Verfasst von: markusgaertner | Februar 3, 2010

Fliegen ohne Flügel

Die Airlines bluten weiter                                        

Vancouver, 4. Februar 2010

Es ist schon deprimierend. Die Airlines kriegen den Fuß nicht auf den Boden. Eigentlich ganz gut, wenn man Passagiere befördern will. Doch hier geht es um die Finanzen. Insgesamt sind in der krisengeschüttelten Branche 200 Mrd. Dollar Schulden aufgelaufen (siehe Video) . Allein im vergangenen Jahr mussten die

Fluggesellschaften zusätzlich 35 Mrd. Dollar aufnehmen, um zu überleben.

Die IATA hat gerade ihr jüngstes Update über den extrem schwierigen Markt veröffentlicht. Die Zahlen sehen auf den ersten Blick erfreulich aus, Wachstumsraten von 8% in Asien Pazifik und bis zu 19% im Nahen Osten gegen Jahresende 2009.

OOOPS, wo fliegt der denn ? / Gaasedal, FLICKR

Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Erstens sieht jetzt alles schöner aus, wegen des miserablen Vergleichsmonats Dezember 2008. Zweitens können sich Airlines in Europa (-1,2% im Dezember) und Nordamerika (-0,4% Passagiergeschäft im Dezember) da nicht mitfreuen.

Seit dem vorläufigen Tief im Passagierverkehr im Februar 2009 haben die Airlines laut IATA lediglich 8,4% zugelegt. Die Zuwachsraten sehen im Frachtverkehr wenigstens noch etwas besser aus, vor allem dank China.

Doch die IATA spricht in dem Pressepapier eine düstere Warnung aus. Das jährliche Wachstum in den zwei Dekaden bis 2008 hatte 6% betragen. Wenn man diese langfristige Aufwärtslinie bis heute verlängert zeigt sich, die Industrie hat zweieinhalb Jahre Wachstum verloren.

Konnten die Airlines nach dem verheerenden Terroranschlag vom September 2001 noch einmal die Kurve kriegen und ihre Zuwächse wieder der langfristigen Wachstumslinie annähern, so besteht diesmal laut IATA-Prognose keine Hoffnung, dieses Kunststück zu vollbringen.

Die Sicht ist klar, die Krise tief / contraption, FLICKR

„In den nächsten Jahren sieht eine solche Aufholjagd extrem unwahrscheinlich aus“, heißt es in dem IATA-Papier. Mehr noch: „Es ist wahrscheinlich, dass sich jetzt eine niedrigere Trendlinie etabliert, die zweieinhalb verlorenen Jahre sind für immer weg“.

Immerhin, auch in dieser Industrie drückt Asien – angeführt von China – dem Rest der Welt zunehmend seinen Stempel auf. Seit dem Tief im Februar 2009 kamen 35% der Zuwächse aus Asien, vermerkt die IATA, mit besonders starker Asien-Dynamik im vierten Quartal 2009. Im vergangenen Jahr hat sogar erstmals überhaupt der Passagierverkehr in Asien das entsprechende Volumen in Nordamerika überholt. Erfreulich ist aus europäischer Sicht, dass die Airlines des Alten Kontinents seit Februar 2009 nach Asien den zweitgrößten Beitrag zur globalen Erholung der Industrie leisteten.

Doch es wird nach Angaben des Branchenverbandes mindestens drei Jahre dauern, bis sich die Fluggesellschaften ganz von der Krise erholt haben. Vorausgesetzt natürlich, die nächste Pest bricht nicht über diesen Sektor herein. Genügend Gefahrenherde gibt es ja.

Aber es scheint auch so, dass die langfristige Wachstumsstory für diesen Markt erhalten bleibt, auch wenn man dort auf absehbare Zeit kein Geld verdienen kann. Airbus hat als größter Flugzeugthersteller der Welt vor einer Woche anlässlich der Singapore Air Show die Prognose für den Raum Asien Pazifik deutlich angehoben. Statt der ursprünglich vorhergesagten 7.672 Maschinen sollen in den kommenden 20 Jahren dort 8.000 abgesetzt werden. Fragt sich aber, wieviele davon wirklich noch von Boeing und Airbus gebaut werden. Chinas Jet-Programm läuft auf Hochtouren.


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