Verfasst von: markusgaertner | Februar 11, 2010

Rally Peking

China überholt sich (wieder mal) selbst                               

Vancouver, 12. Februar 2010
 
 
Wie oft haben wir das in den vergangenen Jahren gehört: China mit dicken zweistelligen Zuwachsraten, manches Mal sogar mit einer Verdoppelung seines Tempos. Wieder ist es passiert, und wieder staunen wir. Wie lange noch ? Der PKW-Absatz schoss im Januar auf Jahresbasis um über 115% in die Höhe. Potzblitz, sind
die Fabriken nicht längst leergefegt ?
 
Dabei hatte China bereits im vergangenen Jahr die USA als größten Markt auf dem Globus überholt.
 
Ebenfalls wie immer gibt es ein paar Erklärungen, die etwas Luft aus dieser heißen Zahl lassen, ihr aber keineswegs den Glanz nehmen: Erstens, der Januar 2009 war für die Autohändler in China ein schwacher Monat gewesen, ein Vergleichsvorteil also; zweitens, das neue chinesische Jahr des Tigers beginnt am Sonntag, da werden vorher noch viele Geschenke gekauft – ja auch Autos, so arm sind die nicht mehr, und viele Chinesen belohnen sich für die Plackerei, mit der man auf ein BIP-Wachstum von 10,7% kommt (4. Quartal) gleich selbst.
 
The Peking to Paris Race of 1907 was a spectacle
for both Chinese and European observers alike,
and involved a distance of over 8000 miles. The
prize was a single bottle of Mumm´s Champagne
/ ralphrepo, Flickr
 
Nur so ist es erklärbar – außer für hart gesottene Verschwörungs-Theoretiker, die wieder statistischen Schmuh wittern – dass selbst im Monatsvergleich zum Dezember der Absatz um satte 18% zunahm. In diesem Zusammenhang ist es ein gutes Zeichen, dass die Fahrzeugpreise in China im ersten Monat des Jahres um 1,3% stiegen, die kräftigste Zunahme in mindestens vier Jahren.
 
Das bedeutet, dass die hohen Fertigungs-Kapazitäten kein so großes Problem sind. Doch in den kommenden Monaten werden weitere Fließbänder im Reich der Mitte von den Autoherstellern angeworfen. Der Preisauftrieb wird also keinen Bestand haben.
 
Kreuzung in China / Jakob Montrasio, Flickr
 
Natürlich kommen jetzt wieder alle Doomsayer aus ihren Ecken, so wie Marc Faber.
Er prognostiziert Chinas Wirtschaft eine scharfe Drosselung des Tempos, vielleicht sogar einen Kollaps, wegen Überkapazitäten. Der Herausgeber des Gloom, Boom and Doom-Reports fürchtet auch, dass eine solche Vollbremsung in China die Rohstoffpreise nach unten reißen könnte. Autsch !
 
Doch im Ernst: Eine Volkswirtschaft, die seit vielen Jahren um 8-10% wächst, deren Automarkt monatlich um bis zu 18% zulegt, deren Banken im Januar – trotz der Kreditexplosion schon im Vorjahr – so viel Geld ausgereicht haben wie im gesamten 4. Quartal, in der die Immobilienpreise in einem Boomverwöhnten Markt so schnell steigen wie seit 21 Monaten nicht mehr und in der die Importe um 85% zulegen !? Ist die nicht langsam an die Decke gestoßen ?
 
Nachholbedarf hin, Nachholbedarf her – wer andauernd solches Wachstum hinlegt und dabei in vielen Rohstoffklassen bis zur Hälfte der weltweiten Produktion verschlingt, der hat zumindest irgendwann ein mathematisches Problem: Weil seine Vergleichsbasis schon so beängstigend hoch war.
 
 
Nehmen wir mal das Beispiel dieses herrlichen alten Computerspiels PacMan, ich habe mir viele Nächte damit um die Ohren gehauen. China kann mit der rasanten Expansion seiner Kapazitäten, seiner niedrig bewerteten Währung und all seinen versteckten Subventionen immer mehr internationale Werber am Markt auffressen, wie im Stahlsektor und vielen anderen Branchen.
 
Doch wenn es dabei so hohe Zuwachsraten hinlegt und weltweit die Rohstoffpreise in die Höhe treibt, dann wird es irgendwann viele Firmen sterben sehen, oder es muss massiv Kredite im Bankensystem abschreiben. Und selbst wenn das nicht passiert, dann werden die vielen Absatzmärkte auf der Welt, in denen Chinas Firmen wie ein Rambo Konkurrenten aus der Arena geworfen haben, sehr schwach werden und weniger von den immer mehr produzierenden Chinesen kaufen.
 
Also doch Überkapazität !
 
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