Verfasst von: markusgaertner | Februar 17, 2010

6.800 Burj Khalifas

China wird globaler Immobilien-Hotspot                        

– Droht eine Kernschmelze ?

Vancouver, 18. Februar 2010

Ich habe an dieser Stelle sehr viel über China geschrieben. Aber das Land, in dem ich sechs Jahre gelebt habe, liefert immer neuen Stoff zum Staunen. Bei einem meiner regelmäßigen Besuche auf der Webseite des auf Immobilien spezialisierten Research-Unternehmens Real Capital Analytics habe ich

diese Woche zum Spaß in das schöne Analyse-Tool einen Suchauftrag eingegeben: Ich wollte die aktivsten Immobilienstandorte auf der Welt in den vergangenen 12 Monaten, für alle Segmente des Marktes, verglichen nach dem Transaktionsvolumen.

 

Was dabei herauskam, hat auch mir die Sprache verschlagen: Acht der zehn aktivsten Standorte auf der Welt sind in Asien, sechs davon in China. Städte, die in Europa kaum jemand kennt, rangieren dabei vor Paris, so wie Suzhou und Hangzhou. Beide sind aber Millionenstädte, in die Berlin drei bis fünf Mal hineinpassen würde, und sie liegen in unmittelbarer Nachbarschaft von Shanghai, Chinas Finanzmetropole.

Shanghai_Bauboom / Jakob Montrasio, Flickr

Jeder dritte Dollar in den zehn führenden Immobilienmärkten der Welt wird derzeit in Peking und Shanghai umgedreht. Das Transaktionsvolumen in Shanghai ist seit Januar 2009 mit 26,5 Mrd. Dollar 50% größer gewesen als in Tokyo. Und das, obwohl Tokyo – wie mir deutsche Investmentbanker sagen – ein größerer Immobilienmarkt ist als London und Manhattan zusammen.

London, das führende Finanzzentrum Europas, landet in diesem Vergleich hinter den beiden chinesischen Städten. So haben sich die Gewichte verlagert, und die Dynamik vor allem.

Ein schönes Beispiel, wie führende Immobilienanalysten und -investoren derzeit ihr eigenes Property-Universum sehen, sind zwei neue Marktberichte von Cushman Wakefield einem der Top Immobilien-Serviceunternehmen auf der Welt.

Der Cushman Wakefield-Bericht "Asia Economic Pulse"

Cushman schreibt in seinem Ausblick für 2010 in der Februarausgabe des „Economic Pulse“ über den US-Markt, die Erholung würde sich trotz der stabilisierenden US-Konjunktur noch verzögern und die Leerstände in den meisten US-Städten würden in diesem Jahr weiter steigen: 

„This economic backdrop should lead to a lessening of the pressure on the national real estate market in 2010. Full recovery, on a national basis, will be delayed, as it always is due to the long-term nature of the transactions in the industry. acancy is likely to rise in most cities during 2010, even as employment increases. Overall, however, we expect the lag to be much shorter in the 2010 recovery than in past cycles. The lack of significant speculative construction in most markets means that there is not the large supply overhang that typically delays recovery.“ 

 Eine spürbar verhaltene Marktprognose.

Ganz anders liest sich vom gleichen Unternehmen die Marktanalyse „Asia Economic Pulse„. Dort wird gleich zum Einstieg darauf verwiesen, dass die Volkswirtschaften Asiens im laufenden Jahr doppelt so schnell wachsen sollen wie die europäischen und amerikanischen. Mehr noch: Wenn man in Asien Japan herauslasse, komme der Rest der Region gar auf 8% BIP-Zuwachs. Schlussfolgerung:

 „For the most part, our outlook is strongly positive. Hence we are anticipating the resumption of strong demand for commercial space to occur. We are particularly bullish about the prospects in the cities below (Table 1) where a combination of improving sentiment and businesses going back onto the expansion path will bring cheer to the commercial landlords in those cities. Even in cities where a large amount of incoming supply is taking place, we are anticipating that with the sharp drop in rentals that happened in 2009, most of the cities would be entering into a bottoming phase in terms of rents in 2010.“

Die in dem Zitat nicht genannten Städte, denen Cushman die größten Zuwächse vorhersagt, sind der Reihenfolge nach Neu Delhi, Mumbai, Bangalore, Peking, Shanghai und Hong Kong. Interessant, dass hier drei indische Städte vor den beiden chinesischen Immobilien-Superstars genannt werden !  

Auch für Investoren sieht Cushman 2010 ein gutes Jahr vorher:

„2010 is also shaping up to be a strong year for real estate investment. With demand from real estate end users returning, we think investors in core real estate assets will start to aggressively explore opportunities to deploy their funds. This demand will be underpinned by the supportive monetary policy that most Asia-Pacific economies will adopt for the most of 2010. Real estate, being a preferred investment class in the region, is likely to see renewed interest from investors as they seek to shift more money away from lower yielding cash-like instruments. We believe this would create the conditions for asset-price inflation, particularly as they come against a backdrop of a strongly performing economy.“

 

Lahmer Westen, boomender Osten also ? Ganz so einfach ist es natürlich nicht.

 

 

Die Warnungen vor einer ernsthaften Überhitzung des chinesischen Marktes nehmen seit Wochen deutlich zu. Wir hatten in diesem Blog auch mehrfach dieses Thema aufgegriffen. Bekanntlich haben Chinas Banken im Januar mit 1,39 Billionen Yuan (etwa 140 Mrd. Euro) so viel Geld ausgeliehen wie in den drei Monaten zuvor. Und die waren auch schon durch massives Wachstum gegenüber dem Vorjahr gekennzeichnet.

Ich will nicht alle Zahlen der vorausgegangenen Blogeinträge wiederholen. Aber zwei heraus stechende Warnungen der vergangenen Tage seien hier erwähnt. 

Die eine stammt von Jack Rodman, dem Präsidenten von Global Distressed Solutions, der seit acht Jahren als Investmentberater in Peking lebt und auf seinem Computer akribisch eine Slideshow leerstehender Bürogebäude in Chinas Hauptstadt Peking angelegt hat. Rodman, der vor allem Hedgefonds über Chinas Immobilienmarkt berät,  schätzt, dass die Hälfte von Pekings gewerblichen Immobilien leersteht. 

Das entspricht einer Fläche, wie sie 2009 in den fünf größten Büromärkten Deutschlands vermietet wurde. In Rodmans Zahlen noch gar nicht enthalten sind weitere Gebäude, die jetzt auf den Markt kommen, wie der massive dritte Turm des China World Centers. 

Burj Khalifa / Joi, Flickr

Die zweite eindringliche Warnung stammt von James Chanos, der Gründer der Kynikos Associates in New York. Chanos wird mit dem Kommentar zitiert, Chinas Immobilienmarkt entspreche 1.000 Mal Dubai.

In dem Emirat am Persischen Golf sind die Preise seit dem Höhepunkt 2008 um rund 50% gefallen, während das lange frenetisch gefeierte Wüsten-Mekka unter einer Last von 80 Mrd. Dollar Schulden fast erdrückt wird.

Chanos zufolge entsprach die Ende November in China im Bau befindliche gewerbliche Immobilienfläche 6.800 Exemplaren des Burj Khalifa, oder auch Burj Dubai, dem höchsten Haus der Welt. 

 


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