Verfasst von: markusgaertner | Februar 26, 2010

Europa droht ein Double-Dip

Enttäuschende Zahlen aus                                      

Frankreich und Deutschland verunsichern

Vancouver, 26. Februar 2010

Für Naschkatzen hat der Begriff Double Dip eine wesentlich positivere Bedeutung als für die Ökonomen. Bei Brausepulver, Schokolade, Gebäck und süßen Drinks ist das zweimalige Eintauchen gemeint, der doppelte Genuss der zarten Versuchung. Frei nach dem Motto, eine Sünde kann auch zwei

Mal süß sein.

Bei den Analysten gehört der Begriff eher ins Gruselkabinett der hartnäckigen Rezessionen, die – nachdem besiegt – ihren hässlichen Kopf noch einmal herausstrecken.

Double Dip für Naschkatzen / colm bracken, Flickr

Die zunehmend positiven Konjunkturmeldungen im zweiten Halbjahr 2009 hatten die meisten Double-Dip-Propheten so verunsichert, dass der Begriff immer weniger bei Google auftauchte. Doch nicht nur in den USA – nach herben Einbrüchen in dieser Woche beim Konsumentenvertrauen und bei den Hausverkäufen – sondern auch in Europa dürfte der Begriff jetzt wieder öfter in den Schlagzeilen auftauchen.

Frankreichs private Haushalte konsumierten im Januar 2,7% weniger. In Deutschland erlitt der Geschäftsklimaindex des ifo-Instituts erstmals nach zehn Monaten Anstieg im Februar einen Rückgang. Und auch in Italien leidet das Konsumentenvertrauen.

Mervyn King, der Gouverneur der Bank of England, wird mit der Einschätzung zitiert, „Europas Erholung scheint zu stocken“.

Der Telegraph in Großbritannien, kein Anhänger seichter Worte für deftige Umstände, schreibt bereits von einem „Blizzard“, einem heftigen Schneesturm mieser Konjunk-turdaten aus Frankreich, Deutschland und Italien.

Das Problem ist nach Auffassung des britischen Notenbankchefs, dass die Überschussländer auf diesem Planeten nicht genügend Schwung in die Weltwirtschaft bringen, um die kontraktive Wirkung der Sparmaßnahmen von Defizitstaaten wie Großbritannien, den USA und Spanien auszugleichen. Nicht wenige fürchten als Folge drastischer Haushaltseinschnitte eine zweite Große Depression

Große Volkswirtschaften in Europa, wie Deutschland, brauchen den Export als Treibriemen, um sich aus der Rezession zu befreien.

Einige Analysten und Konjunkturforscher sehen Europa mangels eigener Dynamik nun abhängig von der Erholung anderswo, zum Beispiel in Asien. „Das ist eine prekäre Situation“, sagt Julian Callow bei Barclays Capital, „die Dinge müssen im Rest der Welt gut laufen, damit Europa eine doppelte Rezession vermeiden kann“.

Die gute Konsumenten-Fee / petesimon, Flickr

Die sich ausweitenden Streiks in Ländern, die den Gürtel nun wegen ihrer Haus-haltsdefizite deutlich enger schnallen – darunter Griechenland, Spanien und Großbritannien – helfen in dieser Situation nicht. Doch Verteilungskämpfe werden wohl in den nächsten Monaten in Europa zunehmen und auf der jungen Erholung lasten, ähnlich wie die anhaltende Kreditkrise und bald auch steigende Zinsen.

Dabei darf man nicht außer acht lassen, dass der Euro trotz des jüngsten Einbruchs noch relativ hoch bewertet ist und die Exportwirtschaft nicht gerade fördert.

In der nächsten Zeit dürften vor allem steigende Arbeitslosigkeit, auslaufende Konjunkturprogramme, fiskalische Konsolidierung und die Schuldenkrise auf der Konjunktur lasten. In den vergangenen Wochen haben auch heftige Wintereinbrüche ihren Teil dazu beigetragen, den Gegenwind zu verstärken…

“Es wäre etwas verfrüht, schon von einem Ende der Erholung zu sprechen“, sagt Jürgen Michels, der Chefvolkswirt für die Eurozone bei der Citigroup in London, “aber wir beginnen das Jahr 2010 gedämpft und die Wachstumsprognosen werden schwerer zu erreichen sein.”

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