Verfasst von: markusgaertner | Januar 7, 2010

Asiens neue Dampfwalze

In Asien übernimmt der private Konsum                

die Rolle des

Konjunktur-Zugpferds

Vancouver 8. Januar 2010

Unter den Chinaexperten kursiert ein Witz: Was ist der Unterschied zwischen der People´s Republic und der Obama-Republic ? Ganz einfach: In Washington gehört der Staat den Banken, in China gehören die Banken dem Staat. Hinter der anti-kapitalistischen Platitüde steckt aber eine Wahrheit, die

man sich ganz dicht vor Augen halten muss.

Während westliche Regierungschefs noch immer vergeblich die Geschäftsbanken antreiben, mehr Kredite auszureichen, hat Chinas KP vor etwas mehr als einem Jahr ganz still aber sehr effektiv die Staatsbanken verdonnert, mehr Geld an die 1,3 Mrd. Chinesen zu verleihen, Privatwirtschaft inklusive. Und – simsalabim: Die Kreditvergabe erreichte im Jahr 2009 ein Volumen, das 50% des BIP entspricht. Schon nach vier Monaten war das Kreditvolumen des gesamten Vorjahres übertroffen.

Die Beziehung zwischen Staatsbänkern und Staatslenkern muss man sich in China etwa so vorstellen, als säße der Goldman Sachs-CEO im Vorzimmer von Timothy Geithner, aber Geithner wäre ersetzt durch einen kampfeslustigen Volkstribun.

Die massive Ausweitung der Kreditmenge ist einer der Gründe für einen tiefgreifenden Wandel, der sich derzeit in Asien abspielt, angeführt sowohl vom Volumen als auch von der Wucht her von China. Die globale Krise hat den Trend noch verstärkt. Der private Konsum ist dabei, dem Export die Führungsrolle als Lokomotive der Konjunktur abzunehmen.

Angedeutet hat sich das schon länger. Aber so richtig deutlich gemacht hat es dieser Tage eine schöne Analyse der UBS über die aktuellen wirtschaftlichen Vorgänge in Fernost. „Asian Economic Monitor“ heißt der dicke Schinken, der auf 60 Seiten so ziemlich alle wichtigen Daten des Boomkontinents auflistet.

Ganz klar sticht dabei hervor, dass es die bevölkerungsreichen Länder Asiens sind, die mit den großen Inlandsmärkten, die am stärksten wachsen. (siehe erste GRAFIK) China, Indien und der 15.000 Insel-Archipel Indonesien – der sich von west nach ost so weit erstreckt wie ein Flug von London nach Bagdad – stechen vor allen anderen Ländern des Kontinents deutlich heraus.  

Ein Zufall ? Nein. Denn Asiens Regierungen haben in der Krise pro Kopf der Bevölkerung weitaus mehr wirtschaftlichen Anschub unters Volk gebracht als westliche Regierungen. Mehr noch: Der wachsende Mittelstand, der Immobilienboom und die Urbanisierung haben eine Dynamik in Gang gesetzt, die selbst von der aktuellen Krise nicht gestoppt werden kann. In den Flächenstaaten Asiens ist dieser Effekt besonders stark.

Das wird deutlich aus dem rechten Chart in der ersten Grafik, der sehr schön zeigt, dass selbst die schärfste globale Rezession seit 80 Jahren Asiens Konsum diesmal nicht so weit zurückwerfen konnte, wie die weniger brutale asiatische Finanzkrise in den 90er Jahren.

In China spielt dabei neben dem riesigen Anschubprogramm der Pekinger Führung vor allem die Psychologie eine Rolle: Die Währungsreserven wachsen atemberaubend schnell, das Land ist trotz der Flaute im Welthandel 2009 neuer Exportweltmeister vor Deutschland geworden, es hat Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft überflügelt und die Kommunistische Partei muss – das wissen die Chinesen – das horrende Tempo der Volkswirtschaft aufrecht erhalten, weil sie sonst die Macht verliert.

Wer sein Land so im Wind segeln sieht, der muss fast Vertrauen haben (siehe zweite Grafik). Dabei hat in China der private Konsum noch sehr viel Spiel nach oben, denn mit 40% am BIP hat er einen so geringen Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Leistung wie nirgends sonst in Asien.


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