Verfasst von: markusgaertner | Februar 3, 2010

Massensterben

Immer mehr EU-Firmen

im Jenseits                                      

Vancouver, 4. Februar 2010 

Die Creditreform Wirtschaftsforschung hat heute auf ihre Weise Bilanz des Jahres 2009 gezogen und die Insolvenzzahlen für Europa präsentiert. Fazit: Die Krise hat den Firmen im Euroland ordentlich zugesetzt. Betrachtet wurde die EU-15 mit Norwegen und der Schweiz. Gezählt wurden 185.000

Unternehmens-Insolvenzen, 22% mehr als im Vorjahr. 

Sowohl die sektorale als auch die geografische Verteilung fiel sehr unterschiedlich aus. 

In Mittel- und Osteuropa stieg laut Creditreform die Zahl der Firmen-Insolvenzen um satte 44%, doppelt so stark wie in Westeuropa. In Spanien hat sich die Zahl fast verdoppelt, ein Massaker, das die prekäre Lage im Club Med verdeutlicht. 

Positiv zu erwähnen sind Belgien, Frankreich, Österreich und Deutschland, wo die Zuwächse bei den Insolvenzen unterhalb des EU-Schnitts blieben. 

Nach Branchen betrachtet hat es erwartungsgemäß die Dienstleister besonders hart getroffen. Der Anteil der Dienstleister an allen Insolvenzen liegt demnach bei 37,7%, fast doppelt so hoch wie in der Bauwirtschaft, die mit 20,9% an dritter Stelle an der Statistik beteiligt ist. Der Handel folgt – trotz leicht abnehmendem Anteil an der Gesamtzahl der Insolvenzen – mit 30,2% den Dienstleistern auf dem Fuß. 

Die Lage im Baugewerbe, das naturgemäß in einer vom Immobiliensektor ausgegangenen Krise besonders getroffen wird, schildert Creditreform in der Pressemeldung zu der Studie so

„Im europäischen Baugewerbe hat sich die Insolvenzsituation 2009 etwas beruhigt. Zwar kam für rund 38.800 Bauunternehmen das Aus (Vorjahr: 32.000). Der Anteil des Sektors am Insolvenzgeschehen nahm aber von 21,1 auf 20,9 Prozent leicht ab. Der Handelssektor verlor 2009 ebenfalls an Bedeutung für die europäische Insolvenzentwicklung. Nur noch 30,2 Prozent aller Verfahren betrafen eine Handelsfirma. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 32,4 Prozent. Die absolute Zahl der insolventen Betriebe stieg aber von 49.200 auf 56.000 Fälle“. 

Besonders interessant finde ich den Abschnitt über den Zusammenhang zwischen Eigenkapital und Insolvenzrisiko. Creditreform führt auf, welchen Anteil an allen Insolvenzen in den untersuchten Ländern Firmen mit weniger als 10% Eigenkapital haben. Resultat: Die Spannweite reicht von 36,7% in Italien bis 18% in Skandinavien. Auch hier ist die Schilderung der Situation aufschlussreich:

„Unter den verschärften Fremdfinanzierungsbedingungen kommt der Eigenfinanzierungskraft der Unternehmen eine immer größere Bedeutung zu. Allerdings zehrt die schlechte Ertragslage zunehmend an den Kapitalrücklagen der Unternehmen. Die Eigenkapitalausstattung als wichtige Säule der Unternehmensstabilität bekommt zusehends Risse. Aber nur mit einer ausreichend dicken Kapitaldecke können konjunkturelle Dellen überwunden und Zahlungsverzögerungen bzw. -ausfälle ausgeglichen werden. In den Turbulenzen der Finanzmarktkrise sorgt eine hohe Eigenkapitalquote für bessere Karten bei der Aufnahme eines Bankkredits. Falls Fremdkapital, beispielsweise für ein Investitionsvorhaben, benötigt wird, ist die Eigenkapitalquote eine ausschlaggebende Kennzahl bei der Bestimmung der Kreditkonditionen“.

 

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