Verfasst von: markusgaertner | Januar 15, 2010

Google gegen China eskaliert

USA verlangen von China

formale Erklärung                                              

Vancouver,  16. Januar 2010

Der „Standoff“ zwischen dem Internet-Konzern Google und der Volksrepublik China eskalierte am Freitag. Das US-Außenministerium kündigte für die kommende Woche eine formelle Beschwerde gegen China wegen der Cyberangriffe auf Google an. Der US-Konzern fand unterdessen auch

in Brüssel Unterstützung. Die bisherige EU-Wettbewerbs-Kommissarin Neelie Kroes erklärte in ihrer Anhörung für die Nominierung als Kommissarin für die digitale Agenda der EU, „wenn die von Google erhobenen Vorwürfe zutreffen sollten, wäre ein Angriff auf Menschenrechts-Aktivisten in China und anderswo besonders besorgniserregend“.

Am Freitag sickerten erste Nachrichten über Firmen durch, die Ziele der von Google beklagten Cyberattacke aus China gewesen sein könnten.  Adobe, Symantec und Juniper Networks bestätigten die Angriffe auf ihre Systeme, Dow Chemical und der Rüstungskonzern Northrop Grumman sollen ebenfalls attackiert worden sein.

Bloomberg zeigt im folgenden Video ein Gespräch mit Adam Segal vom US Council on Foreign Relations über mögliche Bewegründe für Googles brisante Entscheidung:

Google hat seine Position ausführlich im eigenen Blog durch Chefjustitiar  David Drummond erläutert. Im Mittelpunkt steht folgendes Statement:

„In mid-December, we detected a highly sophisticated and targeted attack on our corporate infrastructure originating from China that resulted in the theft of intellectual property from Google. However, it soon became clear that what at first appeared to be solely a security incident–albeit a significant one–was something quite different. First, this attack was not just on Google. As part of our investigation we have discovered that at least twenty other large companies from a wide range of businesses–including the Internet, finance, technology, media and chemical sectors–have been similarly targeted. We are currently in the process of notifying those companies, and we are also working with the relevant U.S. authorities“.

Chinas Reaktion auf die schweren Anschuldigungen von Google schildert dieses reuters-Video, das auch Dissidenten vor der Google-Zentrale in Peking bei ihrer Sympathie-Bekundung zeigt:

Google würde für einen Rückzug aus China zunächst nicht unmittelbar einen hohen Preis zahlen, die Umsätze im Reich der Mitte machen bei dem Konzern nicht mehr als 2-3% vom globalen Umsatz aus. Doch China hat gewaltiges Potenzial. Die Zahl der Internetnutzer im bevölkerungsreichsten Land der Erde stieg im abgelaufenen Jahrzehnt nach Angaben von Internet World Stats um 1.500% auf zuletzt 380 Millionen an.

Das ist jeder zweite Internetnutzer in Asien. Weil die Penetrationsrate im Reich der Mitte dennoch erst bei knapp 27% liegt, hat Google phänomenale Wachstumsaussichten. Die rasanten Zuwächse bei der Nutzung des Internets in China haben dazu geführt, dass Chinesisch schon jetzt die zweitwichtigste Sprache hinter Englisch ist. 

Genau dies aber wird von so manchen Branchenkener bestritten. Google kommt gegen den Lokalmatador Baidu.com …

…der 60% des Marktes beherrscht – bislang nicht richtig auf die Beine. Einige Kommentatoren in Amerika, darunter das Business-Magazin FORBES – vermuten daher, dass Google in Wirklichkeit keinen Streit für die Menschenrechte vom Zaun gebrochen, sondern möglicherweise eine simple, wenn auch brisante, Businessentscheidung getroffen haben könnte.

Hinweisschild vor der Kirche einer US-Gemeinde für den Gottesdienst am Sonntag – Mykl Roventine, FLICKR

Das Handelsblatt sieht jedenfalls als „lachenden Dritten“ schon jetzt Baidu.  

Einen besonderen Aspekt gewinnt „Asian Correspondents“ dem Streit ab: „It´s not Google that withdraws from China, it´s China that withdraws from the world“: 

Die Grafik ist auch auf meiner Homepage www.markusgaertner.com und in der Gallerie auf www.slideshare.net/markusgaertner (Mit RSS FEED BUTTON)

 

GOOGLE vs. CHINA  –  Presseschau

Auf verlorenem Posten: FORBES vermutet, Googles Drohung ist eine Business-Entscheidung, weil es gegen den lokalen Rivalen Baidu.com (60% Marktanteil) ohnehin auf verlorenem Boden steht – http://tinyurl.com/yh9wwrx

Gegenattacke: Einer der Cyberangriffe, die Google China vorwirft, soll sich gegen die Kanzlei Gibson Hoffman & Pancione gerichtet Haben. Diese vertritt ein Unternehmen, das China wegen des Diebstahls seines Software-Codes verklagt – http://tinyurl.com/ykldyka

Schadensbegrenzung: China bemühte sich am Freitag, möglichen Schaden aus der Google-Affäre auf die bilateralen Beziehungen mit den USA abzuwehren –
http://tinyurl.com/yc7yore

Cyber-Großangriff: Weitere Namen der Ziele von Chinas Cyberattacke tauchen auf – Adobe, Symantec und Juniper Networks bestätigen, dass sie angegriffen wurden; Dow Chemical und Northrop Grumman sollen ebenfalls angegriffen worden sein – http://tinyurl.com/ygayp8p

Raffinesse und Dreistigkeit: Spiegel Online beschäftigt sich damit, wie die Hacker-Angriffe technisch abliefen http://tinyurl.com/yeo8c3o

Baidu frohlockt: Das Handelsblatt sieht den chinesischen Marktführer Baidu als den „lachenden Dritten“ im Streit zwischen Google und China – http://tinyurl.com/yk5w6h5

 Googles Erklärung: Hier ist der Link zu der Erklärung, mit der Google-Justitiar David Drummond im Google-Blog den Rückzug aus China androhte –
http://tinyurl.com/yhfgo9k

Internet-Statistik: Die Webseite von Internet World Stats enthält zahlreiche gute Statistiken über die Onlinenutzung in Asien und China – http://tinyurl.com/8k5rg4

 


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: