Verfasst von: markusgaertner | März 11, 2010

Drache mit Überschall

Der Heizer in Chinas Lok glüht schon

Vancouver, 12. März 2010 

Chinas Führung konnte sich für den Nationalen Volkskongress in Peking keine bessere konjunkturelle Begleitmusik wünschen: Die Industrieproduktion wächst im Januar und Februar zum Vorjahr

erstmals schneller als 20%.

Der Umsatz im Einzelhandel nimmt um knapp 18% zu, ein Beweis dass die Inlands-nachfrage den Ausfuhren langsam als zweiter Treibriemen der Turbo-Konjunktur besipringen kann. Die Exporte legten im Februar auf Jahresbasis um satte 46% zu

Mehr noch: Die Anlageinvestitionen steigen um mehr als 26%, die Immobilien-Investitionen gar um 31%. Wenn man sich die brummende chinesische Lokomotive bildlich vorstellt, hat man einen Heizer vor Augen, dem schon Dämpfe aus den heißen Klamotten entweichen.

Die Expansion der Kreditmenge verlangsamte sich zwar erkennbar, doch mit einem Zuwachs von 27% liegt sie immer noch über der Trendlinie der vergangenen Jahre (siehe Grafik).

Natürlich erzeugt – um im Bilde zu bleiben – diese Expressfahrt einigen Druck im System. Der sichtbarste Beweis dafür sind die im Süden der Volksrepublik knapp gewordenen Arbeiter (siehe Video). Als die Nachricht vor zwei Wochen kam, wollte ich sie zuerst nicht glauben.

Doch sie macht Sinn und sie beweist wie schnell dieses Land – und wie flexibel auch – auf veränderte Bedingungen reagiert. Nachdem die Exporte im Frühjahr 2009 so rasant einbrachen, gingen rund 20 Millionen Wanderarbeiter aus den Ballungsgebieten an der Küste in ihre Heimatprovinzen im bäuerlichen Hinterland zurück.

So massiv und so schnell war diese Wanderung – die jeden vierten Deutschen erfasst hätte – dass schon nach ein paar Monaten die großen Städte an der Küste regelrecht entleert waren, was die Billiglöhner angeht.

An allen Bahnhöfen in Chinas Großstädten wimmelt es nur so von Wanderarbeitern / Remko Tanis, Flickr

Weil die Reformen und das Wachstum auch ins Landesinnere kriechen und Peking das Hinterland gezielt fördert und Jobs schafft, können sich jetzt ungezählte Wanderar-beiter zuhause, in der Nähe ihrer Geburtsortes, einen akzeptablen Job suchen, der auch nicht schlecht bezahlt wird.

Die Folge dieser riesigen Umwälzpumpe für ein bei uns unvorstellbar großes Arbeiter-heer ist, dass umgehend die Löhne klettern und die Inflation anspringt. Mit 2,7% hat der Consumer Price Index noch keine alarmierende Höhe erreicht, doch der Druck auf die Preise ist kaum zu übersehen.

Die Einkommen der Bauern in China steigen ohnehin, weil Peking die Subventionen für die Landwirtschaft ausdehnt und die Bildung einiger Preise liberalisiert.

Vom Tempo der Teuerung wird es abhängen, wie stark Chinas Führung geldpolitisch und fiskalisch die Zügel anzieht. In dieser Woche wurden die Auflagen für Landver-käufe weiter verschärft, um die Spekulation im Immobiliensektor einzugrenzen. Die geforderte Anzahlung der Käufer wurde von 20-30% auf 50% erhöht.

Die Immobilienverkäufe nahmen zuletzt um 38% zu, die Preise in den 70 größten Städten der Volksrepublik liegen nun nach Angaben des Chinaökonomen Tao Wang bei der UBS in Peking mindestens 10% über ihrem Höchstwert von 2007.

Kein Wunder, dass an den Rohstoffmärkten eitel Sonnenschein herrscht und unge-achtet der fragilen Erholung in den USA und den schwachen Konjunkturzahlen aus Europa der Preisauftrieb anhält. Das Öl bei 82 Dollar je Barrel ist der beste Beweis.

Chinas Importe nahmen im Februar um 44,7% zu. So konnte selbst die Dollarerho-lung der jüngsten Zeit die Rohstoffnotierungen nicht wie gewohnt unter Druck setzen. Chinas Importe von Kupfer, Eisenerz und Rohöl nahmen in den vergangenen 12 Monaten zwischen 20 und 70% zu.

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