Verfasst von: markusgaertner | Januar 21, 2010

Konjunktur-Killer Öl

Spekulanten bedrohen die wirtschaftliche Erholung                      

Vancouver, 22. Januar 2010

Es gibt immer noch Ökonomen, die den Einfluss der Spekulation auf den Ölpreis für schwer nachweisbar halten. Vielleicht gehören diese ignoranten Prachtexemplare zu jener erleuchteten Spezies , der auch Benny-Boy Bernanke angehört, der mit einer ganzen Armada von promovierten Konjunktur-Guckern die Blase vor der jüngsten Krise nicht zu erkennen vermochte. Es kommt eben auf die Messlatte an, die man an den Sachverhalt anlegt.

Doch beim Öl ist das denkbar einfach (siehe Grafik) – Der weltweite Rohölkonsum stieg laut der US-Energy Information Administration (EIA) vom 4. Quartal 2008 bis zum Schlussquartal 2009 um schlappe 1,08% an. Doch die Ölpreise sausten seit Anfang 2009 um über 100% nach oben.

QED !

Aber halt: Das Angebot könnte sich ja dramatisch verknappt haben. War aber nicht der Fall, wie wir wissen. Genau gesagt: Im genannten Zeitraum stieg das Ölangebot auf der Welt sogar weiter an, wenn auch nur um marginale 0,1% auf 85 Millionen Barrel pro Tag. Angebot und Nachfrage haben die massive Steigerung beim Ölpreis also auf keinen Fall ausgelöst.

Viel interessanter – und für die Konjunktur auch entscheidender – ist dagegen, welchen Effekt dieser Preisanstieg hat.

In den USA gibt es 165 Millionen Autofahrer. Die müssen wegen der Rally der Benzinpreise seit Januar 2009 nun jede Woche 20 Dollar mehr berappen, wenn sie ihren Tank mit Normalbenzin füllen. Multipliziert mit 52 Wochen bedeutet das: Die US-Autofahrer kostet der künstlich verteuerte Ölpreis 172 Milliarden Dollar extra im Jahr.

Gemessen am privaten Konsum von 10.000 Milliarden Dollar im Jahr macht das 1,7% Unterschied. Da der Anteil des privaten Konsums am Bruttoinlandsprodukt in Amerika bei 70% liegt, macht der ölpreisbedingte Unterschied für das BIP über 1% aus, wenn der Ölpreis in den kommenden Monaten nicht dramatisch sinkt.

Glaubt man der EIA, dann werden die Ölnotierungen jedoch eher steigen, weil der Verbrauch bis 2011 merklich anziehen soll.

Der Rest der Rechenaufgabe ist Formsache, aber sehr brisant: Die Schlaumänner bei Goldman Sachs haben für dieses Jahr in den USA eine Zunahme des BIP von etwa 2% prognostiziert. Im Klartext: Der manipulierte Ölpreis kann den Ausschlag geben zwischen einer Fortsetzung der Erholung und einem Rückfall in die Rezession, das von vielen für möglich gehaltene „W“.

Was das für ärmere Länder als die USA bedeutet – z. B. die Philippinen, wo 80% der Familien mindestens 60% des verfügbaren Einkommens für Nahrung und Treibstoff ausgeben – kann man sich lebhaft ausmalen ! An der Wall Street verstauben solche Messlatten aber hinter den glühenden Monitoren mit dem DOW-Index.


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