Verfasst von: markusgaertner | Januar 4, 2010

Freier Fall

Internet-Vormarsch zerschreddert

die Zeitungs-Industrie

Vancouver 5. Januar 2010

In Las Vegas steht die Consumer Electronics Show an, das weltweit führende Spektakel der Industrie für Unterhaltungselektronik. Angeblich werden 20.000 neue Produkte gezeigt. Das Nexus One von Google ist der Hit in der Gerüchteküche, keiner weiß, ob es ausgestellt

wird. Ob Apple sein bahnbrechendes Tablet-Gerät vorstellt, wird wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Die Fans von 3-D-TV sind ganz aufgeregt. Und endlich kommen auch biegsame Touchscreens.

Doch nicht alle fiebern der Show mit Erwartung entgegen. Je länger der Vormarsch des Internets anhält, und je mehr Applikationen rund um das Online-Orbit gestrickt werden, desto fester wird den traditionellen Zeitungen die Luft abgeschnürt. Denn immer mehr Werbung verlässt den Printbereich, aus zyklischen, oder aus strukturellen Gründen.

Wohin das Werbegeld vor allem abwandert, das hat in dieser Woche der Infoservice „eMarketer Digital Intelligence“ in seinem „2010 Predictions Round-Up“ dargestellt. Die Prognose geht davon aus, dass sich das Werbevolumen im Bereich der Netzwerk-Plattformen allein im Zeitraum 2008 bis 2011 um 30% ausdehnen wird. Für den Mobilfunkbereich steigert die Werbeindustrie ihre Ausgaben bis 2013 um rund 300%, auf knapp 1,6 Mrd. Dollar (siehe Grafik)

Ins Internet abwandernde Leser und Werbeumsätze haben bei den gedruckten Zeitungen dramatische Folgen. In den USA brach im dritten Quartal das Anzeigenvolumen auf Jahresbasis um 28% ein. Die tägliche Auflage der 379 Zeitungen im Land fiel um 10,6%. Allein in New York, dem Zentrum der US-Informationsindustrie, gingen seit Beginn des Jahrzehnts rund 60.000 Jobs verloren. Der Economist illustrierte kürzlich den Auflageneinbruch der größten US-Zeitungen so:

Auf die Beschäftigung im Zeitungsgewerbe wirkt sich das dann so aus, wie im folgenden Econchart von Gapa News illustriert:

Die Prognosen für die Branche sind genauso verheerend. Das US-Bureau of Labor Statistics hat die Job-Perspektiven der Branche im Land kürzlich in einer eigenen Aufstellung für die Jahre bis 2018 so dargestellt:

Wer also in der traditionellen Zeitungsbranche nicht so enden will, oder das bereits erleben musste …. 

…. der sollte sich ein Tagesticket für die CES in Las Vegas besorgen …

… und einen sehr genauen Blick auf die vielen neuen Produkte der Elektronik- und Internetbranche werfen, um sich zu überlegen, in welchen Segmenten es künftig sichere Jobs gibt. An Möglichkeiten wird es nicht fehlen, wie wir an dieser Stelle am 1. Januar – „Wo die meisten Jobs entstehen“ – beschrieben haben.


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