Verfasst von: markusgaertner | März 5, 2010

Es lebe der Kapitalismus

Die wunderschöne Welt der (US)Arbeitgeber

Vancouver, 5. März 2010

Die Abgesänge auf die kapitalistische Wirtschaft nehmen zu: Mehr staatliche Einmischung in der Krise, direkte öffentliche Beteiligung an großen Unternehmen (GM, Citigroup), zunehmende Regulierung der Finanzmärkte, Fed und

Fannie Mae als dominante Kräfte am Hypothekenmarkt, und vieles mehr.

Richtig, das freie Spiel der Kräfte am Markt – Angebot und Nachfrage – ist vorübergehend stark eingeschränkt. Das ist beklagenswert, wenn auch zumindest teilweise nachvollziehbar.

Doch ein Blick auf die jüngsten Statistiken der US-Notenbank verrät: Arbeitgeber hatten es in Bezug auf die Beschäftigung schon seit 100 Jahren nicht mehr so schön wie im Augenblick.

Zweifel ?, Unsinn ? – dann folgend Sie mir einfach durch die Fed-Grafiken, die sich auf den Arbeitsmarkt beziehen:

Erstens, die Arbeitslosenquote blieb in den USA im Februar bei einem Abbau von weiteren 36.000 Jobs unverändert bei 9,7%. Die Zahl der Arbeitslosen bleibt bei 14,9 Millionen, von Aufschwung keine Spur !

Zweitens, die Dauer der Arbeitslosigkeit nimmt drastisch zu. Zwei von fünf Arbeitslosen sind seit mindestens sechs Monaten ohne Job, eine Rate, die in vorangegangenen Rezessionen nicht annähernd so hoch war. Vor allem im Dienstleistungssektor besteht die Gefahr, den Job dauerhaft zu verlieren.

Drittens, der Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung nimmt rasant ab. Das Wachstum, das benötigt wird, um diesen Trend umzukehren, ist enorm. Sechs Monate Erholung von der scheren Finanz- und Konjunkturkrise, und die USA verlieren immer noch Jobs. Gemessen am Prozentsatz der Jobs, die verloren gingen, ist diese Krise drei Mal so schlimm wie zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts. Das ist ein verheerendes Zeichen.

Mit derart verängstigten Beschäftigten lässt sich prima produzieren. Den nur noch 80% der 25-54jährigen, die froh genug sein können jetzt noch einen Job haben, lässt sich viel mehr abverlangen. Die Produktivität im vierten Quartal schoss um 6,9% nach oben. Das heißt, dass man 6,9% weniger Leute braucht, um genauso viel zu fertigen. 

Fünftens, bei hoher Arbeitslosigkeit und einer viel zu geringen Zahl neuer Jobs entsteht ordentlich Druck auf die Löhne. Gehälter, Aufschläge und Ausgleichs-zahlungen sind in einem deutlichen Abwärtstrend. Millionen von Amerikanern arbeiten nun für weniger Zuschläge und Extras als ihnen die Arbeitgeber seit Mitte des 19. Jahrhunderts zahlen mussten. Yeah, Capitalism !, wie gut dass es ordentliche Krisen gibt. 

Sechstens, die Lohnstückkosten fallen wie Steine vom Himmel. Der Rückgang betrug in den USA im vierten Quartal 5,9% ! Das mag nach Deflation riechen wie es will, doch wenn man Leute beschäftigt, ist das die beste aller Welten.

So sieht das nochmal in längerfristiger Perspektive aus, ein Anblick, der für Arbeitgeber seit den 80er Jahren nicht mehr so schön war.

Wie gesagt, für die Firmen, besonders solche in arbeitsintensiven Industrien, sind das gute Nachrichten. Doch für ein Land, in dem der private Konsum 70% des BIP ausmacht, sind das verheerende Entwicklungen.


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