Verfasst von: markusgaertner | Januar 14, 2010

Euro-Knaller

Der Euro soll den Greenback ablösen      

Vancouver, 15. Januar 2010

Der Rebound des Dollars liefert seit Wochen Schlagzeilen. Doch jetzt kauft der Euro ihm den Schneid ab, in zweierlei Hinsicht. Nicht nur, weil Griechenlands Premier George Papandreou beteuert, er wolle weder den IWF zu Hilfe rufen, noch die Eurozone verlassen. Sondern auch, weil einer der letzten verbliebenen Doomsayer

in der Finanzwelt, David Roche – Topmann bei Independent Strategy – dem Euro vorhersagt, die führende Reservewährung zu werden.

Roche begründet diese Prognose, die wegen der Turbulenzen um Griechenland gelinde gesagt als gewagt gilt – mit dem besseren Wachstumsmodell, das Europa seiner Ansicht nach gegenüber den USA hat. „Wir haben in der Eurozone eine bessere fiskalische Balance und weniger Schulden gemessen am BIP“.

David Roche findet den Euro zum Anbeißen – „oskay“ auf FLICKR auch:

Tasty Money

Mehr noch, so Roche: Weil Europa den Steuerzahlern bereits tief in die Taschen greife und kaum an der Schraube drehen könne, sei es nun gezwungen mehr zu sparen, was der privaten Wirtschaft mehr Kapital für deren Aktivität überlasse, ein Pluspunkt.

Der Hinweis kommt nur drei Tage nachdem Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman in der New York Times geschrieben hat, die USA könnten sich an Europa eine Scheibe abschneiden. 

Die Europäer selbst sehen freilich derzeit mehr die Probleme, die bald schon auf sie zukommen, wenn auch Italien, Portugal und Irland für Schlagzeilen wie derzeit Griechenland sorgen.

Interessant ist vor diesem Hintergrund ein Blick in die Zahlenreihen des Internationalen Währungsfonds (IWF), der die zuverlässigsten Daten zur Verteilung der Devisenreserven aufbereitet.

Der IWF publizierte vor wenigen Tagen seine Forex-Statistik für das dritte Quartal 2009. Die wichtigsten Fakten: Der Anteil des Greenback an den weltweiten Reserven ging vom zweiten auf das dritte Vierteljahr 2009 leicht von 62,8% auf 61,6% zurück, während der Euro im selben Zeitraum von 27,4% auf 27,7% minimal zulegen konnte.

Der Euro konnte seit der Einführung vor zehn Jahren von damals 17,9% an den globalen Reserven 10 Prozentpunkte gutmachen, ein ordentlicher Schritt. Dennoch trennen ihn weiterhin 34 Prozentpunkte von der dominanten Position des Greenbacks.

Selbst wenn Roche recht behält, muss er also noch eine ganze Weile warten.

Und er muss genau die asiatischen Notenbanken beobchten. Sieben der zehn größten Reserveportfolios werden derzeit von Notenbanken in Fernost verwaltet, Tendenz steigend. Die beiden „reichsten“ Zentralbanken – die chinesische und die japanische – haben im vergangenen Jahrzehnt zusammen phasenweise die Hälfte der weltweit zusätzlichen Reserven angesammelt, so die EZB.  

Es ist also ganz entscheidend für die laut Roche so glänzende Zukunft des Euro, was die Fernost-Notenbanken mit ihren Beständen anstellen. China hat laut vernehmlich zu Protokoll gegeben, dass es erhebliche Zweifel über die Aussichten des Dollars hat. Es wäre ungewöhnlich, wenn Peking seinen kritischen Worten bei anhaltender fiskalischer Erosion in den USA nicht auch Taten folgen lassen würde.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: