Verfasst von: markusgaertner | Dezember 29, 2009

Jeder ein Verleger

Die Wiedergeburt von Johannes Gensfleisch                                              

Vancouver  30. Dezember 2009

Wir alle wissen, was es mit dem Namen Gutenberg auf sich hat, Eigentlich hieß er Johannes Gensfleisch, der um 1400 in Mainz geborene Erfinder des mechanischen Buchdrucks. Als Journalist hat man in diesem

Jahrzehnt – ganze 600 Jahre später – das Gefühl, als ginge diese Epoche in der Abwärtsspirale der traditionellen Printmedien unter.

Für diejenigen Journalisten von uns, die sich nicht an das sinkende Schiff herkömmlicher Zeitungen klammern, sondern mit ins Internet migrieren, entstehen gleichzeitig die Umrisse eine neuen Epoche, einer, in der jeder sein eigener Verlagschef werden kann.

Und das geht quasi über Nacht. Die Besucher dieser Seite wissen bereits wie. Man eröffne ein Konto auf einer sozialen Plattform wie LinkedIn oder XING, richte einen Blog – zum Beispiel bei WordPress – ein und lege los. Kein Redakteur mehr, der nur wenig Platz auf seinen Seiten hat. Kein anderer Korrespondent, in dessen Hoheitsgebiet man eindringt. Keine Restriktionen, außer der Wahrhaftigkeit beim Schreiben.

Diese Revolution ist in vollem Gange und hat 2009 im ausklingenden Jahrzehnt ihren vorläufigen Höhepubkt erreicht. Gutenberg 2.0 ist die anbrechende Ära, in der jeder über Nacht zum Verleger werden oder eine eigene „Rundfunkstation“ gründen kann. Die Druckerei wird für viele Texte ausgelassen, die Aktualität erreicht eine ganz neue Dimension. Viele traditionelle Zeitungen haben diesen Wandel verschlafen.

Wer jetzt mitmischt, kann eine Zeit gestalten helfen, hoffentlich mit hohen beruflichen Standards und ehernen Verpflichtungen zur Objektivität und – ja, Wahrhaftigkeit. Bislang sieht es in dieser Hinsicht noch nicht besonders gut aus. Aber es sind hunderte von Millionen neuer Verlage im Internet entstanden.

Trendstream und Lightspeed Research, zwei Internet-Spezialisten, haben in einigen Ländern untersucht, wie Nutzer des World Wide Web die vielen neuen Newsplätze mit Gehalt füllen.

Der hochinteressante Befund: In so unterschiedlichen Ländern wie China un den USA – wo nicht nur die Verbreitung des Internets, sondern auch das politische System und die Kontrolle über den Nachrichtenfluss höchst unterschiedlich sind – werden die vier gleichen Lieblings-Beschäftigungen der do-it-yourself-Verleger beobachtet: Die Pflege von Profilen in sozialen Plattformen, das Hochladen von Videos und Fotos sowie das Schreiben von Blogs.

In den USA stehen die Netzwerkprofile und Fotos ganz oben auf der Beliebtheitsskala, gefolgt von Video-Präsentationen und Blogs. In China, wo sich die Repression der Führungsriege in Peking mit ganzer Wucht auf das Internet erstreckt, stehen Fotos und Blogs ganz oben, dann kommen Videos und Netzwerk-Teilnahme.


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