Verfasst von: markusgaertner | Januar 13, 2010

F&E-Weltmeister

Asien hängt bei F&E Europa und die USA ab            

Vancouver, 14. Januar 2010

Ich habe an dieser Stelle in den vergangenen Wochen viel über Asiens Aufstieg geschrieben. Es gibt Stoff für mehr. Die UNESCO hat durch ihr Statistik-Institut einen globalen Vergleich der F&E-Gewichte angestellt und publiziert. Das Resultat gibt zu denken. Asien repräsentiert nach einem kräftigen

Schub im abgelaufenen Jahrzehnt jetzt 41,4% aller Forscher auf der Erde. Der Zuwachs in den fünf Jahren bis 2007 betrug in Fernost satte sechs Prozentpunkte. Und er ging eindeutig auf Kosten Europas und der USA.

Der Weltmarktanteil Europas bei F&E fiel in dem genannten Zeitraum von 31,9% auf 28,4% zurück, die USA sahen ihr Gewicht von 23,2% auf 20,3% reduziert. China hat mit jetzt 20,1% ganz dicht aufgeschlossen und wahrscheinlich seit Ende des Beobachtungszeitraums die USA sogar überholt (siehe ECONCHART-Grafik). 

Asien wird Zentrum der weltweiten F&E - Hier der Hafen von Shanghai, Chinas größter

Zwei schlechte Nachrichten dazu aus europäischer Sicht: Erstens liegt Asien bei der Gewichtung der Forscher- und Entwicklerzahlen noch weit hinter Europa und den USA, die absoluten Zahlen werden sich daher in den kommenden Jahren dramatisch weiter zugunsten Asiens verschieben. Kommen in Fernost auf eine Million Menschen derzeit erst 742 Forscher, so sind es in Europa über 2.500 (150% mehr als in China) und in den USA 4.707. Viel Aufholpotenzial also für Asien, das mit seinem kräftigen Wachstum und den immer größeren Präsenzen westlicher Firmen ohnehin an Bedeutung und Attraktivität gewinnt.

Zweite schlechte Nachricht: Mit so viel mehr kritischer Masse werden immer öfter in Zukunft die technischen Standards in Asien gesetzt. Ökonomischen Mehrwert schaffende Patente werden für Produkte nach asiatischem Geschmack angemeldet. Das muss jedoch keineswegs ein Nachteil sein, im Gegenteil, wie man an der Beliebtheit vieler technischer Geräte aus Japan oder China – von Handys bis hin zu Videogeräten und Kameras – schon heute sieht.

Die gute Nachricht aus europäischer Sicht ist: Viele der zusätzlichen Forscher und Entwickler, die in Fernost dazugekommen sind, stammen aus westlichen Ländern und sind in den vergangenen Jahren mit ihren Firmen gewandert, weil diese marktnahe Produkte für die aus ihrer Sicht immer kaufkräftigeren und schneller wachsenden lokalen Märkte entwickeln wollen. Rund die Hälfte von Chinas Exporten stammt aus westlichen Fabriken, die dort gebaut wurden. Und viele dieser Produktionsstätten haben seit Chinas Beitritt zur WTO Ende 2001 verstärkt Manpower in F&E nachgezogen.

Meldungen über die nach Asien verlegten oder dort rasant ausgebauten Forschungszentren westlicher Firmen gehören zu den häufigsten Schlagzeilen in der westlichen Firmenpresse. F&E sind dort oft auch weniger behördlichen Schranken gesetzt als in Europa oder den USA. Leider gilt das für Markenschutzrechte ebenfalls.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: