Verfasst von: markusgaertner | März 8, 2010

Zeitbombe Immobilien-Finanzierung

Die Problem-Immobilien sind nirgends

auch nur annähernd abgearbeitet

Vancouver, 8. März 2010  

Die US-Einlagensicherung FDIC hat am Montag bekannt gegeben, dass sie öffentliche Pensionsfonds überzeugen will, sich an insolventen oder von Insolvenz bedrohten Banken zu beteiligen, diese vielleicht ganz zu übernehmen. Der Vorstoß zielt auf die 2.000 Milliarden Dollar Anlagevermögen unter der Kontrolle dieser Fonds. Die FDIC-Initiative zeigt, wie ernst die Lage

bei den von Hypothekenausfällen bedrohten Gewerbeimmobilien inzwischen ist. Im vergangenen Jahr musste die FDIC 140 Banken aus dem Verkehr ziehen. Im laufenden Jahr waren es bereits 26, womit die Gesamtzahl des Jahres 2008 schon übertroffen ist.   

Mortgage / Aaron, Flickr

Über 700 US-Banken gelten als „problem banks„, das ist die höchste Zahl seit 1993. Immobilienkredite im Umfang von etwa 1.400 Milliarden Dollar stehen im Feuer.  

Das Congressional Oversight Panel – der Wachhund für das 700-Mrd.-Dollar Rettungspaket der Obama-Administration für die US-Konjunktur – warnte Mitte Februar, eine Welle von Insolvenzen im gewerblichen Immobiliensektor könne in den kommenden Jahren das Bankensystem ins Wanken bringen.   

Die Harvard-Professorin Elizabeth Warren, die dem Kontrollausschuss vorsitzt (siehe Video) warnt, dass fast 3.000 kleine „community banks“ ihr Kreditportfolio sehr stark auf den Immobilienbereich ausgerichtet haben und daher einem relativ hohen Risiko ausgesetzt sind.  

Warrens Feststellung bedeutet, dass 38% des gesamten Bankensystems – gemessen an der Zahl der Banken, nicht der Bilanzsumme – mit ihren Ausleihungen stark dem Immobilienmarkt ausgeliefert sind.   

Dem Ausschuss zufolge drohen Kreditausfälle von bis zu 300 Milliarden Dollar.  

Quelle: Real Capital Analytics – http://tinyurl.com/ygtm2ro  –  die Abkürzung „Props“ über der mittleren Spalte steht für Properties. Gemeint ist die Zahl der betroffenen Immobilienobjekte.  

 

Ein Blick auf die Statistik der sogenannten „Troubled Assets“, Immobilien die bereits im Zwangsversteigerungsprozess sind oder modifiziert wurden, zeigt, wie wenig das riesige Problem bisher abgearbeitet worden ist.

Gemessen an der gesamten Summe, die derzeit bei Wackelobjekten weltweit als fraglich gilt – laut dem Immobilien-Broker Real Capital Analytics 291 Mrd. Dollar – wurden erst weniger als 13% aus dem Feuer geholt und finanziell gesichert. 

Quelle: Real Capital Analytics – http://tinyurl.com/ygtm2ro  

 

In den USA – deren Anteil an den weltweit 291 Mrd. Dollar Wackel-Immobilien satte 215 Mrd. beträgt, wurden 13,9% wieder auf eine solide Grundlage gestellt. In Grobritannien liegt diese Rate laut der Webseite von Real Capital Analytics jetzt bei 15,1%, in Spanien bei 2,7%, in Deutschland bei 8,3%. 

Cogdogblog, Flickr

Man kann nur ahnen, was da noch auf die Banken zukommt, wenn so wenig von den Hausaufgaben gemacht wurde und die Konjunktur noch einmal abtauchen sollte.  

Im schlimmsten Fall ist diese Befürchtung der Hauptgrund für den Vorstoß der FDIC, die Pensionsfonds zu einer finanziellen Beteiligung an den angeschlagenen Banken zu drängen.  

Quelle: Real Capital Analytics – http://tinyurl.com/ygtm2ro  

 

Der Hinweis, bei einer Einladung von Finanzinvestoren würden neue Risiken durch die Finanzierung aufgebaut, klingt in diesem Zusammenhang äußerst fadenscheinig. Möglicherweise legt die FDIC trotz der schockierenden Zahlen noch nicht alle Karten auf den Tisch, was sie in zähen Verhandlungen mit den Finanzinvestoren tun müsste. 

Quelle: Real Capital Analytics – http://tinyurl.com/ygtm2ro  

  

Staatliche Pensionsfonds schauen zwar bei ihren Engagements ebenso genau hin wie Finanzinvestoren, doch auf dem kleinen Dienstweg ließe sich so manches kritische Detail und der ein oder andere brisante Streitpunkt flexibler lösen.  

Eine schlimme Vermutung, ich weiß, aber nach den vergangenen Monaten hat das Misstrauen nicht abgenommen….     

  

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