Verfasst von: markusgaertner | Februar 27, 2010

Überleben als KMU

US-Mittelstand im Härtetest

Vancouver, 28. Februar 2010

Normalsterbliche Flugpassagiere werden diese Bilder nie zu Gesicht bekommen, und vielleicht ist das auch gut so: Wenn die Airlines ihre neuen Jetmodelle den üblichen Härtetests aussetzen, ziehen sie unter anderem die Tragflächen am äußeren Ende meterweit nach oben. Simuliert wird dabei extreme Turbulenz in einem heftigen Sturm. Allein der Anblick könnte eine Ohmacht bewirken oder die

Flugangst für immer vertreiben, je nachdem, welche Schlussfolgerung aus dem Anblick gezogen wird.

Der Mittelstand in Europa muss sich derzeit genau wie eine dieser verbogenen Tragflächen vorkommen. Die Mittelständler sind die Arbeitstiere der Volkswirtschaften und ihr Erfolg – in den meisten Fällen zumindest – lässt die Konjunktur erst abheben.

Doch die Weltwirtschaft durchfliegt eine Zone heftiger Turbulenzen. Der Mittelstand als Tragfläche erlebt dabei zwar keine Blitzeinschläge, Luftlöcher oder Schüttelattacken, sondern Kreditinfarkte, kollabierende Kunden, insolvente Zulieferer und sparende Auftraggeber.

Was sich dabei genau in den Firmen abspielt, bleibt zumeist weitgehend der Phantasie überlassen. Nur wenige gute Studien und Umfragen illustrieren anschaulich, was kleinen und mittleren Firmen in diesen Monaten wirklich widerfährt.

Eine dieser Studien ist der „December 2009 Survey of Small Business Success„, den Network Solutions und die Robert H. Smith School of Business an der University of Maryland erarbeitet haben. In drei Wellen mit jeweils sechs Monaten Abstand haben die beiden Partner Tausende von Mittelständlern in den USA ausgiebig befragt, das letzte Mal im Dezember 2009.

Daraus ist ein sehr interessanter Bericht entstanden, der im Detail beschreibt, wie die Rezession den Mittelstand erfasst und belastet, aber auch wie die Firmen darauf reagieren.

Wichtigste Feststellung in dem Papier: Trotz rigoroser Spar- und Effizienzmaßnahmen wurde die Innovationsfähigkeit des Mittelstands nicht stark beeinträchtigt:

„The most successful small businesses are competing by offering superior service and creativity, and small businesses are rapidly embracing social media as a way of keeping them engaged with customers and tapping knowledge resources. The year ahead will be critical in determining the success of small business, and there is cautious optimism that the economic environment will improve.“
 
Verrückte Bestimmungen, die den Mittelstand ausbremsen, gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, wie hier im Falle von Dallas:
 
 
 
In den USA stellt der Mittelstand jeden dritten Arbeitsplatz. Das Stimmungsbarometer, das in der Studie erstellt wurde, heißt Small Business Success Index und liegt auf einer Skala von Null bis hundert derzeit bei 75, was befriedigend ist.

Während das keine Veränderung in den vergangenen 12 Monaten darstellt, melden doch einige der kleinen und mittleren Firmen, dass sie in der Krise mehr Hilfe von ihren Kunden bekommen.

Doch Referenzen von existierenden Kunden allein bringen nicht allzu viel, wenn es einem Unternehmen nicht gelingt, sich von der Konkurrenz positiv abzuheben. Und daran scheint es doch in einigen Fällen zu hapern. Die Befragung erbrachte in diesem Punkt, dass 78% der KMU versuchen, sich durch den Kundendienst zu differenzieren, 76% arbeiten an der Verbesserung der Produkt- und Service-Qualität. Mit 65% setzen knapp zwei Drittel auf kreative Ideen, um Kundenwünsche zu erfüllen.

Kreativität, so die Herausgeber der Studie, sei eine Erfolgsstrategie, um sich von Wettbewerbern abzuheben.

Und hier kommt der erste konkrete und brauchbare Hinweis (siehe Gapa News-Grafik am Ende des Berichts): 68% geben als wichtigste Quelle für neue Produkt- und Service-Ideen ihre Kunden an, 52% suchen Eingebungen in Newslettern und Fachmagazinen.

Fast eine von fünf Firmen nutzt aktiv soziale Plattformen im Internet als Teil ihres Geschäfts.

Der vielleicht interessanteste Punkt in dem Papier ist die Auflistung der positiven Effekte, die die Rezession auf viele Mittelständler in Amerika hatte. 72% geben an, ihr operatives Geschäft effizienter gestaltet zu haben. 47% haben neue Produkte und Dienste für ihre Kunden entwickelt, 43% sehen ihre Belegschaft jetzt als besseres Team.

Doch laut den Autoren des Mittelstands-Barometers gibt es derzeit „mehr Pessimismus als Optimismus über die weitere konjunkturelle Entwicklung“. 36% der Firmen erwarten in den nächsten 12 Monaten eine Verbesserung. Jedes dritte Unternehmen hat von 2008 auf 2009 Umsatz eingebüßt, lediglich 24% haben einen höheren Umsatz erzielt.

Im Juni 2009 gaben 56% an, im jüngsten Geschäftsjahr einen Gewinn erzielt zu haben. Aber Ende 2009 erwarteten nur noch 47% einen Gewinn für das neue Finanzjahr Jahr.

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