriierten US-Dollar-Umsätze vom Weltmarkt zuhause in den Kanada-Dollar zurück getauscht werden, was dessen Wechselkurs treibt (siehe Grafik). 

Der Höhenflug der Währung ist für diesen global orientierten Wirtschafts-Blog nicht nur eine simple Nachricht.

Der Höhenflug des Kanada-Dollars ist auch ein frühes Zeichen dafür, dass Anleger – neben anderen attraktiven Ländern – in den kommenden Jahren in Nordamerika oberhalb des 49. Breitengrades ziemlich gut aufgehoben sein werden.

Gerade im direkten Vergleich zum südlichen Nachbarn USA (südlich des 49.) – wo der Kollaps des Immobilienmarktes, das Desaster der Bankenbranche und das galoppie-rende Staatsdefizit zu riesigen Verwüstungen bei Anlegern, am Arbeitsmarkt, in Pensionskassen, bei Mittelständlern und in den öffentlichen Budgets geführt haben (habe ich etwas vergessen ?) – fallen Kanadas aktuelle Stärken besonders auf:

Die öffentlichen Schulden steigen zwar auch hier rasant, bleiben aber gut beherrsch-bar; die Banken sind eher solide, der Immobilienmarkt stürmt neuen Hochs entgegen, und die Wirtschaft hat längst wieder begonnen, neue Jobs zu schaffen.

Die Zahlen sind wirklich beeindruckend: Verlor Kanada im Zuge der Krise 2008 und 2009 rund 280.000 Jobs – etwa 1,6% aller Arbeitsplätze – so waren es in den USA 8,4 Millionen, rund 6,1% aller Arbeitsplätze. Die Arbeitslosigkeit soll von 8,3% in 2009 auf 6,6% bis 2014 zurückgehen.

Kanada, dessen Staatsdefizit auf dem Höhepunkt 1994 mit über 70% des BIP nur von Italien übertroffen wurde, konnte seinen Schuldenanteil bis zum Ausbruch der Krise auf 29% zurückführen, der niedrigste Stand in 29 Jahren.

Zwar schnellte das Budgetdefizit im laufenden Haushalt auf 53,8 Mrd Kanada-Dollar nach oben (38,5 Mrd. €). Doch der Finanzminister, Jim Flaherty, hat vorige Woche bei der Vorlage des neuen Staatshaushaltes das Einfrieren großer Einzelbudgets wie Ver-teidigung bekannt gegeben und die Gehälter der Parlamentarier gedeckelt.

Bis 2014 soll der Anteil der Staatsschulden am BIP – nach einem Gipfel bei 35,4% im kommenden Finanzjahr – wieder 29% erreichen, der niedrigste Wert in der G7. Nicht schlecht gegen 67% in den USA, 75% in Großbritannien, oder 115% in Japan. Der Anteil des aktuellen Haushaltsdefizits am BIP soll in dieser Zeit von 4% auf 2% sinken.

Möglich ist das, weil die Wirtschaft im Ahornland im 4. Quartal schon wieder um 5% wuchs. Und das, obwohl der industrielle Sektor, der seinen Schwerpunkt in der bevölkerungsreichsten Provinz Ontario hat, schwer unter dem starken Loonie leidet. Ontario produziert etwa die Hälfte von Kanadas Bruttoinlandsprodukt.

Seit 2004 wurden dort mehr PKW gefertigt als in Michigan rund um die siechende US-Autohochburg Detroit. Viele in Europa wissen das gar nicht. 

Die Stärken des Kanada-Dollars aus US-amerikanischer Sicht:

Doch nicht nur gute Wachstumsperspektiven und der direkte Vergleich mit dem Nach-barn USA fallen derzeit schmeichelhaft für Kanada aus. Das Weltwirtschaftsforum hat die Banken im Ahornland in den vergangenen zwei Jahren zu den solidesten weltweit ernannt.

Mehr noch: Weil die Wirtschaft zwischen Halifax und Vancouver sich rasant erholt, erwarten viele Analysten, dass die Bank of Canada die Zinsen vor der Fed anhebt, eventuell sogar mehrere Quartale früher. Das vergrößert den Vorsprung des Loonie aus Sicht der Anleger noch.

Die Investmentbank CIBC World Markets in Toronto sagt dem Loonie bis September das Erreichen und Überschreiten der Parität zum Greenback vorher. Schon jetzt hat der Kanada-Dollar ein 20-Monatshoch erreicht.

Was Fondsmanagern wie privaten Anlegern und Investoren im Falle Kanadas ebenfalls zusagt, ist die Tatsache, dass Regierung und Notenbank trotz der Schleifspuren, die der Loonie in der lokalen Industrie hinterlässt, nicht aufgeregt wirken.   

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