Verfasst von: markusgaertner | März 14, 2010

„Nicht mehr zu reparieren“

Europa steht ein massiver Zins-Schock ins Haus

Vancouver, 15. März 2010

Sie jagen neuem Kapital hinterher wie Junkies dem Stoff.

Europas Zentralregierungen werden im laufenden Jahr einer neuen Prognose von Standard & Poor´s zufolge 1.446 Mrd. Euro an den Kapitalmärkten aufnehmen. Ein neuer Rekord, heißt es in dem brisanten Papier. Das Resultat könnte ein deutlicher Zinsanstieg sein, wie wir ihn im Falle der „PIGS“, vor allem Griechenlands, bereits gesehen

haben.

Der führende globale Bond-Investor, PIMCO, sagt in diesem Zusammenhang bereits eine „Explosion der Staatsverschuldung“ vorher.

„Unser Eindruck ist, dass die Tragweite des Defizit-Schocks in den führenden Volks-wirtschaften noch nicht ganz verstanden und ihrer Brisanz entsprechend gesehen wird“, sagte in der vorigen Woche PIMCO-CEO Mohamed El-Erian

Marc Faber hat den USA schon prognostiziert, ihre Schuldensituation sei „beyond repair“ (siehe Video).

Das Papier von S&P – das „Global Credit Portal“ vom 9. März 2010 – warnt vor einer immensen Zusatzbelastung der europäischen Staatshaushalte, falls ein Anstieg der Zinsen um 300 Basispunkte kommt.

Ein solcher Zinsschock würde bis zum Jahr 2015 jedes Jahr die zusätzlichen Zins-kosten vieler europäischer Schuldnerländer deutlich erhöhen – im Falle Griechenlands um 3,9% des BIP, in Portugal 2,6%, in Großbritannien und Italien jeweils um 2,5% pro Jahr und in Deutschland immerhin um 1,2% pro Jahr.

Das mag nicht nach sehr viel klingen, ist es aber, denn es geht lediglich um die zu-sätzlichen Belastungen aus der kommenden Zinserhöhung.

Und die steht so sicher ins Haus wie das Amen in der Kirche. Denn auf dem Alten Kon-tinent steigen nicht nur die Budgetdefizite. Auch bestehende Schulden müssen im lau-fenden Jahr in großem Umfang refinanziert werden.

Laut S&P wird dieses „Debt-rollover“ im Falle von Belgien und Italien 20% des BIP überschreiten. In Irland und Portugal soll die Rate größer als 15% ausfallen, in Frankreich, der Türkei, Island und den Niederlanden gefährlich nahe an die 15% heranreichen ! Dagegen nimmt sich die „rollover-Rate“ für Griechenland mit 13% fast moderat aus. 

Bezeichnend auch hier ein Vergleich mit den Vorjahren: 2008 hatten nur neun Zentral-regierungen in dem von S&P beobachteten Bereich von Europa eine „rollover-Rate“ von mehr als 10% des BIP, im laufenden Jahr werden es schon 16 sein.

Mehr noch: In zahlreichen Ländern sollen die Staatsdefizite neue Höhepunkte erreichen, 12,9% in Großbritannien, 11,7% in Irland, 10,1% in Griechenland, 8,6% in Frankreich.

Die Nettoausgabe von mittel- und langfristigen Schulden (Anleihen) soll demnach in 2010 um ein Viertel auf 487 Mrd. Euro ansteigen. 2007 waren das noch 132 Mrd. gewesen, die Netto-Aufnahme am Kapitalmarkt hat sich also in nur drei Jahren vervierfacht.

Auf der Zinsseite wird also erheblich Druck nach oben entstehen: Erstens weil die Ver-schuldung in Problemländern wie Griechenland für steigende Nervosität sorgt, zwei-tens weil die Ausgabe neuer Anleihen zunimmt, drittens weil die Notenbanken beginnen, etwas vom Gaspedal zu gehen.

Die Schwankungsbreite von 300 Basispunkten, die S&P als Szenario für einen mög-lichen Zinsschock angenommen hat, ist längst nicht so außerordentlich, wie sie klingt. 2009 schwankte die Rendite für die 10jährige US-Staatsanleihe zwischen 2,23% und 3,98%, hatte also einen Ausschlag von maximal 175 Basispunkten.

Sollte der von S&P für 2010 als möglich angenommene Zinsschock eintreten und anhalten, dann können auf die einzelnen Länder in Europa heftige zusätzliche Zinslasten jedes Jahr hinzukommen. Bis 2015 pro Jahr 3,9% des BIP in Griechenland und über 2% vom BIP des Jahres 2010 in Belgien, Frankreich, Irland, Italien, Portugal und Großbritannien.

Wohlgemerkt, das sind Zusatzbelastungen für Staaten, die ohnehin damit kämpfen wieder in die Nähe der Maastricht-Grenze zu kommen oder sie irgendwie auch nur annähernd einzuhalten.  


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