Verfasst von: markusgaertner | Januar 28, 2010

Zwei Monster

Deflation oder Inflation ? – Google fragen                                       

Vancouver, 29. Januar 2010

Inflation oder Deflation ? Die Frage ist nicht nur Stoff für Ökonomen-Witze, sie spaltet die schlaue Konjunkturgucker-Zunft. Letztlich geht es um die Frage, ob die Weltwirtschaft einen Rückfall in die Rezession erleben wird und angstsparende Konsumenten, fallende Rohstoffnotierungen und erneut sinkende

Immobilienpreise eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Weil große Volkswirtschaften mit ganz unterschiedlichem Tempo aus der zwei Jahre alten Krise hervorgehen, fällt die Antwort auf diese Frage noch schwerer.

Japans Ministerium für Innere Angelegenheiten und Kommunikation meldete am Freitag einen Rückgang der Konsumentenpreise für den Dezember um 1,3%, zum Vorjahr wohlgemerkt. Das ist der zehnte Monat hintereinander mit rückläufigen Preisen in Nippon. Damit setzt sich Deflation in der (noch knapp vor China) zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt fest. Die Bank of Japan sagte kürzlich für das Fiskaljahr ab April 0,5% Deflation vorher. Auch im Jahr darauf sollen die Konsumentenpreise immer noch um 0,2% fallen.

Premier Yukio Hatoyama rief seine Regierung in dieser Woche dazu auf, mit der Notenbank zu kooperieren, um die hartnäckige Deflation zu schlagen. Das ist die freundliche japanische Variante, wie man die Zentralbank auf Kurs bringt.

Anders das Preisbild in der Eurozone und in den USA. Das Congressional Budget Office (CBO) hob gerade erst seine Inflationsprognose für 2010 auf 2,4% an, von zuvor 1,7%. Hier spielt eine Rolle, dass der schwache Dollar den Importpreisen Auftrieb verleiht, während die anhaltend schlechte Kapazitätsauslastung den Preisschub von der Handelsseite dämpft.

In der Eurozone hat sich die Teuerung im Dezember auf 0,9% im Jahresvergleich beschleunigt, von 0,5% im November. Hier werden vor allem die steigenden Öl- und Benzinpreise verantwortlich gemacht. Sollten die fiskalischen Turbulenzen um Griechenland anhalten oder sich verschärfen – was zu erwarten ist – und auf die Union eine Zerreißprobe zukommen, dann könnte auch im Euroraum von der Währungsseite Preisauftrieb entstehen. Doch das dürfte nicht so schnell passieren. Und mit 0,9% liegt die Teuerung noch deutlich unter der Schmerzgrenze der EZB von 2%.

In China, wo die Inflation im Dezember auf 1,9% anzog – von 0,6% im November – beteuert die mächtige Entwicklungs- und Reformkommission, es gebe im Reich der Mitte derzeit keine Inflation. In China achtet die Regierung offiziell auf deflationäre Tendenzen. Viel wird davon abhängen, wie stark Preisreformen im Energiesektor durchschlagen und wie gut der Staatsrat die ausufernde Kreditmenge in den Griff bekommt. Am Immobilienmarkt zumindest herrscht ganz klar Inflation, nachdem die Wohnungspreise im vergangenen Jahr um 75% gestiegen sind.

Die vielen Fragezeichen erklären, warum einige Notenbanken bisher sehr zögerlich von ihrem expansiven Kurs abgehen und in einigen Fällen – wie der Fed in den USA noch unbefristet auf Expansionskurs in der Geld- und Zinspolitik bleiben. Die Fed will mit der Verzinsung von Bankeinlagen ebenso zart mit der Drosselung des Lockerungstempos beginnen wie die People´s Bank of China, die vor wenigen Tagen führenden Staatsbanken die Vergabe weiterer Kredite bis Ende des Monats untersagte und höhere Risikovorsorge befahl.

Tun wir mal, was viele Politiker und Mitglieder der Geldelite nicht mehr so häufig tun, wir schauen dem Volk aufs … nein, auf die Tastatur.

Es gibt eine ganz simple Methode: Bei Google Trends gebe man zunächst als Suchwort INFLATION ein, danach in einem neuen Suchvorgang DEFLATION. Heraus kommen zwei ganz unterschiedliche Kurven (siehe Grafik). Die beiden Monster – Inflation und Deflation – weisen sehr unterschiedliche Suchvolumina auf. Der Begriff Deflation wird seit Anfang 2009 – als die Börsenrally begann, die Rohstoffpreise wieder anzogen und die Cheerleader-Armada der Wall Street uns mit „green shoot“-Propaganda überhäufte – immer seltener aufgerufen.

Das Suchwort Inflation dagegen, das immer um die Weihnachtszeit – wenn der US-Einzelhandel die „Sale“-verwöhnten Amerikaner mit Sonderangeboten überhäuft – einen Einbruch erlebt, wird derzeit wieder deutlich häufiger eingegeben. Kein Wunder: Die Preisschilder an den Tankstellen erinnern uns jede Woche daran, wohin die (P)reise geht, sollte die begonnene Erholung anhalten.

Doch daran gibt es ja schon wieder berechtigte Zweifel, wie die Job-Gelöbnisse des US-Präsidenten vom Mittwoch und die steigenden Arbeitslosenzahlen in 43 US-Staaten belegen. Lassen wir uns nicht von der bulligen BIP-Wachstumszahl heute in den USA verwirren ….


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